Freitag , 25. September 2020
Die Ilmenau ist schön, aber gibt momentan auch Grund zur Sorge vieler Anwohner. Thomas Schulz aus Wichmannsburg befürchtet, dass er mit dem neuen Landschaftsschutzgebiet Ilmenautal schon bald seine Ponys nicht mehr am Ufer grasen lassen darf. Foto: phs

Strenge Regeln im Garten

Bienenbüttel. Henning Saucke hat Angst, dass sein Schweinestall demnächst von einem Bürokratie-Monster gefressen wird, Thomas Schulz befürchtet, dass Nutrias in seinem Garten ungestört ihr Unwesen treiben können, und Elena Richter sieht ihr Grundstück an der Bienenbütteler Uferstraße schon bald mitten in einer „Verbotszone“ liegen. Die geplante Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets entlang der Ilmenau sorgt in Bienenbüttel für mächtig Ärger.

Der Landkreis Uelzen will dort eine neue Schutzverordnung einführen, mit der diverse Einschränkungen für Anwohner in Bienenbüttel einhergehen. Die Politik stimmte darum am Dienstagabend im Bau- und Umweltausschuss – bei einer Gegenstimme der Grünen – einer langen Liste von Einwendungen gegen das Vorhaben zu. Darin findet die Verwaltung deutliche Worte: „Aufgrund der Fülle von Betroffenheit die Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Wochen vorgebracht haben, kann hier durchaus von einer Reißbrettplanung gesprochen werden, die nicht den wirklichen und realen Lebensverhältnissen entspricht und sich zum Teil widerspricht“, heißt es von dieser Seite.

Das Landschaftsschutzgebiet verläuft mitten durch den Kernort Bienenbüttel, umfasst unter anderem einen Sport- und einen Bogenschießplatz, die Kläranlage, drei Kanu-Rastplätze, den Übungsplatz der Wichmannsburger Feuerwehr, potenzielle Siedlungsflächen und zahlreiche private Gärten. Die Gemeinde stellt hierzu klar: Einen Uferstreifen von 2,5 Metern zu schützen sei noch vertretbar – sofern dieser betreten und unter bestimmten Bedingungen auch bearbeitet werden dürfe – nicht aber die gesamten Gartenanlagen.

Es gibt diverse Unklarheiten

Das Landschaftsschutzgebiet ist in einen Kernbereich und einen allgemeinen Bereich gegliedert. In der Kernzone sind die Regeln besonders streng. Betroffene stoßen da auf diverse Unklarheiten, etwa zum Baden in der Ilmenau: „Ich darf den Seitenraum nicht mehr betreten, aber darf noch drin baden“, erklärt Bürgermeister Merlin Franke. Wie dann ins Wasser gelangen? Das Schwimmen in der Ilmenau sollte aus Sicht der Gemeinde weiterhin erlaubt bleiben, ebenso das Anlanden mit Kanus an privaten Stegen sowie das Zelten im Garten. Und auch eine Anleinpflicht für Hunde auf dem eigenen Grundstück sei alles andere als zielführend, merkt Franke an.

Die Gemeinde wendet sich überdies gegen ein Bewirtschaftungsverbot der Flächen an der Ilmenau: „Wenn ich den Uferseitenraum der Ilmenau nicht mehr betrete und mähe, dann entstehen da in zehn Jahren zehn Meter hohe Erlenbäume.“ Eine Bewaldung diene ja aber nicht dem Landschaftsschutzzweck, so Franke.

Einwände liegen bereits beim Landkreis Uelzen

Wie „mit der heißen Nadel gestrickt“ wirkt die Verordnung auf Mathias Jeßen (KA). Diese sei intransparent. „Naturschutz hat aber eine größere Chance auf Akzeptanz, wenn die Menschen verstehen, warum die Dinge geregelt werden wie sie geregelt werden – und das ist hier nicht passiert.“ Christopher Tieding (CDU) moniert überdies das Ausmaß an Verboten: „Letztlich haben wir hier praktisch fast ein Naturschutzgebiet.“ Renate Niemann von den Grünen dagegen sieht mit dem Bienenbütteler Einwendungsschreiben den Naturschutz als Wert nicht ausreichend gewürdigt, stimmte aus diesem Grund dagegen.

Rund 20 Bürger folgten der mehr als zweistündigen Sitzung – viele von ihnen sind selbst betroffen, so wie Thomas Schulz aus Wichmannsburg. Am Rand des Ilmenauabschnitts in seinem Garten grasen zwei Ponys. Wenn das nicht mehr möglich ist, muss er Futter zukaufen, das Land vermutlich brach liegen lassen – für Schulz eine Entwertung. Seine Einwände liegen bereits beim Landkreis Uelzen.

Von Anna Petersen