Forschungsschiff mit Wasserstoffantrieb wird in Lauenburg gebaut

Klaus Linde und Michael Rehahn (Hereon, von links) unterzeichneten mit Marek und Kai Klimenko (Hitzler, von rechts) den Bauvertrag. Projektleiter Volker Dzaak hatte das 1:50-Modell bereits dabei. (Foto: tja)

Klaus Linde und Michael Rehahn (Hereon, von links) unterzeichneten mit Marek und Kai Klimenko (Hitzler, von rechts) den Bauvertrag. Projektleiter Volker Dzaak hatte das 1:50-Modell bereits dabei. (Foto: tja)

Lauenburg/Geesthacht. Das weltweit erste Forschungsschiff mit Wasserstoffantrieb wird auf der Hitzler Werft in Lauenburg gebaut. Der entsprechende Vertrag zwischen Marek und Kai Klimenko, den Chefs der traditionsreichen Werft am Elbufer, sowie den Verantwortlichen des Hereon-Forschungszentrums aus Geesthacht, wurde vor Kurzem unterzeichnet. Bereits in drei Monaten soll die Kiellegung erfolgen, Anfang 2024 soll der rund 15 Millionen Euro teure Neubau in Fahrt gehen. Dabei kommen zahlreiche Innovationen zum Einsatz – die Wissenschaftler des Geesthachter Forschungszentrums entwickelt hatten.

Die Schiffbauer aus Lauenburg hatten sich im Rahmen der Ausschreibung des Projekts gegen internationale Konkurrenz durchgesetzt. „Wir sind stolz, dieses Schiff bauen zu können“, so Marek Klimenko. 30 Jahre hatte er im Unternehmen gearbeitet, dann mit seinem Sohn die Verantwortung übernommen.

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Weltweit einzigartige Innovationsplattform

Der Projektname ist „Ludwig Prandtl II“, denn der 29,90 Meter lange und acht Meter breite Neubau mit 1,60 Metern Tiefgang soll die aktuelle „Ludwig Prandtl“ von 1983 ersetzen. Das 31 Meter lange Forschungsschiff ist vor allem in Nord- und Ostsee im Einsatz. Wie der Neubau nachher heißen wird, können die Mitarbeiter des Forschungszentrums in einem Ideenwettbewerb mitbestimmen.

Am Design und vor allem an der Technik, die der Neubau bekommen wird, waren die Forscher bereits beteiligt. Küstenforschung, Wasserstofftechnologien, Membranforschung, und Digitalisierung – all diese Forschungsbereiche sind bereits beim Bau und bei der späteren Nutzung mit einbezogen. „Gerade das interdisziplinäre Zusammenwirken unserer Forschungsfelder zeichnet uns als Zentrum aus und macht deshalb auch das Schiffskonzept so besonders. Das Schiff wird eine weltweit einzigartige Innovationsplattform, die der Umweltforschung und als Wegbereiter für eine umweltfreundlichere Schifffahrt dient“, erklärt Prof. Matthias Rehahn, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Hereon. Unter dem früheren Namen GKSS (Gesellschaft für Kernenergienutzung in Schiffbau und Schifffahrt) hatte das Zentrum auch Deutschlands ersten und einzigen Atomfrachter „Otto Hahn“ entwickelt und betrieben.

Zentrum für maritime Energiesysteme

Herzstück des Neubaus jetzt wird ein Antrieb, der Wasserstoff als Brennstoff nutzen wird. „Unsere Forschung ist so weit, dass wir sie jetzt in der Praxis an Bord einsetzen und weiterentwickeln können“, berichtet Thomas Klassen, der Leiter des Instituts für Werkstoffforschung am Hereon. An Bord soll ein Speicher für 30 Kilo Wasserstoff untergebracht werden. Der Wasserstoff für die Brennstoffzelle dürfte reichen, um gut 500 Kilowattstunden Strom zu erzeugen. Damit kann der Neubau dann etwa zehn Stunden lang fahren. Im Pkw würde die Menge für rund 3600 Kilometer reichen. Zusätzlich kann auch Diesel gebunkert werden. Klassen: „Was es jetzt braucht, ist eine Infrastruktur für die Betankung. Schiffe und Infrastruktur muss man gemeinsam denken.“

Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR), das in Geesthacht sein Zentrum für maritime Energiesysteme hat, soll die Forschung mit der „Ludwig Pandtl II“ weitergehen. Es ist unser ‚Living-Lab’, ein praktisch genutztes Labor quasi“, so Klassen. Und: Auch das DLR soll einen Neubau erhalten. „Es wäre toll, wenn wir den direkt im Anschluss an diesen Neubau umsetzen können“, sagte Marek Klimenko. Auf Initiative des früheren Lauenburger CDU-Bundestagsabgeordneten Norbert Brackmann, der bis 2021 Maritimer Koordinator des Bundes war, hatte die Bundesregierung 2020 für beide Vorhaben 50 Millionen Euro bereitgestellt.

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Drei Besatzungsmitglieder, zwölf Forscher

Die Besatzung der „Ludwig Prandtl II“ wird aus zwei bis drei Personen bestehen, während bis zu zwölf Forscher gleichzeitig auf dem Schiff Platz finden. Diese können eine Laborfläche von rund 47 Quadratmetern und eine Fläche auf dem Arbeitsdeck von 70 Quadratmetern nutzen. An Deck gibt es zwei Ladekräne. Die Maximalgeschwindigkeit wird 12,8 Knoten betragen.

„Unserer Werft, gegründet 1885, lebt von ihrer Tradition und der stetigen Freude an der Innovation. Deshalb ist die ‚Ludwig Prandtl II’ ein besonderer Auftrag für uns, ein echtes Herzensprojekt mit Technik und Schiffsbau aus Schleswig-Holstein. So ein Konzept ist einzigartig, weil es die Erforschung der Gewässer mit Ideen für eine grünere Schifffahrt verbindet“, berichtet Kai Klimenko. Der hybride Antrieb aus Diesel und Wasserstoff etwa sei in der Umsetzung neu und reizvoll zugleich.

Tolles Signal für Schleswig-Holstein

Das Hereon entwickelt neben dem Part Wasserstoff unter anderem auch technische Lösungen, mit denen Schadstoffe aus Verbrennungsmotoren minimiert werden können, die bei der Verbrennung von Schweröl oder Diesel entstehen. Dabei werden spezielle Membranen für die Aufbereitung der Ladeluft genutzt. „Es ist Tradition der Werft, dass man sich an neuen innovativen Projekten versucht“, zollte Julia Carstens, Staatssekretärin im Kieler Wirtschaftsministerium, dem Unternehmen ihren Respekt. Das Schiff zu bauen sei ein tolles Signal für Schleswig-Holstein.

Von Timo Jann

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