Schausteller: Schwieriges Geschäft mit dem Spaß

Warten auf die Dom-Eröffnung am Freitag: Michael Henry und Jennifer Dieckmann mit ihren Kindern Henry und Romy. Die Handorfer Schausteller sind froh, dass wieder etwas zu tun ist.

Warten auf die Dom-Eröffnung am Freitag: Michael Henry und Jennifer Dieckmann mit ihren Kindern Henry und Romy. Die Handorfer Schausteller sind froh, dass wieder etwas zu tun ist.

Handorf/Hamburg. Eigentlich müsste man erwarten, dass Michael und Jennifer Dieckmann richtig Bock auf Dom haben. Der wird am Freitag, 30. Juli, auf dem Hamburger Heiligengeistfeld eröffnet, genau 600 Tage nach der letzten Veranstaltung dieser Art dort. Das war der Winterdom 2019, dann kam Corona. Vor allem lange Zeit keine Einnahmen für Schausteller, zu denen die Dieckmanns aus Handorf zählen. Beim Dom sind sie mit einem Autoscooter, einem Kinderflieger und einer Wurfbude dabei.

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Auf dem Gelände herrscht Maskenpflicht

Die Vorfreude ist bei Michael Dieckmann durchaus da, aber sie äußert sich vorerst nur verhalten. „Es bleibt einfach eine große Unsicherheit bei der Planung. Was brauchen wir an Ware, was an Personal?“, erklärt der 31-Jährige. Offen ist auch, was man überhaupt vom Sommerdom unter Corona-Bedingungen erwarten kann. Zum Hygiene-Konzept gehören eine Wartezone vor dem Eingang, der Besuch in festgelegten Zeitfenstern sowie ein Einbahnstraßensystem, das über einen etwas kleineren Dom als üblich führt.

Nur negativ Getestete, vollständig Geimpfte und Genesene erhalten Zutritt zum Dom, auf dem gesamten Gelände herrscht Maskenpflicht. Zudem dürfen sich maximal 9500 Besucher zeitgleich auf dem Areal aufhalten. Zutritt gibt es nur mit einem kostenlosen Online-Ticket. Das Schutzkonzept lasse sich in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen und in Abstimmung mit den zuständigen Behörden noch anpassen, sagt Sören Lemke, Referatsleiter der veranstaltenden Behörde für Wirtschaft und Innovation. Für den sowieso nicht ungetrübten Dom-Besuch sind also einige Hürden zu überwinden.

„Das war eine schwierige Zeit“

Allein die Beschränkung auf nicht mehr als 9500 Besucher je Zeitfenster schmälert die Aussichten auf ein lohnendes Geschäft für die Schausteller. „An richtig guten Tagen haben wir hier in Hamburg bis zu 40.000 Besucher am Tag“, zieht Jennifer Dieckmann den Vergleich.

Gleichwohl überwiegt bei beiden die Lust auf Dom, vor allem, nachdem die Familie mit den beiden Kindern in den vergangenen knapp 18 Monaten meist aufeinander hockte. „Das geht schon auch auf die Nerven“, bekennt die 32-Jährige. Die Pandemie bestimmte den Familien-Alltag, und der war selten aufregend oder abwechslungsreich. Normaler Schausteller-Alltag für Michael und Jennifer Dieckmann sind zwischen 20 und 30 Veranstaltungen im Jahr. 2020 gab es zumindest das „Winsener Sommervergnügen“ und eine Veranstaltung in Lüneburg, ansonsten war Stillstand.

Entsprechend kippte letztlich auch die wirtschaftliche Lage. Ohne Veranstaltungen kann es keine Einnahmen geben. Die staatliche Hilfe sei aber schnell verfügbar gewesen, unterstreicht Michael Dieckmann. Er habe Überbrückungshilfen erhalten sowie eine Soforthilfe für die Betriebskosten. Das waren Hilfen, aber Rechnungen gab es da ja trotzdem noch zu zahlen. „Das war eine schwierige Zeit“, sagt Michael Dieckmann.

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Was passiert bei einem Abbruch?

Für eine Schausteller-Familie ist es zudem hart, mehr als ein Jahr lang nicht unterwegs zu sein. Was macht man nun mit der vielen freien Zeit? Mit kosmetischen und technischen Reparaturen an ihren Fahrgeschäften haben sich die Dieckmanns die Zeit vertrieben. Der Bestand ist also gepflegt. Der Aufbau auf dem Heiligengeistfeld läuft jetzt auf Hochtouren, da helfen sich die Dieckmanns auch untereinander. Arbeitsintensiv ist dabei vor allem der Autoscooter, ansonsten kommt jetzt die Ware in die Buden, und alles wird gewienert. Bis zur Eröffnung am Freitag muss dann der TÜV das technische Gerät abgenommen haben. Dazu tun sich die Schausteller gerne zusammen, um einen Termin zu machen und die Anfahrtskosten für den Prüfer zu teilen.

Über allem aber steht die bange Frage, wie sich die Inzidenzen in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln. Fatal wäre es nicht nur für Michael Dieckmann, wenn der Dom abgebrochen werden müsste. Es herrscht Unsicherheit bei den Schaustellern. So planen sie mit der Ware also eher vorsichtig, Nachschub kann man immer noch ordern. Und wie in der Gastronomie herrscht Personalmangel. Viele haben nach knapp eineinhalb Jahren ohne Beschäftigung umgesattelt und einen neuen Job angetreten.

Von Björn Hansen

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