Freitag , 18. September 2020
Das Bohrgut wird mit Luft und Wasser zutage gefördert und in eine umwallte Spülgrube gepumpt. Foto: be

Jetzt geht‘s in die Tiefe

Reppenstedt. Noch am Montag wurde das Bohrgestänge wieder montiert und justiert, jetzt arbeitet sich der Tiefenbohrer der Firma Brunnenbau Kessing langsam, aber sicher ins Erdreich in der Reppenstedter Gemarkung vor. Die Zieltiefe beträgt 195 Meter unter Gelände.

Das Bild gleicht den Arbeiten für die insgesamt 19 Erkundungsbohrungen seit 2016, etwa bei Vögelsen bis Dachtmissen und Lüneburg, die in den vergangenen Jahren im Auftrag der Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands durchführt wurden. Nur diesmal soll dort am Ende der neue, dritte Vio-Brunnen entstehen.

Brunnenstube für die Pumpentechnik

Unter lautem Surren dringt das Bohrgestänge in den Untergrund vor. Das Bohrgut wird mit Luft und Wasser zutage gefördert und in eine kleine umwallte Spülgrube gepumpt. Diesmal ist das Baufeld etwas großzügiger als in der Vergangenheit angelegt. Denn zusätzlich ist in den kommenden Monaten der Bau der sogenannten Brunnenstube vorgesehen, in der die Pumpentechnik eingehaust werden soll.

Eine Presseanfrage der LZ zu weiteren Details blieb  seitens Coca-Cola zunächst unbeantwortet. Aber es hilft ein Blick in die Antragsunterlagen, die der LZ in Kopie vorliegen.

Die Grundfläche der geplanten und baurechtlich vom Landkreis bereits genehmigten Brunnenstube soll rund sieben mal sieben Meter betragen und in eine Tiefe von drei Metern reichen. Der Zugang soll später durch zwei Metallklappen verschlossen werden, die als einziges an der Geländeoberfläche sichtbar bleiben, heißt es. Und weiter: „Zur Errichtung der Brunnenstube wird eine 12,5 mal 12,5 Meter große Baugrube ausgehoben.“

Erschließung über Wirtschaftsweg

Die Erschließung der Baustelle erfolgt ebenfalls über den vorhandenen Wirtschaftsweg, der östlich an der Landwehr bei Gut Brockwinkel zwischen Reppenstedt und Vögelsen entlangführt. Neben der Brunnenstube soll später außerdem ein kleines Trafohaus errichtet werden.

Wie berichtet, rechnet der Getränkehersteller damit, im Oktober mit dem umstrittenen Pumpversuch beginnen zu können. Dabei dürfen über 70 Tage maximal 118 Millionen Liter (118 000 Kubikmeter) Tiefengrundwasser zutage gefördert werden – als Test für die beantragte dauerhafte Förderung von 350 000 Kubikmeter pro Jahr.

Über eine provisorische Trinkwasserleitung soll das testweise geförderte Wasser in den Reppenstedter Bach „Kranker Hinrich“ eingeleitet werden. Sollte die Wasserentnahme dauerhaft genehmigt werden, plant der Getränkehersteller früheren Angaben zufolge eine weitere Rohrleitung zu bauen vom neuen Brunnen bis zum Abfüllstandort im Lüneburger Gewerbegebiet Goseburg.

Von Dennis Thomas