Samstag , 26. September 2020
Natalia, Jasmina, Micol, Niels, Sofia und Maricela (v.l.) verbringen nach Rücksprache mit ihren Eltern die schulfreie Zeit und auch die Osterferien in der Internatsschule Marienau nahe Dahlenburg. (Foto: t&w)

Ferien in der Schule

Marienau. Die Medaille hat wie immer zwei Seiten. Auch für Micol. Zum einen ist die 17-jährige Italienerin bedrückt, auch die Osterferien fernab der Familie auf dem Internatsgelände der Schule Marienau zu verbringen, auf der anderen Seite hat sie hier zumindest einige wenige Freunde, mit denen sie sich auch weiterhin treffen darf, denn nicht alle konnten in ihre Heimat fliegen – das Coronavirus hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie erleben ihre Schule jetzt ganz neu.

Wer einmal abreist, muss zu Hause bleiben

Ruhig ist es auf dem weitläufigen Areal. Wo normalerweise rund 130 Kinder und Jugendliche lernen und leben sind nur noch zwei Hände voll geblieben. Sie verharren, weil die Zukunft ungewiss ist, weil sie nichts riskieren wollten, denn: „Wer einmal abreist, bleibt zu Hause bis die Schule wieder offiziell geöffnet ist“, sagt Sabrina Panning-Ternes, Diplom-Psychologin und in Marienau unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, „wir wollen keinesfalls ein Kommen und Gehen.“ Und das war allen klar.

Besonders die internationalen Schüler haben deshalb von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, auch weiterhin im Internat zu verweilen. Sie kommen aus China und Mexiko, Südkorea und eben Italien und haben ihre Entscheidung ganz bewusst getroffen – wie Micol. Für ein Jahr ist die junge Venezianerin als Austauschschülerin hier, hat die Situation abgewogen: „Zu Hause hätte ich die ganze Zeit mit meiner Familie verbringen müssen, hätte für jeden Schritt vor die Tür einen Passierschein benötigt“, sagt sie, „da ist es hier doch besser.“ Zumal ihre Eltern meinen, dass sich die Lage in Deutschland eher beruhigen wird als in ihrer Heimat. Und das sehen auch die Mexikaner so.

130

Schüler lernen und leben normalerweise auf dem Gelände der Internatsschule Marienau.

Natalia, Sofia und Maricela, alle zwischen 15 und 16 Jahre alt, kommen vom Colegio Alemán in Mexiko-Stadt. Der Aufenthalt im Mutterland ihrer Schule ist optional für alle, seit August vergangenen Jahres sind sie deshalb an der Neetze. Natalia hat sich bewusst entschieden, auch in den Ferien hier zu bleiben: „Wir haben auch in Mexiko Corona-Fälle, und deren Anzahl wird schnell zunehmen. Da ist es hier doch sicherer.“ Das sieht auch Sofia so: „Wenn ich mich infizieren sollte und ins Krankenhaus müsste, wäre die Versorgung hier doch sicherlich besser.“ Und Maricela beurteilt alles ganz pragmatisch: „Zum einen kocht zu Hause keiner, zum anderen sehe ich hier meine Freunde. Das macht viel aus.“

Zeit für Gemeinsamkeiten haben die rund 20 Schülerinnen und Schüler momentan genug – und trotzdem gibt es einen geregelten Tagesablauf, wie Sabrina Panning-Ternes erklärt: „Wir haben feste Essenszeiten, jeden Nachmittag ein Sport- oder Kreativangebot, Unterricht in Kleingruppen und schulische Arbeitsaufträge.“ Das gilt allerdings für alle – und war für Niels ein Anlass, noch freiwillig bis zu den Ferien zu bleiben. Erst 15 Jahre alt, besucht er bereits die 11. Klasse. „Hier habe ich meine Bücher, zudem den Kontakt zu den Lehrern, das war für mich ausschlaggebend, noch nicht zu fahren“, sagt der Hamburger.

Und auch Jasmina ist noch da. Sie kommt aus Kiel und ist 18 Jahre alt: „Zu Hause wäre ich allein in meiner Wohnung“, sagt sie, „da habe ich hier doch mehr soziale Kontakte.“ Auch wenn ihre engsten Freunde mittlerweile bei ihren Eltern sind, kann sie der Situation etwas Positives abgewinnen: „Es rücken alle viel enger zusammen, und so lerne ich auch mal andere viel besser kennen.“ Langeweile hat sie nicht, dafür sorgen auch Playstation und Fernseher – und das Personal, das sich auch weiterhin um die Jugendlichen kümmert. Sa­brina Panning-Ternes sagt: „Die Stimmung ist gut, alle genießen das gemeinsame Zusammensein, wenn auch unter besonderen Bedingungen zum gegenseitigen Schutz.“

  • Das Bürgertelefon zum Corona-Virus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
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Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet

Von Ute Lühr