Samstag , 24. Oktober 2020
Es gibt Zweifel an den Sanierungsplänen für die Grundschule Neetze. Stattdessen rückt ein Neubau am Sportplatz in den Fokus. Foto: sel

Lieber Neubau statt Container

Neetze. Manchmal ändert sich der Blickwinkel und stellt bereits getroffene Entscheidungen auf den Kopf. So könnte es auch bei der geplanten Sanierung und Erweiterung der Grundschule Neetze kommen. „Es ist Zeit, neu nachzudenken“, sagt Neetzes Bürgermeister Karsten Johansson (CDU).

Auf seinen Antrag hin hatte der Bau-, Wege- und Umweltausschuss der Samtgemeinde Ostheide kürzlich dafür gestimmt, die bereits begonnenen Planungen zu unterbrechen. Das Gesamtkonzept soll stattdessen auf den Prüfstand kommen, einschließlich einer Kostenermittlung für einen Neubau und einer Standortsuche.

Die Zukunft der Grundschule beschäftigt die Kommunalpolitiker in Gemeinde und Samtgemeinde schon einige Jahre. „Das ist eine lange Geschichte. Es gab nie nur eindeutige Meinungen für die Sanierung. Es gab von Anfang an auch Stimmen für einen Neubau“, fasst Karsten Johansson das Stimmungsbild zusammen.

Fläche am Sportplatz im Fokus

Er selbst habe zunächst die Sanierung für richtig gehalten. Doch inzwischen habe bei ihm ein Umdenken eingesetzt. Ausschlaggebend dafür war die Suche nach einem Standort für die Container, die während der rund zwei Jahre dauernden Sanierungsphase als Ausweichquartier für den Unterricht benötigt werden.

Ihm stelle sich nun die Frage, warum nicht einen Neubau an der Stelle errichten, an der die Container stehen sollen? Auf einer Fläche am Sportplatz, die als eine von mehreren Möglichkeiten in den Fokus gerückt ist und die er als Standort favorisiert. Zumal die Kosten von 800.000 Euro für die mobilen Klassenräume höher seien als ursprünglich veranschlagt. Darüber hinaus gibt es im Dorf Stimmen von Eltern, die ihren Kindern die Hälfte ihrer Grundschulzeit in Containern am liebsten ersparen würden.

Kosten liegen nicht so weit auseinander

„Aktuell weist die Kalkulation für Sanierung und Erweiterung des Schulgebäudes rund 5,8 Millionen Euro aus, inklusive Container“, erklärt Johansson. Jetzt werde es interessant, sagt er. „Die Summe ist möglicherweise gar nicht mehr so weit entfernt von der, die für einen Neubau anfallen würde“, begründet er sein Umdenken. Die Kosten dafür hatte Planer Andreas Oldenburg bei der jüngsten Ausschusssitzung auf 8,4 bis 9 Millionen Euro geschätzt.

Für einen Schulstandort am Sportplatz sieht der Bürgermeister einige Vorteile: „Es gibt schon eine gute Busanbindung, Platz für ein Außengelände ist da, ebenso für die bauliche Weiterentwicklung zum Beispiel mit einer kleinen Turnhalle, Bolzplatz und Skater-Anlage könnten in einem Ganztagsbetrieb mitgenutzt werden, der Sportplatz für den Schulsport“, sagt Johansson.

Zeichen stehen auf Wachstum

Für das bisherige Schulgebäude werde sich eine andere Nutzung finden, davon ist Neetzes Bürgermeister überzeugt. Seine Idee: „Vielleicht eine Krippe.“ Denn eines sei klar. An Investitionen für die Infrastruktur komme man in Neetze nicht vorbei. Er zählt auf: „Die Turnhalle gegenüber der Schule ist fast 50 Jahre alt. Da kommt etwas auf uns zu. Auch am Feuerwehrgebäude nebenan muss irgendwann etwas passieren. Aber vor allem wird der Ort wachsen.“

Der Dorfentwicklungsplan sehe Zuzug vor. „Derzeit haben wir 2600 Einwohner, im Jahr 2035 werden es laut Entwicklungsplan rund 3000 sein. Das wirkt sich dann auch auf die Schule aus. „Es ist zu erwarten, dass zumeist Familien mit kleinen Kindern herziehen.“ Und ob das in den 1950er-Jahren errichtete und in den 1960er-, 1970er- und 1990er-Jahren jeweils erweitere Gebäude für mehr Kinder ausreichend sei, daran zweifelt er.

Es drohen Ausfallzahlungen

Andree Schlikis, stellvertretender Verwaltungschef und Leiter des Fachbereichs Bauangelegenheiten bei der Samtgemeinde Ostheide, gibt allerdings zu bedenken, dass die Planungen für die Sanierung und Erweiterung schon sehr weit gediehen seien. Nach zweijähriger Planungszeit sei die Genehmigung in Sichtweite.

„Für einen Neubau würde sich alles von Grund auf ändern. Darüber wird bei den nächsten Sitzungen zu reden sein“, sagt er. Zumal die Samtgemeinde schon für das Projekt investiere. Kosten von 150.000 Euro seien für Planungsleistungen kalkuliert, die Ausschreibung in der Europäischen Union schlage mit 50.000 Euro zu Buche. „Darüber hinaus gibt es Verträge mit Architekten mit einem Volumen von 750.000 Euro“, berichtet Schlikis. Ausfallzahlungen drohten.

Aus Sicht der Samtgemeinde werde sich an der Zweizügigkeit an der Grundschule Neetze auch trotz Zuzugs ohnehin kaum etwas ändern. „Vielmehr sehe ich den Druck im Bereich Krippe und Kindergarten“, meint er zu den Gedankenspielen beim Thema Grundschule.

Von Stefan Bohlmann