Angrenzend an die Bahnstrecke hinter dem Wohngebiet Hofkoppeln II könnte nach Vorstellung der SPD-Fraktion das neue Sportgelände in Radbruch entstehen. Foto: gründel

Radbruch: Einstimmige Beschlüsse zum Feuerwehr- und Sportplatzgelände

Radbruch. Es geht also doch: Noch vor einer Woche hatten die Zeichen im Bauausschuss der Gemeinde Radbruch mächtig auf Zoff gestanden. Mit Anträgen und Gegenanträgen hatten die Fraktionen die Tagesordnung aufgebläht und sich gegenseitig die Schuld für das miserable Klima zugeschoben (LZ berichtete).

Nun die überraschende Wende: Bei der Sitzung des Gemeinderates mussten sich die zahlreich erschienenen Zuschauer im Gasthaus Sasse wiederholt verwundert darüber die Augen reiben, was da vor ihnen geschah: Denn die Kontrahenten rauften sich nach kräftezehrender Diskussion tatsächlich zusammen und brachten am Ende fast durchgängig gemeinsame Anträge und einstimmige Beschlüsse zu Feuerwehr- und Sportplatzgelände zustande.

Am meisten verblüffte das offenbar die Akteure selbst: Bürgermeister Rolf Semrok (CDU) entfuhr ein – für seine Verhältnisse – euphorisches „Das ist klasse!“ und er freute sich: „Wir haben eine außerordentlich konstruktive Lösung gefunden.“

„Mein Kreuz ist breit genug.“
Rolf Semrok, Bürgermeister (CDU)

Bis dahin war es allerdings eine schwere Geburt: Knapp vier Stunden brauchte der Rat, um sich durch die erneut auf der Tagesordnung versammelten Anträge und Gegenanträge zu ackern. Dabei drohte zunächst die Neuauflage des alten Streites: Wie gehabt gab man sich gegenseitig die Schuld für das Scheitern der interfraktionellen Gespräche. Er habe auf einen Konsens gehofft, weil man in der Sache dicht zusammen gewesen sei, sagte Semrok. Die SPD habe aber auf ihren Anträge beharrt. Die sah das völlig anders: „Unsere Anträge als Spitze gegen den Bürgermeister wahrzunehmen, ist falsch“, sagte Fraktionschef Achim Gründel. Auch der SPD-Antrag zum Kauf eines neuen Sportplatzgeländes sei kein Zeichen des Misstrauens: „Wir wollen Ihnen nur den Rücken stärken, damit Sie mit einem breitem Votum in die Verhandlungen gehen können.“ Die CDU reagierte mit spöttischem Lächeln und der kühlen Antwort ihres Bürgermeisters: „Das brauche ich nicht. Mein Kreuz ist breit genug.“

Bewegung kam in die Fronten, als Gründel signalisierte, die SPD werde auf ihre Forderung nach dem kompletten Kauf des 17 000 Quadratmeter großen neuen Feuerwehrgeländes in diesem Jahr verzichten, wenn für 2018 ein entsprechender Ansatz im Haushalt vorgemerkt werde. Damit konnte die Gegenseite gut leben: 5000 Quadratmeter für den Bau des Hauses will die Gemeinde in diesem Jahr erwerben und damit die Planung voranbringen. Der Rest ist abhängig davon, ob der Landkreis Lüneburg das von allen Fraktionen gewünschte feuerwehrbezogene Wohnen genehmigt, Klarheit soll hier in Kürze ein Behördengespräch bringen.

Der Streit, ob man Planer nacheinander oder parallel beschäftigt, war Knackpunkt beim Thema Sportgelände. Überraschend fand der Rat auch hier einen Konsens: Einstimmig sprach er sich dafür aus, ein Planungsbüro für den Bebauungsplan in Abstimmung mit der Samtgemeinde zu beauftragen.
Semrok lobte den Sportverein: „Der TSV entwickelt sich zu einem modernen Verein, das ist wirklich toll.“ Das Vereinskonzept für einen Sport- und Erlebnispark auf dem anvisierten Gelände an der Bahn werde die Gemeinde eng begleiten.

Im Mai werde die Stiftung St. Peter und Paul als Eigentümerin eine Entscheidung treffen, ob sie das neue Gelände in Erbpacht zur Verfügung stellt. Zwar endet der jetzige Pachtvertrag für den Sportplatz 2020. Die Gefahr, dass der Verein ohne Spielflächen dastehen könnte, sieht die Verwaltung indes nicht: „Es gibt eine Option auf Verlängerung um zwei bis drei Jahre“, so Semrok. Schließlich stellten auch die Grünen ihren Antrag auf Suche nach Alternativflächen für den Sportplatz zurück, nachdem die Verwaltung versichert hatte, Alternativen würden im Bebauungsplanverfahren ohnehin geprüft.

Von Ute Klingberg-Strunk