Mittwoch , 30. September 2020
Die Leitende Superintendentin Christine Schmid überreichte dem gerade entpflichteteten Pastor Gohde einen in Kirchengemeinde hergestellten Wanderstock. Foto: ki

„Moralischer Leuchtturm“ zeigt sich gerührt

Dahlenburg. Schon eine halbe Stunde vor dem Abschiedsgottesdienst für Pastor Christian Gohde gab es nur noch Stehplätze. Mit 700 Besuchern war die Kirche überfü llt. Viele Besucher mussten umkehren – wie Edeltrud Bauch aus Riecklingen und Ute Wiese aus Seedorf, die sich von Gohde deshalb vor der Kirche verabschiedeten. Gohde hat in 38 Jahren nicht nur die Kirchengemeinde geprägt, sondern auch den Flecken. Der Abschiedsgottesdienst war deshalb ein Dankesgottesdienst für Gohde und seine Arbeit.

Jeder Mensch hat seine Aufmerksamkeit genossen

„Ich sehe nur in fröhliche Gesichter, dennoch bin ich sicher, der Abschied fällt allen nicht leicht“, begrüßte Superintendentin Christine Schmid, die die Entpflichtung vornahm, die Gemeinde. „Nach 38 Jahren sagt man nicht einfach Tschüss, sondern denkt darüber nach, was man zusammen erlebt hat“. Und wie sehr die Dahlenburger mit Gohde verwoben waren, dokumentierten alle Beiträge. Schmid hob hervor, dass es ihm beeindruckend gelungen ist, Texte der Bibel so zu präsentieren, dass jeder damit etwas anfangen konnte. Bei Kontroversen habe er immer einen Weg gefunden, versöhnt zu leben. Jeder Mensch habe seine Aufmerksamkeit genossen. Sein Dienst am Menschen sei ein Treuedienst und segensreich gewesen. Den Verbund mit der Kirchengemeinde Nahrendorf habe er mit aufgebaut und den neuen Kirchkreis mitgeformt, erinnert Schmid.

Nach der Entpflichtung würdigte die Gemeinde Gohdes Verdienste. So ließ die Musikgruppe, die seit Jahren den Folkabend prägt, ein Highlight hören. „Die Wertschätzung von Pastor Gohde lässt sich kaum in Worte fassen“, würdigte Franz-Josef Kamp als stellvertretender Samtgemeindebürgermeister die Leistungen und versicherte, dass Dahlenburg eine wichtige verantwortliche Persönlichkeit verliert, die sich immer den Fragen stellte, die die Menschen belasten. „Er stand wie ein Fels in der Brandung, er war wie ein moralischer Leuchtturm“.

Politik und Kirche gehen nicht immer konform

Bürgermeisterin Christine Haut erinnerte daran, dass ihr Vater Bernhard Stolte Bürgermeister der Gemeinde war, als Gohde seinen Dienst begann. Für die Gemeinden Dahlenburg und Nahrendorf sprach sie an, dass Politik und Kirche nicht immer konform gehen, aber mit Gohde immer ein Konsens abgestimmt werden konnte. Der Jugendkonvent aus Lüneburg versicherte, dass es ein großes Geschenk war mit Gohde bei den Kinder- und Jugendfreizeiten zusammen zu arbeiten.

Tränen flossen, als die Dahlenburger Jugendgruppe dankte, in der Gohde große Spuren hinterlassen habe. In seinem Schlusswort erläuterte Gohde zum Schmunzeln die Bedeutung der Abkürzung i.R. Sie kann für In Ruhe stehen aber auch für in Rührung – wie heute. ki

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/a/30322-abschied-von-der-kirchenkanzel