Sonntag , 27. September 2020
In den vergangenen Tagen wurde zwischen Rathaus und Grundschule Reppenstedt ein neuer Tiefenbrunnen gesetzt. (Foto: t&w)

Tiefenbohrung an der Grundschule

Reppenstedt. Nicht nur die Coca-Cola-Tochter Apollinaris will in Reppenstedt einen Grundwasserbrunnen einrichten, sondern auch die Samtgemeinde Gellersen. Derzeit laufen die abschließenden Bauarbeiten im Auftrag der Samtgemeinde zwischen Rathaus und der Grundschule Reppenstedt. Ziel ist die Errichtung eines knapp unter 100 Meter tiefen Brunnens, sagt Gellersens Verwaltungschef Steffen Gärtner auf LZ-Nachfrage. Der Brunnen ist allerdings nur für den Notfall vorgesehen: zur Löschwasserversorgung. Eine Untersuchung 2018 hatte ergeben, dass das bestehende Hydrantennetz im Falle eines Brandes dafür allein nicht ausreicht, gemessen an den jüngsten Richtwerten für Löschwassermengen. Doch um das Problem zu beheben, sollte eigentlich ein unterirdischer Wassertank gebaut werden.

In Kooperation mit dem Wasserbeschaffungsverband Lüneburg-Süd hatte der Wasserversorger Purena für die Samtgemeinde Gellersen 2018 eine Bestandsaufnahme des Hydrantennetzes vorgenommen. Im Fokus standen dabei auch die erhöhten Anforderungen für Misch- und Gewerbegebiete, beispielsweise im Bereich Wiesenweg mit den Discountermärkten. Dort müssen laut Vorschrift 96 000 Liter Wasser pro Stunde für eine Dauer von mindestens zwei Stunden, in einem Radius von 300 Metern, für die Brandbekämpfung zur Verfügung stehen. Die vorhandenen Hydrantenstandorte, die über das allgemeine Trinkwassernetz versorgt werden, können das nicht leisten.

Geld reichte nicht aus

Weitere Defizitbereiche machten die Experten für das Gewerbegebiet Reppenstedt, den Bereich Böhmsholzerweg in Heiligenthal und im Bereich rund um Rathaus und Grundschule Reppenstedt aus. Als Lösung sollten unterirdische Zisternen mit einem Fassungsvermögen von jeweils 100 000 Litern gebaut werden. An der Discountermeile und im Gewerbegebiet wurde das auch bereits umgesetzt. Allerdings liefen nicht nur die Kosten aus dem Ruder.

So reichten beispielsweise die veranschlagten Mittel von 100 000 Euro für den Löschwassertank am Wiesenweg nicht aus. Schon beim Ausheben der Baugrube stießen Arbeiter seinerzeit auf jede Menge Bauschutt, später musste auch noch seitliches Schichtwasser aus der Grube abgepumpt werden. So hatte der Samtgemeinderat noch während der Bauarbeiten Ende 2018 weitere 100 000 Euro als finanziellen Puffer im Etat bewilligt (LZ berichtete). Das sollte sich jetzt für den Bereich Rathaus und Grundschule nicht wiederholen.

Samtgemeindebürgermeister Steffen Gärtner sagt: „Der neue Löschwasserbrunnen an der Grundschule soll nicht nur effektiver sein, sondern auch kostengünstiger.“ Er rechnet mit zirka 65 000 Euro Kosten für den Reppenstedter Brunnen. Auch Gellersens Gemeindebrandmeister Christian Schlüter setzt auf die höhere Effizienz: „Die Löschwasserbehälter sind darauf ausgelegt, dass sie zusätzlich zum Hydrantennetz 48 Kubikmeter über zwei Stunden liefern, um die geforderten 96 Kubik zu erreichen. Aber wenn der Löschwasserbehälter dann leer ist, ist er leer. Bei einem Brunnen hat man diese Begrenzung nicht.“ Im Falle eines Brandes könne das nur von Vorteil sein.

96

Kubikmeter Wasser pro Stunde über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden sollen zum Löschen in Misch- und Gewerbegebieten vorgehalten werden, um einen Brand bei größeren Bauwerken und Anlagen effektiv bekämpfen zu können.

Auf die Brunnenvariante setzte die Samtgemeinde jüngst auch für die Löschwasserversorgung im Bereich des Ortes Heiligenthal. Gärtner: „Dort haben wir Anfang des Jahres schon einen neuen Löschwasserbrunnen mit rund 40 Metern Tiefe in Betrieb genommen.“

Die LZ fragte beim Landkreis Lüneburg nach, ob für solche Bohrungen in einem Antrag auch die Umweltauswirkungen bedacht werden müssten. Dazu sagte Kreissprecherin Katrin Holzmann: „Löschwasserbrunnen müssen nur bei der Unteren Wasserbehörde angezeigt werden.“ Dies geschehe in der Regel über die Bohrdatenbank beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).

Von Dennis Thomas