Das Brückenfest in Amt Neuhaus zieht Jahr für Jahr am Tag der Einheit viele Besucher an. (Foto: privat)

Eine Brücke von Mensch zu Mensch

Darchau. Eselsbrücken, Verkehrsbrücken, Brückentage, Zahnbrücken: Brücken haben schon vielen Menschen geholfen. Auch Holger Hogelücht wünscht sich eine Brücke – eine persönliche zwischen den Menschen des ehemals geteilten Deutschlands – und viele weitere Amt Neuhäuser auch eine aus Stahl und Beton zum Überqueren der Elbe. Das 8. Brückenfest in Darchau – 30 Jahre nach der Grenzöffnung – steht ganz im Zeichen dieser Wünsche.

Hogelücht, Mitveranstalter und Vorstandsmitglied des Vereins Tourismus und Wirtschaft Amt Neuhaus, weiß, dass so ein Fest kein Allheilmittel sein kann: „Vorurteile zwischen Ost und West – die findet man auch heute noch“, beobachtet er. „Der Wille zur Veränderung ist noch nicht bei jedem da – das werden wir auch nicht mit einem Fest erreichen können.“ Trotzdem: Hogelücht hofft, dass beim Brückenfest am Donnerstag, 3. Oktober, erneut mehr als 7000 Menschen am Fähranleger in Darchau feiern werden: „Wenn man bedenkt, wie das da vor 30 Jahren aussah… Da heute so ein Fest zu feiern, finde ich einfach großartig.“ Das Event findet im früheren Sperrgebiet statt, unweit des Grenzturmes.

Live-Musik und mehr

Beim 8. Brückenfest am Donnerstag, 3. Oktober, wird von 10.30 bis 17 Uhr am Fähranleger in Darchau gefeiert.

10.30 Uhr: Andacht
11.00 Uhr: Begrüßung
11.15 Uhr: Fröhliche Elbbergmusikanten
12 Uhr: Teldauer Danzwiewer
12.45 Uhr: Erbstorfer Harmonikanten13.45 Uhr: Am Besten Morgen
14.45 Uhr: Cotton Bags
16 Uhr: Tombola

Während also an der Elbe die Gemeinde Amt Neuhaus, Mitglieder mehrerer Vereine und viele weitere Ehrenamtliche die letzten Vorbereitungen für das Event treffen, geht es auch bei den Planungen für eine Elbbrücke zwischen Neu Darchau und Darchau voran: Drei Ingenieurbüros in Deutschland dürften derzeit damit beschäftigt sein, ihre Angebotsunterlagen für das Millionen-Projekt fertigzustellen. Die Abgabefrist endet am 4. Oktober. Dann werden die Unterlagen vom Landkreis geprüft und verglichen, bevor Verhandlungsgespräche mit den Bewerbern anstehen. Derzeit geht man laut Pressesprecherin Urte Modlich in der Verwaltung davon aus, dass bis zum Ende des Jahres ein Büro beauftragt werden kann. Verzögerungen in dem rechtlich relativ komplizierten Vergabeverfahren seien möglich, aber noch nicht absehbar.

Zum Hintergrund: Nachdem der Lüneburger Kreistag das Planfeststellungsverfahren für die Brücke 2015 gestoppt hatte, beschloss das Gremium im Herbst 2018, das Verfahren wieder aufzunehmen. Das Land Niedersachsen hatte die ursprüngliche Deckelung der Kostenübernahme aufgehoben, sodass sich für den Kreis bessere Finanzierungsmöglichkeiten ergaben. Das Projekt soll, nach Schätzungen aus 2015, 65 Millionen Euro kosten.

Holger Hogelücht sieht vor allem eine „psychologische Notwendigkeit“ für das Projekt: „Da hängt noch ein Versprechen in der Luft!“ Trotzdem warnt der Touristiker davor, zu viel Hoffnung in die Elbbrücke zu setzen: „Sie wird nicht all unsere Probleme lösen.“ Beim Brückenfest jedoch geht es weniger um Probleme, eher um positive Begegnungen – auch mit Künstlern von beiden Seiten der Elbe. Neben Speisen, Getränken, Verkaufsständen und Kinderattraktionen sind einige Live-Events – unter anderen mit den Fröhlichen Elbbergmusikanten, den Teldauer Danzwiewern und den Cotton Bags – geplant. Das Thema „30 Jahre nach der Grenzöffnung“ ist zudem Anlass für eine Sonderausstellung, die das Museum Altes Zollhaus in Hitzacker zusammengestellt hat, beim Brückenfest wird sie erstmals präsentiert.

Und solang es keine Brücke gibt, mit der die Menschen die Elbe überqueren können, setzt Holger Hogelücht wie immer auf den Wasserweg: „Entscheidend ist, dass die Fähre fährt – sie schaufelt ja regelrecht Leute rüber.“

Von Anna Petersen