Mittwoch , 21. Oktober 2020
Auf dem Grundstück hinter diesem Wohnhaus in Bardowick wurde die Babyleiche am Dienstagnachmittag gefunden. Es ist nicht frei zugänglich. Foto: Michael Behns

Bardowick: Kripo nimmt Mutter des getöteten Babys fest

Bardowick. Drei Tage nach dem Fund einer Babyleiche auf einem Grundstück in Bardowick hat die Polizei die mutmaßliche Mutter festgenommen. Die 22-jährige Deutsche hat den Ermittlern gestanden, ihren Jungen kurz nach der Geburt getötet zu haben. Das Amtsgericht Lüneburg erließ am Freitag Haftbefehl wegen Totschlags und Fluchtgefahr. Die junge Frau wohnt mit ihren Eltern in dem Haus, auf dessen Grundstück der Leichnam am Dienstagnachmittag gefunden worden war – von der Mutter (52) der 22-Jährigen.

Es ist ein Familiendrama, bei dem noch viele Fragen ungeklärt sind. Denn die 22-Jährige hat gegenüber der Polizei angegeben, dass sie den Säugling bereits im September 2019 geboren und getötet habe. Dieser zeitliche Ablauf steht aber in erheblichem Widerspruch zu dem Obduktionsergebnis des Rechtsmedizinischen Instituts des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf.
Die Mediziner hatten erklärt, dass der Junge wohl im August 2020 geboren worden und der Leichnam erst etwa drei Wochen alt sei. „Objektive Untersuchungsergebnisse haben aber die Angaben der Beschuldigten zum vermeintlichen Geburtszeitpunkt gestützt“, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg, Wiebke Bethke, auf LZ-Nachfrage. Man habe die Rechtsmedizin über den zeitlichen Widerspruch in Kenntnis gesetzt, sagte Bethke: „Das Institut ist beauftragt worden, dies zu überprüfen.“

Ergebnis des DNA-Tests steht noch aus

Der Säugling war am Dienstag zufällig an einem Schuppen auf dem betreffenden Grundstück in der Wohnsiedlung Ilmer Weg von der Mutter der Verdächtigen und einem 49-jährigen Mann gefunden worden, der einen Schuppen anstreichen sollte. Dabei lag unter anderem ein blauer Plastiksack im Weg. Darin befand sich, in zwei Handtücher gewickelt, das tote Baby.
Für die Ermittler war schnell klar, dass die Mutter des getöteten Jungen im Umfeld der Familie zu finden sein würde. Denn das Grundstück ist durch Mauern und Zäune von Außen praktisch nicht zu betreten. Außerdem musste die Betreffende über Ortskenntnisse verfügen. Daraufhin wurde – unabhängig vom Ergebnis der Obduktion, laut der die Mutter gerade erst entbunden hatte –, umfassend im Verwandten- und Bekanntenkreis geforscht.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei der 22-Jährigen tatsächlich um die Mutter des getöteten Jungen handelt, „das Ergebnis eines DNA-Vergleichs steht aber noch aus“, erklärte Bethke. Das Motiv ist unklar.

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Von Thomas Mitzlaff

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