Gestern wurde das Zusatzschild ,,bei Nässe abgeschraubt. Ab sofort gilt somit uneingeschränkt Tempo 80 auf der Landesstraße 221 zwischen Sülbeck und Neetze. Foto: t&w

Tempo 80 auch bei Sonnenschein

kre Sülbeck. Dirk Bonow hat es ausprobiert: Magere 15 Sekunden beträgt der Zeitvorteil, wenn man statt der erlaubten 80 mit 100 Kilometer in der Stunde zwischen Sülbeck und Neetze unterwegs ist. Ein minimaler Zeitgewinn, ,,aber ein ungleich größeres Risiko, einen Unfall zu verursachen!", davon ist der Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr und Führerscheine beim Landkreis Lüneburg überzeugt. Auf dem rund vier Kilometer langen Streckenabschnitt der Landesstraße 221 galt zwar auch vorher schon Tempo 80 allerdings nur bei Nässe: Gestern nun schraubten Udo Schulze und Marcel Jankoswki von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Zusatzschilder ,,bei Nässe" ab. Somit gilt ab sofort die Geschwindigkeitsbegrenzung bei jeder Witterung.

Die Männer der Straßenmeisterei setzten damit eine Forderung der Unfallkommission um. Bereits 2011 stellte die Polizei auf dem Abschnitt zwischen Sülbeck und Neetze vermehrt Unfälle fest. 23 Karambolagen in nur drei Jahren ,,nicht mitgezählt die Wildunfälle", betont Bonow. 2013 starben als trauriger Höhepunkt zwei Menschen bei einem Unfall auf der Strecke. Genug Gründe also, die Geschwindigkeit auf 80 km/h zu reduzieren. ,,Wir wollen mit dieser Maßnahme den ,Überholdruck bei den Autofahrern mindern", erklären Bonow und Polizeihauptkommissar Manfred Fricke. "Wenn Autofahrer mit 100 km/h auf einen deutlich langsameren Lkw aufschließen, meinen viele, den Brummi überholen zu müssen", beobachten die beiden Verkehrsexperten immer wieder auch wenn der Zeitgewinn minimal ist, und man sich an der nächsten Ampel sowieso wiedertrifft." Werden allerdings auch die Auto- und Motorradfahrer auf Tempo 80 eingebremst, empfinden viele das ,Dahinterbleiben als nicht mehr ganz so nervig. Das jedenfalls ist das Kalkül der Unfallkommission, die hofft, mit dieser Maßnahme die Unfallzahlen senken zu können.

Aber auch die Wildunfälle dürften dank des Tempolimits zurückgehen, denn: Autos, die mit mehr als 80 km/h unterwegs sind, werden von Schwarzkittel und Co nicht mehr wahrgenommen. Sind die Pendler auf der wildreichen Strecke langsamer unterwegs, hat auch das Wild eine Chance, die Straße lebend zu queren.

Auf ein weiteres Problem das nicht nur auf dieser Straße offenkundig wird ­ macht Gesa Schütte von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr aufmerksam: Die Straßenbäume links und rechts der Straße stehen dicht beieinander. In einer kritischen Situation wird es für Autofahrer also im wahrsten Sinne des Wortes eng, noch einen Ausweg an den Bäumen vorbei ins Feld zu finden. ,,Niedersachsen hat viele schöne Baumalleen, aber bundesweit auch die meisten Baumunfälle", weiß Schütte. ,,40 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle enden an einem Straßenbaum", erklärt die Straßenbau-Expertin, die auch aus diesem Grund die Anordnung des Landkreises begrüßt, das Tempo auf 80 km/h zu begrenzen.

Dass solche Anordnungen funktionieren, zeigt sich nach den Worten von Bonow auf der Bundesstraße 216: Dort gilt seit einigen Jahren kurz hinter Bavendorf in Richtung Dahlenburg im Bereich der Parkplätze Tempo 80 km/h: ,,Das hat sich bewährt!", stellt Bonow zufrieden fest.

Den gleichen Erfolg erhoffen sich die Verkehrsexperten nun auch vom Tempolimit zwischen Sülbeck und Neetze. Die neue Geschwindigkeitsbegrenzung soll als Versuch zunächst für ein Jahr wirksam sein. Während dieser Zeit führen Polizei und Verkehrsüberwachung des Landkreises Lüneburg Geschwindigkeitsmessungen an der Strecke durch. ,,Danach werden wir sehen, ob es etwas gebracht hat", sagt Bonow.