Sonntag , 27. September 2020
Das Niedrigwasser der Elbe stellt die Fähren nach 2018 abermals vor große Herausforderungen. In Neu Darchau kommt deshalb der Bagger wieder zum Einsatz. (Foto: Dau/privat)

Wenig Wasser in der Elbe

Bleckede/Neu Darchau. Es droht schon wieder ein zu trockener Sommer mit fallenden Pegeln der Elbe – mit gravierenden Folgen für Binnenschiff fahrt und Fährbetriebe: Zwar hat die Bleckeder Fähre „Amt Neuhaus“ zurzeit – noch – genügend Wasser unterm Kiel, dennoch sind hier schon erste Einschränkungen spürbar: Übergesetzt werden nur noch Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen Gewicht, schwere Lkw und Trecker werden aufgrund des Niedrigwassers zurzeit nicht mitgenommen.

Auch in Neu Darchau rüstet man sich für den Fall, dass der Wassermangel größer wird: Seit kurzem ist ein ein Bagger dabei, von einer Buhne aus die Ein- und Ausfahrt für die Fähre „Tanja“ freizuschaufeln.

Noch genügend Wasser unterm Kiel

„Wir haben kurzfristig in Abstimmung mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie Behörden im Bereich der flach-sten Stelle unserer Überfahrt Baggerarbeiten organisiert“, bestätigt Betriebsleiter Andreas Dau. „Die nächsten zwei bis drei Tage können wir auf jeden Fall fahren.“ Zwar könnten aktuell aufgrund der niedrigen Pegelstände keine vollgeladenen Lkw mitgenommen werden, aber Dau ist optimistisch. „Im vergangenen Jahr stellten wir den Betrieb bei einem Pegelstand von unter 85 Zentimetern ein.“ Jetzt liege der Stand nochmal sieben Zentimeter darunter – doch die Fähre hat noch genügend Wasser unter dem Kiel. Die Baggerarbeiten sollen eine zusätzliche Reserve für den Fall schaffen, dass die Pegel noch weiter sinken. Dau geht geht davon aus, dass die Arbeiten diesmal lediglich zwei oder drei Tage dauern werden, die zu bewegenden Sandmengen auch deutlich geringer sind als die des vergangenen Jahres.

Baggereinsatz 2018 auf der anderen Seite

Im vergangenen Sommer musste ebenfalls ein Bagger anrücken, damit die Fähre ihren Betrieb, wenn auch eingeschränkt, aufrechterhalten konnte. Allerdings fand der Baggereinsatz im trockenen und heißen Sommer 2018 auf Darchauer Seite statt – jetzt wird der Sand auf Neu Darchauer Seite beiseite geschaufelt. „Wir vergrößern die Durchfahrt in einer Unterwasserdüne“, verdeutlicht Dau und hofft, durch diese Maßnahme über die Niedrigwasserphase in diesem Sommer hinwegzukommen und damit den Fährbetrieb den Sommer über aufrechterhalten zu können.

„Der Wasserstand der Elbe liegt im gesamten Streckenbereich von der deutsch-tschechischen Grenze bis nach Geesthacht aktuell deutlich unter dem Mittleren Niedrigwasser“, bestätigt Carsten Lippe, Pressesprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Der gestrige Wasserstand betrug am Pegel Neu Darchau 77 Zentimeter. „Was den Wasserstand angeht, bewegen wir uns damit nun im Bereich der Extremwerte“, so Lippe. Die aktuelle Situation sei durchaus vergleichbar mit dem Sommer 2018.

Wunsch nach Fähre mit wenig Tiefgang

Und der Zeitpunkt für eine Trendwende lasse sich aktuell noch nicht abschätzen. „Die Wetterprognosen geben bisher wenig Hoffnung, dass sich das Lagebild durch ergiebige Niederschläge in den nächsten Tagen ändert“, so der NLWKN-Sprecher. Auch die Fährbetreiber sehen die trockenen Sommer mit extremem Niedrigwasser mit Sorge: Neu Darchau plant deshalb die Anschaffung einer zusätzlichen Fähre, die Personen- und Pkw-Transporte selbst bei extremen Niedrigwasserständen ermöglichen soll. Hilfe für dieses Vorhaben erhofft sich Bürgermeister Klaus Peter Dehde (SPD) vom Land Niedersachsen. Die Kosten für die Niedrigwasser-Fähre belaufen sich laut Dehde auf unter eine Million Euro.

Selbst wenn der Landkreis Lüneburg den Bau einer festen Elbquerung favorisiert, hält Betriebsleiter Dau die Anschaffung einer Niedrigwasser-Fähre für eine sinnvolle Investition: „Sollte die Brücke tatsächlich gebaut werden, dauert das mindestens zehn Jahre.“ Und bis dahin müssen die Fahrgäste weiter sicher über die Elbe gebracht werden – eben auch bei extremen Niedrigwasser.

Sauerstoffgehalt in der Elbe:

Den Fischen geht‘s noch gut

Negative Auswirkungen auf die Fische in der Elbe infolge sich verändernder Sauerstoffgehalte oder der Wassertemperaturen wurden laut NLWKN bislang nicht beobachtet. „Die Fische weichen im Zweifel von den Flachwasserzonen in jene Bereiche aus, in denen sie sich wohler fühlen“, weiß NLWKN-Sprecher Carsten Lippe.

Um mögliche Auswirkungen erfassen zu können, werde der Gütezustand der Elbe an ausgesuchten Probemessstellen, so auch in Schnackenburg, regelmäßig überwacht. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Natur bislang vergleichsweise gut auf die Situation eingestellt hat. Gestern um 14 Uhr lag der Sauerstoffgehalt an der Station Schnackenburg bei 13,1 mg/l. Die Wassertemperatur betrugt 18,2 Grad Celsius.

Zur Einordnung: In der Regel spricht man bei Konzentrationen von weniger als 3 bis 4 mg/l von akutem Sauerstoffmangel, der für Fische problematisch werden kann, sofern die Tiere nicht ausweichen können. kre

Von Klaus Reschke