Mittwoch , 30. September 2020
Wie können Krankentransporte durchgeführt werden, ohne Kapazitäten für Notfalleinsätze zu blockieren? Darum ging es im Kreisausschuss für Feuer-, Katastrophenschutz und Ordnungsangelegenheiten. (Foto: be)

Debatte um „sitzende Patienten“

Scharnebeck. Im Rettungsdienst ist die Zahl der jährlichen Einsätze in sechs Jahren um rund 6000 auf 30 941 gestiegen, bei den Krankentransporten – mit denen Patienten zum Beispiel zu einer Spezialuntersuchung in ein anderes Krankenhaus gebracht werden – gibt es eine Steigerung von rund 12 000 auf 17 000 Fahrten – Grund genug, einmal zu überprüfen, wo der so genannte „Rettungsdienstbedarfsplan“ durch die neuen Entwicklungen nachgebessert werden kann und muss. Ein Sachverständiger wurde beauftragt, die Ergebnisse diskutierte jetzt der Kreisausschuss für Feuer-, Katastrophenschutz und Ordnungsangelegenheiten in der Feuertechnischen Zentrale Scharnebeck.

Im Rettungswesen dreht sich vieles um das Thema Geld – und entsprechend gab es mit den Krankenkassen als Kostenträgern „erhebliche Diskussionen“ darüber, wie das erhöhte Aufkommen an Fahrten ohne deutlich höhere Ausgaben bewältigt werden kann, schilderte Ordnungsamtsleiter Mirko Dannenfeld. Die Krankenkassen setzen vor allem auf organisatorische Maßnahmen: Am meisten Effekte erhofft man sich dabei von der Anschaffung von Fahrzeugen, in denen Patienten sitzend in sogenannten Tragestühlen transportiert werden können. Bislang werden solche Fahrten von Krankentransportfahrzeugen durchgeführt, die dann für Liegendtransporte nicht zur Verfügung stehen. „Rund 3200 waren das im vergangenen Jahr“, schildert Dannenfeld.

Wochenarbeitsstunden für Rettungswachen sollen erhöht werden

Anders als im Taxigewerbe sind für die Tragestuhlfahrzeuge zwei Begleitpersonen erforderlich. Gestartet werden soll in einer Art Pilotprojekt zunächst mit einem Wagen, den der ASB aus Altbeständen zur Verfügung stellt. Sollten sich die Sitzend­transporte bewähren, würde ein zweites Fahrzeug für das DRK angeschafft. Eine Entlastung wäre durch diese Maßnahme zwar möglich, sie reicht aber nicht aus, um das gesamte höhere Transportaufkommen auszugleichen, betont der Ordnungsamtsleiter. Deshalb will man auch das Gespräch mit dem Städtischen Klinikum zur Frage suchen, ob die Entlassungszeiten von Patienten etwas entzerrt werden können, damit nicht zeitgleich zu viele Fahrzeuge benötigt werden, um Patienten nach Hause zu bringen. Außerdem sollen die Wochenarbeitsstunden der Rettungswachen erhöht und zwei zusätzliche Krankentransportfahrzeuge bereitgestellt werden. Auch mit der Verlegung der Rettungswache Bockelkathen nach Lüdersburg erklärten sich die Krankenkassen einverstanden.

Die Ausschussmitglieder zeigten sich zufrieden mit diesen Verhandlungsergebnissen: „Den gestiegenen Bedarf kann man nun einmal nicht wegdiskutieren, und deshalb ist es toll, dass man zu diesem Konzept gekommen ist. Wir sind da auf einem guten Weg“, lobte Norbert Thiemann für die CDU-Fraktion. Und seine SPD-Kollegin Brigitte Mertz sprach von einem „sehr ausgewogenen Vorschlag“. Bis Jahresende soll nun beobachtet werden, wie das Pilotprojekt in der Praxis funktioniert – dann kommt das Thema erneut auf die Tagesordnung der Politik.

Von Thomas Mitzlaff