Arndt Conrad (l.) und Markus Filusch kleben Markierungsband vor den Eingang der Grundschule Bardowick. (Foto: be)

„Wir freuen uns auf die Kinder“

Bardowick. Schulleiterin Birte Ramm, Hausmeister Markus Filusch und der stellvertretende Verwaltungschef der Samtgemeinde Bardowick, Arndt Conrad, nehmen sich einen der vier Klassenräume vor, in dem ab Montag, 4. Mai, nach fast zweimonatiger Corona-Zwangspause wieder Leben in die Grundschule Bardowick einzieht.

Ein letzter Check am Freitag, nach einer Woche Vorbereitung. Das Trio misst mit einem Zollstock die jeweiligen Abstände zwischen den insgesamt neun Tischen. „Das passt.“ Haken dahinter, ein Punkt von vielen bei der Umsetzung des Hygieneplans ist erledigt. Eine Woche Vorbereitungszeit bleibt noch.

Weiter geht‘s an diesem Morgen zum Eingangsbereich der Grundschule. Birte Ramm hat vor der Tür bereits am Tag zuvor mit Kreide Linien in zwei Metern Abstand auf das Steinpflaster gezeichnet. Markus Filusch vollendet das Werk nun, indem er die Kreidestriche mit Markierungsband überklebt, die Wartezone vor dem Eingang entsteht.

Wartezeit beim Händewaschen

„Es wird hier in diesem Bereich tatsächlich Wartezeiten geben, denn die Kinder müssen alle zuerst zum Händewaschen, nachdem sie die Schule betreten haben“, sagt Birte Ramm. Waschbecken hängen an den Wänden in den Klassenzimmern.

Überhaupt wird viel Geduld nötig sein ab dem Neustart am übernächsten Montag, wenn die Viertklässler als die ersten der insgesamt 360 Grundschüler zurückkehren; 40 in Bardowick, zehn in der Außenstelle Horburg. „Es wird dauern, bis alle die neuen Abläufe und Regeln im veränderten Schulalltag verinnerlicht haben“, glaubt die Schulleiterin.

Daher werde der zeitliche Aufwand definitiv hoch sein, um in einer Art Normalbetrieb arbeiten zu können. „Dadurch wird der Unterricht als Konsequenz daraus weniger effektiv.“ Fünf Stunden Unterricht am Tag fordert das Kultusministerium von den Grundschulen.

Die vierten Klassen werden in zwei Lerngruppen aufgeteilt. Während die eine Gruppe eine Woche lang in der Schule unterrichtet wird, lernt die andere zu Hause im Home-Schooling. Danach wechseln die Gruppen.

Ein Schüler pro Tisch, an dem vor Corona noch zwei Kinder saßen. Das ist die Regel zum Schutz vor Ansteckung in den Klassenräumen. Masken im Unterricht und auf dem Pausenhof sind für Schüler und Lehrer freiwillig. „Außerdem gibt es ein grünes Klassenzimmer auf dem Sportplatz für den Unterricht draußen bei gutem Wetter“, berichtet Birte Ramm.

Berührungen nicht zu vermeiden

Dass ein Null-Kontakt bei den Schülern untereinander möglich sein wird, daran zweifeln alle. „Sie sind Kinder, Berührungen sind nicht zu verhindern“, verdeutlicht Arndt Conrad.

Der Plan für das Wiederanfahren mit den vierten Klassen steht. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in Bardowick gut zusammenarbeiten“, sagt sie. Das sieht auch Arndt Conrad so: „Die Samtgemeinde als Schulträger, die Schulleitungen, die Hausmeister, die Reinigungsfirmen und die Mitarbeiter des Bauhofes sind in ständigem Kontakt. Das ist nötig und wichtig, damit wir immer sofort auf neue Situationen reagieren können“, betont er. Und diese entstehen fast täglich.

Wenn am 18. Mai die dritten Klassen auch wieder in den Unterricht einsteigen, dann wird es enger: nicht nur räumlich. „Es wird noch viel mehr Personal im Unterricht und beim Home-Schooling benötigt, darüber hinaus bei der Aufsicht in den Pausen, auf den Fluren und in den Toiletten sowie bei der Notbetreuung, die noch ausgeweitet wird, und für Elterngespräche“, erklärt Birte Ramm.
Und wenn später noch die Jahrgänge 1 und 2 folgen. „Dann ist es mir ein Rätsel, wie das personell und räumlich funktionieren soll“, meint sie. „Die Kapazität der Schule ist irgendwann erschöpft, denn für einen Betrieb unter diesen Bedingungen ist das Gebäude nicht ausgelegt“, ergänzt Arndt Conrad.

Trotz aller Schwierigkeiten und Widrigkeiten, die Lehrer der Grundschule Bardowick sehnen den Neustart herbei. „Das Kollegium freut sich auf die Kinder“, sagt die Schulleiterin Birte Ramm.

Von Stefan Bohlmann