Mittwoch , 21. Oktober 2020
Deutlich verbreitert wurde dieser Waldweg bei Soderstorf. Und das, obwohl derzeit Brut- und Setzzeit herrscht. Darüber regen sich jetzt Spaziergänger auf und machen ihrem Unmut Luft. Foto: nh

Wegebau sorgt für Unmut

kre Soderstorf. Sträucher und junge Bäumchen sind unter Tonnen von Sand begraben. Wurzeln wurden herausgerissen, Äste abgeknickt, jahrzehntealte Kiefern irreparabel zerstört. Der Waldweg zwischen Soderstorf und Dehnsen erinnert in seinem aktuellen Zustand an einen Panzertreck auf einem Truppenübungsplatz. Jetzt sorgt die Kraterlandschaft für Unmut bei Spaziergängern: ,,Wir dürfen unsere Hunde nicht von der Leine lassen, weil Brut- und Setzzeit ist, und hier wird mal eben auf einer Länge von rund 200 Metern ein ganzer Waldstreifen platt gemacht“, macht eine Soderstorferin ihrem Unmut Luft, die sich zudem um die Tierwelt sorgt: ,,Bodenbrüter beispielsweise hatten bei diesem rabiaten Vorgehen überhaupt keine Möglichkeit, sich in Sicherheit zu bringen.“

Arbeiten im Wald zu Beginn der Brut- und Setzzeit sorgen immer wieder für Beschwerden. Grundsätzlich allerdings gilt: Die Holzernte im Wald darf auch während der Brut- und Setzzeit durchgeführt werden. Im Gegensatz zu Gärten oder Parkanlagen, wo der Rückschnitt von Büschen und Bäumen in der Zeit vom 1. März an bis zum 30. September aufgrund des Biotopschutzes untersagt ist.

Das Waldstück gehört Kreislandwirt Jens Wischmann. Auf Anfrage der LZ sagt der Dehnsener: ,,Dass ich in meinem Privatwald Wege ausbessere, geht doch niemanden etwas an.“ Dann spricht er von „Ertüchtigung“ und sagt: ,,Damit unsere landwirtschaftlichen Maschinen nicht mehr so oft durch die Ortschaften Soderstorf und Thansen fahren müssen.“ Im Übrigen verstehe er die Aufregung um die Wegeverbreiterung nicht: ,,In einem halben Jahr sieht man davon nichts mehr.“

Allerdings ist der Weg deutlich breiter geworden von ursprünglich drei auf etwa acht Meter, zudem stellt sich die Frage, warum die Arbeiten während der Brut- und Setzzeit durchgeführt worden sind. Ähnlich sieht das die Landesforst, die vor wenigen Wochen eigens eine Pressemitteilung herausgegeben hat, ,,weil die Bürger, was die Naturschutzbelange betrifft, immer sensibler reagieren“, beobachtet Pressesprecher Reiner Baumgart. Er sagt: „In der Brut- und Setzzeit achten wir darauf, dass die Waldarbeiten überwiegend in weniger sensiblen Flächen stattfinden, wie im Nadelwald.“ Und weiter: ,,Es muss den Menschen aber mitgeteilt werden, was im Wald passiert, da sonst Unverständnis darüber entsteht, warum Hunde aus Rücksichtnahme auf die Natur anzuleinen sind, während Holz­erntemaschinen abseits der Wege fahren dürfen.“

Gleiches gilt wohl auch für den Wegebau, den Kreislandwirt Wischmann in seinem Privatwald durchgeführt hat. Ob der Dehnsener dabei möglicherweise gegen den Biotopschutz verstoßen hat, wird nun der Landkreis Lüneburg prüfen müssen.