Mittwoch , 21. Oktober 2020
Meilin Dong (r.) und Mingyu Zhang haben die Tage in der Heide bei Gisela Plaschka sehr genossen. Der Chinese hatte 2007 eine Ausbildung im Autohaus Plaschka begonnen. (Foto: bau)

Flitterwochen führen von China in die Heide

Amelinghausen/Changchun. Kalt, grau und dunkel ist es als Mingyu Zhang im Januar 2007 in Amelinghausen ankommt. Deutsch spricht der damals 20-jährige Chinese aus der 7,5 Millionen Einwohner Metropole Changchun nicht. Im Autohaus Plaschka beginnt er eine Lehre als Kfz-Mechatroniker. In dem Betrieb und der Familie Plaschka erlebt er eine unvergessliche Zeit.

Elf Jahre später: Mingyu Zhang ist wieder in Amelinghausen, für elf Tage zu Gast bei Gisela Plaschka. Und nicht allein. Neben ihm sitzt seine Ehefrau Meilin Dong. Die beiden haben Ende Juli geheiratet, ihre Hochzeitsreise führt sie auch in den Heideort. Mingyu Zhang möchte seiner Frau, das Land und die Menschen zeigen, die er schätzen und lieben gelernt hat. „Hier habe ich Freunde fürs Leben gewonnen“, sagt er in gutem Deutsch. Seine Deutschkenntnisse hat er nach seiner Rückkehr durch die jahrelange Arbeit in einer Firma in Peking mit einem deutschen Chef gepflegt.

Per E-Mail den Kontakt gehalten

Gisela Plaschka freut sich sehr über den Besuch. „Wir haben über all die Jahre per E-Mail den Kontakt gehalten“, sagt sie. Zuletzt hatte sie ihren Ziehsohn 2013 gesehen. Vor fünf Jahren kam Mingyu Zhang nochmals für sechs Wochen zu einer Fortbildung bei VW in Wolfsburg. Ein Besuch bei Gisela Plaschka durfte nicht fehlen. „Sie ist für mich wie eine zweite Mutter.“

Zurück in China hatte Mingyu Zhang noch eine weitere Ausbildung absolviert und Karriere gemacht. Jahrelang war er für die Fortbildung von Mitarbeitern in VW-Betrieben an rund 120 Standorten zuständig. Seit 2015 arbeitet er aber im Logistikbereich in seiner Heimatstadt Changchun in Nord-China bei der Fracht-Airline Sino Air. Eine Arbeit, die ihm Spaß macht. Dort hat er auch seine Frau kennengelernt. Sie ist im Personalmanagement tätig.

Auch Köln und Berlin waren Ziele

Die Tage in der Heide genießt der Chinese sehr. Wie in seinen Lehrjahren, hat er Deutschland von Amelinghausen aus bereist – dieses Mal allerdings gemeinsam mit seiner Frau. Unter anderem zeigte er ihr den Hamburger Hafen. „Ich liebe es, am Wasser zu sein“, sagt der Chinese. Aber auch Köln und Berlin waren Ziele. Zudem ging es für zwei Tage nach Prag.

Mingyu Zhang fungiert für seine Frau als Übersetzer. Die 34-Jährige ist beeindruckt von dem Land, das ihr Mann als seine zweite Heimat bezeichnet. Die Landschaft mit den vielen blühenden Bäumen fasziniert sie – und die „klare Luft“. Am besten haben Meilin Dong Amelinghausen und Lüneburg gefallen, weil sie im Vergleich zu Changchun so „ruhig, sauber und beschaulich wirken“. Geht es nach den beiden, wird es nicht der letzte Besuch gewesen sein. Zunächst aber hat Gisela Plaschka vor, gemeinsam mit ihrem Sohn Karl-Peter Plaschka dem frisch gebackene Ehepaar im kommenden Jahr einen Gegenbesuch abzustatten.

Von Marcel Baukloh