Samstag , 19. September 2020
Da geht derzeit nichts - Uwe Dorendorf (v.l.), Eckhard Pols, Wilhelm Kastens und Felix Petersen vor der an Neu Darchaus Elbufer festsitzenden „Tanja“. (Foto: mr)

CDU-Spitze: Brücke über die Elbe muss Chefsache werden

Neu Darchau. „Unhaltbar“, „erbärmlich“, „ein Trauerspiel“- vier Christdemokraten, drei Meinungen, eine Richtung: Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols, Landtagsmitglied Uwe Dorendorf, Kreisparteichef Felix Petersen und Kreistagsmitglied Wilhelm Kastens aus Bleckede stehen am späten Mittwochnachmittag in Neu Darchau vor dem Fähranleger. Die „Tanja“ liegt dort seit gut zwei Wochen fest, mit kleineren Unterbrechungen. Ein Ende – noch nicht absehbar.

Frühestens am Mittwoch werde der Pegel wieder über den „magischen“ 90 Zentimetern liegen, die die Fähre mindestens benötigt, verweist Kastens auf die Vorhersagen. Dann geht auch die Schule wieder los. Es ist nach den Reparaturarbeiten und dem Februar-Eisgang die zweite mehrwöchige Zwangspause von „Tanja“, bilanziert der Elbanrainer.

Die Runde steht gerade zehn Minuten zusammen, da muss bereits das vierte Auto eine unfreiwillige Kehrtwende vor dem Fluss hinlegen. „Das ist kein Zustand“, kritisiert Petersen. Wenn die Fähre nicht ab- und anlegen kann, würden auch Pläne für eine neue Elbfähre für den Abschnitt Bleckede, die im Kreistag gerade diskutiert werden, oder die von Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) angestrebte kostenfreie Nutzung für die Einwohner des Amtes Neuhaus nicht helfen.

Pols: Gelegenheit ist günstig wie schon lange nicht mehr

„Wie brauchen die Brücke“, ist sich das christdemokratische Spitzenquartett des Landkreises einig. Die Gelegenheit erscheint günstig. Die Steuereinnahmen sprudeln wie schon lange nicht mehr. In Berlin, Hannover und Schwerin regieren Bündnisse von CDU und SPD. „Wann, wenn nicht jetzt, können uns da entscheidende Schritte gelingen“, findet Eckhard Pols.

Der Bundestagsabgeordnete sieht hier aber „insbesondere die Länder am Zug“. Sein Landtagskollege Uwe Dorendorf greift den Ball auf: „Unmittelbar nach der Sommerpause werde ich mit unserem Wirtschaftsminister Bernd Althusmann eine Strategie besprechen“, kündigt er an.

Niedersachsens Vize-Ministerpräsident hatte in den vergangenen Wochen schon wichtige Weichen gestellt und neben der Übernahme von Planungskosten in Höhe von 700 000 Euro eine 75-prozentige Förderung der Baukosten in Aussicht gestellt. Auf zehn Millionen Euro hat Lüneburgs Kreistag seine Kostenbeteiligung beschränkt. „Da fehlen noch fünf bis zehn Millionen Euro – das muss doch machbar sein“, findet Kastens.

Der Druck müsse stärker werden

CDU-Kreisparteichef Petersen spielt den Ball in Richtung Koalitionspartner: „Die Brücke muss Chefsache werden“, fordert er. „Die Chefs“ – das sind die SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil und Manuela Schwesig. Die Brücke sei keineswegs nur im Interesse der Menschen im Amt Neuhaus, dem Landkreis Lüneburg und Niedersachsen. Es entstehe eine Verbindung, die Effekte bis Ludwigslust und zur Autobahn 24 haben werde, ist sich Pols sicher.

Und dann ist da die Hoffnung, dass da auch der Bund noch Impulsgeber für die beiden Länder sein könnte. Vielleicht passe da doch eine Förderkulisse… Pols und Dorendorf wollen hier bei Enak Ferlemann vorfühlen. Der Christdemokrat aus Cuxhaven ist in Berlin Parlamentarischer Staatssekretär im wichtigen Verkehrsministerium.

„Briefe wurden genug geschrieben“, sind sich die CDUler einig, jetzt müsse der Druck stärker werden, damit endlich Taten folgen. „Auf allen Ebenen“, unterstreicht Petersen.
Dieser Appell geht auch an die Adresse von Landrat Manfred Nahrstedt. Der Kreischef habe ja das gleiche Parteibuch wie die beiden Länderchefs, merkt der CDU-Kreisvorsitzende an.
Derweil wendet der Fahrer eines holländischen Wohnmobils direkt vor dem Quartett – und macht sich auf den Weg zu einem zeitintensiven und kilometerweiten Umweg über die Elbe. „Der fünfte“, zählt Petersen.

„Seitenwechsel“ am 9. August

Seit 25 Jahren gehört das Amt Neuhaus wieder zu Lüneburg. Die LZ hat dazu das Multimedia-Projekt „Seitenwechsel“ mit vielen Videos, Fotos und Texten erstellt. Teile daraus werden am Donnerstag, 9. August, um 19 Uhr im „Haus des Gastes“ in Neuhaus vorgestellt. Es ist ein Abend zum Schauen, Erinnern und Diskutieren über Neuhaus‘ Vergangenheit und Zukunft. Wir freuen uns, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Von Marc Rath