Samstag , 8. August 2020
Verkauft hat der TSV Adendorf die rot schraffierte Fläche an den Investor Rainer Adank, der in unmittelbarer Nachbarschaft das Golf Resort betreibt. Am 16. September stellt er sein Konzept zur Bebauung des Areals und der Flächen nördlich davon vor. Karte: terraweb; Montage: Meiferts

Spekulationen befeuern Diskussion

ml/pet Adendorf. Eigentlich könnte Joachim Pritzlaff zufrieden sein. Ende 2012 war Adendorfs ehemaliger Bürgermeister als neuer Vorsitzender des TSV Adendorf angetreten, um den hochverschuldeten Verein aus der Finanzmisere zu führen. Und das ist ihm gelungen: Betrugen die Schulden des Vereins Anfang dieses Jahres noch rund 380000 Euro, wird der TSV Ende 2015 schuldenfrei sein. Doch gleichzeitig haben Pritzlaff und seine Mitstreiter im Vorstand einen heftigen Streit im Nordosten der 10000-Einwohner-Gemeinde losgetreten. Denn möglich gemacht hat den Schuldenschnitt erst der Verkauf eines vereinseigenen Grundstücks an den Investor Rainer Adank und eine mögliche Bebauung der Fläche (LZ berichtete). Spekulationen schießen ins Kraut, die Vorwürfe sind teils diffus oder wiegen schwer.

Fakt ist: Das 6000 Quadratmeter große Areal liegt östlich der Moorchaussee zwischen dem Baugebiet „Bei den Eichen“ und den acht Tennisplätzen des TSV, die mit einer Fläche von weiteren 6000 Quadratmetern ebenfalls Bestandteil des Kaufvertrages sind. Die westlichen vier Plätze wechseln laut Pritzlaff zum 1. Januar 2016 in den Besitz Adanks, auf den verbleibenden vier „wird der Betrieb weitergehen, so lange die Tennisabteilung in Mannschaftsstärke existiert“.

Alarmiert durch den Verkauf hat sich inzwischen die „Interessengemeinschaft der Anwohner Bei den Eichen und Moorchaussee“ formiert und eine Liste mit 105 Unterschriften an den amtierenden Rathauschef Thomas Maack übergeben. Die Anwohner fürchten um ihre Ruhe und den Wert ihrer Grundstücke. Zudem hat Professor Dr. Walter Leal für die Interessengemeinschaft einen Brief an Landrat Manfred Nahrstedt geschrieben mit der Bitte, im Zuge der Kommunalaufsicht tätig zu werden. In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Die Adendorfer Bürger vermuten, dass der Bauträger bereits eine Zusage erhalten hat, dass er hier bauen darf.“ Noch allerdings ist das Areal als Grün- und Sportfläche im Flächennutzungsplan der Gemeinde ausgewiesen. Eine Änderung kann nur der Gemeinderat beschließen, zudem müsste das Gremium einen Bebauungsplan aufstellen.

Tatsächlich hat Rainer Adank ein Konzept erstellen lassen, welches über die Bebauung des ehemaligen TSV-Grundstücks hinausgeht und auch Flächen des Golfplatzes nördlich des Gebietes „Bei den Eichen“ bis zur Moorchaussee umfasst. „Die Pläne habe ich den betroffenen Einwohnern bereits vorgestellt, drei sind meiner Einladung gefolgt“, sagt Adank. Nach dem Gespräch mit den Anwohnern habe er das Konzept überarbeiten lassen, 32 kleinere Grundstücke zu 16 größeren zusammenfassen lassen. Dies sei auch der aktuelle Stand. „Leider ist die derzeitige Diskussion geprägt von Spekulationen, die oft weit von der Realität entfernt sind“, bedauert der Investor. Als Eigentümer des Adendorfer Golf Resorts und damit größter Nachbar des TSV Adendorf habe er „ein elementares Eigeninteresse, dass die Adendorfer Sportmeile am Scharnebecker Weg erhalten“ bleibe. „Deshalb ist es mir im Wesentlichen immer um die Rettung des Sportvereines gegangen. Das war der Auslöser“, sagt Adank.

Das jedoch bezweifeln die Anwohner. Auch in ihrem Schreiben an den Landrat. „Der Bauträger hat vorzügliche Beziehungen und versucht jetzt ganz offensichtlich aus dem Kauf des Geländes Kapital zu schlagen.“ Deshalb versuche er auf Politik und Verwaltung Druck auszuüben. Zudem bemängeln die Anwohner in ihrem Brief, dass der TSV Adendorf „bessere finanzielle Angebote ignoriert“ habe.

Die Rettung des TSV auf die Fahnen geschrieben hatten sich auch Politik und Verwaltung der Gemeinde. „Eine Arbeitsgruppe hat verschiedene Vorschläge erarbeitet“, sagt Bürgermeister Thomas Maack. Eine Idee war, dass die Gemeinde sämtliche Liegenschaften des Vereins einschließlich des Sporthotels übernimmt. Dazu hätte die Gemeinde zwar einen Kredit aufnehmen müssen, laut Maack angesichts der niedrigen Zinsen für Kommunaldarlehen jedoch kein Problem. „In den Folgejahren hätte der Verein sich ein Finanzpolster schaffen und seine Werte zurückkaufen können.“ Wäre der Plan gescheitert, hätte sich die Gemeinde als Option den Verkauf des Sporthotels gesichert. Ein politischer Beschluss stand zwar noch aus, doch Maack macht keinen Hehl daraus, dass ihm dieser Weg der liebste gewesen wäre. „Doch der TSV hat sich anders entschieden, und das ist sein gutes Recht.“ Für eine mögliche Bebauung des Bereiches gebe es allerdings „weder einen Beschluss noch liegen irgendwelche Anträge vor“.

Auch der SPD-Fraktionschef im Adendorfer Rat, Jürgen Schreiber, ist sich sicher, „dass es für eine gemeinsame Lösung von Gemeinde und TSV eine politische Mehrheit gegeben hätte“. Grundsätzlich halte die SPD jedoch auch die geplante Bebauung für möglich. „Irgendwelche Zusagen gibt es jedoch nicht.“ Im weiteren Verfahren werde die SPD auf Transparenz und Bürgerinformation achten. „Und wir werden uns von keiner Seite unter Druck setzen lassen. Weder von der einen noch von der anderen“, ergänzt der Fraktionschef.

Ähnlich klingt CDU-Fraktionschef Gunther von Mirbach. Auch seine Partei kann sich eine Bebauung grundsätzlich vorstellen. Einen Blankoscheck werde es von der CDU aber ebenso wenig geben wie ein kategorisches Nein. „Jedoch stehen wir noch ganz am Anfang der Diskussion.“

Kritisch sehen hingegen die Grünen den Grundstücksverkauf und die mögliche Bebauung. „Verwaltung und Mehrheit im Gemeinderat treiben eine immer massivere Nachverdichtung im Innenbereich voran, mit der Begründung, eine weitere Bebauung im Außenbereich vermeiden zu wollen. Käme es zu einer Bauleitplanung für das kürzlich verkaufte TSV-Gelände, würde das dem vorgenannten Ziel widersprechen“, heißt es seitens der Grünen um Fraktionschefin Bärbel Sasse.

Und Landrat Manfred Nahrstedt? Der sieht sich momentan nicht gefordert. Das Schreiben der Anwohner habe er zur Kenntnis genommen, „ich habe mich allerdings nicht darüber zu äußern, was ein Verein und ein Investor machen, das ist nicht meine Angelegenheit.“

Nun sind alle Blicke auf das Adendorfer Rathaus gerichtet: Dort werden sich am Dienstag, 16. September, um 19 Uhr im Sitzungssaal alle Akteure zu einer Bürgerinformation treffen und am Ende ist vielleicht jedem klar, was Fakt und was Spekulation ist.