Samstag , 15. August 2020
Die Fähre „Amt Neuhaus“, die zwischen Bleckede und Neu Bleckede verkehrt, ist in die Jahre gekommen und sollte ersetzt werden. Nun hat sich der Kreisausschuss zunächst nur für einen Austausch des Dieselmotors ausgesprochen (Foto: phs)

„Das ist ein Schildbürgerstreich“

Bleckede. Martin Gödecke ist aufgebracht. „Baut man in ein 18 Jahre altes Auto einen Austauschmotor ein? Das ist ein Schildbürgerstreich, reine Verschwendung von Steuergeldern. Fridays for Future schreien und dann im Jahr 2020 einen Dieselmotor einbauen, das geht nicht“, empört sich der Ratsherr der Unabhängigen Wählergruppe Bleckede (UWB).

Es ist eine breite Allianz im Stadtrat der kleinen Elbestadt, die gegen den knappen Beschluss im Kreisausschuss energisch protestiert. SPD, UWB und Grüne stellen sich dabei nicht nur gegen Landrat Jens Böther (CDU), sondern auch gegen Bürgermeister Dennis Neumann (parteilos), der die Entscheidung als „nicht populär, aber notwendig“ verteidigt hat.

„Wir wissen von den Fährbetreibern, dass der Motor einwandfrei läuft.“
Heiko Borgert, Ratsherr Bündnis 90/Die Grünen

Heiko Borgert von der Grünen-Fraktion ist enttäuscht: „Eine Entscheidung gegen eine neue Fähre ist eine Entscheidung gegen Bleckede. Wir wissen von den Fährbetreibern, dass der Motor einwandfrei läuft. Mit einem neuen Motor läuft die Fähre vielleicht noch zehn Jahre. Mit einer neuen Fähre wäre der Betrieb viele Jahrzehnte lang gesichert.“ Des Weiteren sei die „Amt Neuhaus“ nicht für widrige Bedingungen wie extremes Niedrigwasser oder Hochwasser geeignet. „Ein neuer Motor kann auch nicht den für Bleckede und das Biosphärenreservat wichtigen Aspekten des sanften Tourismus und dem Klima- und Umweltschutz gerecht werden. Dazu braucht es einen geräuscharmen, schadstofffreien und klimaschonenden Fährbetrieb.“

SPD-Ratsfrau Anja Hinners sieht die verlässliche Fährverbindung in Gefahr. „Ich hoffe, dass am Montag im Kreistag eine Entscheidung für Bleckede getroffen und die Planung für die neue Fähre weiter vorangetrieben wird.“

Bis vergangene Woche galt es als sicher, dass die in die Jahre gekommene Elbfähre „Amt Neuhaus“, die Pendler und Touristen von Bleckede nach Neu Bleckede über die Elbe bringt, in den nächsten Jahren ersetzt wird. Erst war eine Solar-Fähre im Gespräch gewesen, zuletzt wurde ein Wasserstoffantrieb favorisiert. Auch eine externe Betreuung des Projekts war schon ausgeschrieben.

Gödecke lädt zur Besichtigung der Fähre

Doch wegen der zu erwartenden Einnahmeausfälle durch die Corona-Krise schlug Landrat Jens Böther (CDU) in der vorigen Woche dem Kreisausschuss vor, das mindestens fünf Millionen schwere Projekt zunächst auf Eis zu legen und auf einen neuen Diesel-Motor zu setzen, „um dann in besseren Zeiten über eine komplette Neuanschaffung zu befinden“. Im Kreisausschuss setzte er sich mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD knapp mit sechs zu fünf Stimmen durch.

Bleckedes CDU-Chef Wilhelm Kastens unterstützt diesen Kurs: „Die Fähre ist fahrtüchtig. Eine neue, bei der sämtliche Klimaziele berücksichtigt werden, wird kommen, aber jetzt müssen wir nun mal das Geld zusammenhalten. Es macht mich fassungslos, was da jetzt in diese Entscheidung hineininterpretiert wird.“

Die Ratsmitglieder von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und UWB schöpfen dagegen die Hoffnung, dass die Kreispolitik noch umsteuert. „Da Fristen für die Ausschreibung verlängert wurden, sollen sich nunmehr auch die Fachgremien des Kreistages mit der Frage beschäftigen.Wir wollen, dass das Planungsbüro dran bleibt. Corona ist eine vorübergehende Sache, dafür kann doch nicht eine langfristige Planung beendet werden“, sagt Martin Gödecke, der auch im Kreistag sitzt. „Hiermit lade ich die Kollegen aus dem Kreistag herzlich ein, am Samstag um 10.30 Uhr nach Bleckede zu kommen, damit wir uns die Fähre mal gemeinsam anschauen.“

Von Lea Schulze