Sonntag , 20. September 2020
Die Jagdhornbläser Böhmsholz (Foto) und die aus Betzendorf sorgten für den festlichen Rahmen beim Kreisjägertag in Bardowick.

Politik entscheidet über Wolf

pet Bardowick. Vor allem um Rehwild, Schwarzwild oder auch Muffelwild geht es, wenn sich die Angehörigen der Jägerschaft des Landkreises Lüneburg zu ihrer Mitgliederversammlung treffen. Seit einiger Zeit beschäftigt aber ein anderer Vierbeiner die Jäger ebenso wie die übrige Bevölkerung in der Region der Wolf. Und so nahm der Bericht über das Grautier den breitesten Raum im Referat ein, das Helmut Dammann-Tamke (Buxtehude), Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), am Sonnabend im Bardowicker Schützenhaus vor mehr als 300 Jägern hielt.

,,Atemlose Stille“ konstatierte Torsten Broder, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Lüneburg, während des Vortrags von Dammann-Tamke. ,,Dass der Wolf zu uns kommen würde, war klar. Aber was niemand vorausgesehen hat, war das Tempo, in dem er kommt“, sagte der LJN-Präsident. Was man feststelle, sei, dass der Wolf die Emotionen hochkochen lässt, dass die Diskussionen zunehmend kontroverser geführt werden.

Über den Umgang mit dem Wolf haben nicht die Jäger zu entscheiden, stellte er klar. Tatsache sei, so Dammann-Tamke, dass der Wolf im Naturschutzrecht den höchsten Schutz genießt, den das Naturschutzrecht überhaupt nur bieten kann. Man könne als Jägerschaft über das Thema mitdiskutieren, aber die Entscheidungen müssen Politik und Gesellschaft treffen. ,,Sie müssen sagen, bis hierhin und nicht weiter.“

Aufgabe der Jäger sei es, die Öffentlichkeit über die Wölfe zu informieren, die Bestände anhand des Wolfs-Monitoring im Blick zu haben. Helmut Dammann-Tamke: ,,Unsere Philosophie ist es: Niemand soll über die Wölfe so gut Bescheid wissen wie wir.“

Interessant sei der Blick in die Lausitz, wo der Wolf zuerst in Deutschland in größerer Zahl aufgetaucht sei, so Dammann-Tamke. ,,Die Menschen dort fühlen sich inzwischen von der Politik verraten und verkauft“, sagte er. Wer wolle es ihnen verdenken, dass sie beunruhigt sind, ,,wenn ihre Kinder morgens um sieben Uhr an der Bushaltestelle auf den Bus warten und 20 Meter dahinter ein Wolfsrudel auftaucht?“

Er habe festgestellt, dass auch in Niedersachsen manche Menschen umschwenken, wenn es um die Verbreitung des Wolfs gehe. Vor allem treffe das im Bereich der Schafhaltung zu. ,,Wie sollen Schafe wirksam geschützt werden, die wir doch so dringend für die Deichpflege brauchen?“ Dammann-Tamke: ,,Unsere Gesellschaft muss sich überlegen, wieviele Wölfe wollen wir ertragen?“

Nicht nur über Wölfe sprach Helmut Dammann-Tamke, auch über Grüne die stellen seit dem Wahlsieg von Rot-Grün in Niedersachsen nämlich sieben von 16 Landwirtschaftsministern in Deutschland. Man habe mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer gesprochen, aber mittlerweile feststellen müssen, dass sich das Ministerium in jagdlichen Dingen von anderen beraten lasse, etwa dem Ökologischen Jagdverband oder dem Naturschutzbund Deutschland.

Für den Landkreis Lüneburg sicherte Landrat Manfred Nahrstedt in seinem Grußwort weiter enge Zusammenarbeit zu: ,,Sie widmen sich schließlich nicht nur der Jagd, sondern haben das Ziel, unsere artenreiche Flora zu erhalten, unsere Naturlandschaft zu sichern und attraktive Lebensräume für die Tierwelt zu schaffen.“