Donnerstag , 22. Oktober 2020
Geschäftsführerin Beate Korinna Brammer, Berater Armin Meibauer (l.) und Gerhard Conzelmann vom Beirat sind stolz auf ihre Erfindung, die dem Unternehmen in der Krise auch einen neuen Markt erschließt. (Foto: t&w)

Bardowick: Erfinderreichtum wendet Kurzarbeit ab

Bardowick. Nur drei Wochen hat es von Beate Korinna Brammers Geistesblitz bis zum Start der Produktion gedauert. Mitte März, als die Schulen wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, hatte die Geschäftsführerin des Unternehmens Kasiglas die Idee für einen hygienischen Spuck-, Mund- und Gesichtsschutz, den es so bislang noch nicht gibt. Beate Korinna Brammer taufte ihr Produkt „Facewall“, das Menschen einfach, aber effektiv vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen soll: komplett von den Augen bis zum Mund.

Kasiglas stellt in seinen Werkshallen im Gewerbepark Wittorfer Heide in Bardowick nun ein selbst entwickeltes unzerbrechliches Visier aus beschichtetem Polycarbonat her, das an jede Baseballkappe beziehungsweise Schirmmütze angeklemmt werden kann. Das Gesicht bleibt sichtbar hinter dem extrem leichten Schutzglas. „Bereits vor Ostern ist dann die Produktion größerer Margen gestartet, inzwischen wurden schon mehrere tausend Stück gefertigt“, berichtet Armin Meibauer, Berater der Geschäftsführung.

Visier eignet sich auch für Busfahrer und Kassiererinnen

Das Visier sei ideal für Menschen in Berufen, in denen sie sich und andere schützen müssen. Großer Vorteil sei, dass die Sicht nicht beeinträchtigt werde, dass etwa das Autofahren und Bedienen von Maschinen möglich sei.

„Denkbar ist, dass Busfahrer, Paketzusteller, Mitarbeiter von Lieferdiensten und Kassiererinnen es tragen, aber auch und vor allem Leute, die in Heil- und Pflegeberufen tätig sind wie in Krankenhäusern und bei Pflegediensten“, sagt Meibauer. Zumal für Ärzte und Pflegepersonal eine eigene Produktlinie entwickelt worden sei. „Die Aufhängung des Visiers wurde so umgearbeitet, dass es ähnlich einem Stirnband auf den Kopf gezogen wird. Dabei wird der Stirnbereich durch einen hautfreundlichen Silikonschaum geschützt.

Der Gesichtsschutz hat eine beidseitige Beschichtung, die den an sich weichen, empfindlichen Kunststoff vor leichten Kratzern schützt und ihn zugleich weitgehend unempfindlich gegen viele Chemikalien macht. „So kann das Visier mit Wasser, Seife und Desinfektionsmitteln leicht gereinigt werden“, verdeutlicht Meibauer.

Auch für Lehrer sieht er die Möglichkeit, den Spuck-, Mund- und Gesichtsschutz zu tragen. Offenbar ist das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte am Borgweg in Hamburg davon überzeugt. „Es liegt von dort eine größere Bestellung vor.“

Die Chancen entdeckt, die in der Krise liegen

Im Werk in Bardowick wird die „Facewall“ von den Mitarbeitern bereits getragen. Eigentlich stellt das Unternehmen dort und am Standort Geesthacht unter anderem Sicherheitsglas für Polizei-, Feuerwehr- und Forstfahrzeuge, Lärmschutzsysteme für Straße und Schiene sowie für Kabinenmodule für Großgeräte in Forst-, Bau- und Landwirtschaft her. „Wir sind Experten für Schutz- und Sicherheitsscheiben.“ Bei der Entwicklung des neuen Gesichtsschutzes kam dem Unternehmen seine Tradition als einstiger Handwerksbetrieb entgegen. „Die Prototypen wurden handgefertigt. Es wurde mit diesen so lange experimentiert, bis unsere Verfahrenstechnik übernehmen konnte, die dann das Visier bis zur Produktreife einschließlich Zertifizierung gebracht hat.“

Die neuartige „Facewall“ bot die Möglichkeit, Kurzarbeit für die Kasiglas-Mitarbeiter mit einem neuen Produktionszweig abwehren zu können. „Wir lernen derzeit, dass in der aktuellen Krise auch Chancen liegen“, sagt Armin Meibauer. Quasi das Visier als Türöffner für den Markt für Produkte, die dem Gesundheitswesen zugutekommen.

Die Vermarktung des Spuck-, Mund- und Gesichtsschutzes „Facewall“ und der „Protection Wall“ erfolgt über www.kasiglas.de/produkte/facewall. Zudem besteht die Möglichkeit, das Visier telefonisch zu bestellen unter (04152) 80860.

Von Stefan Bohlmann