Ex-Bundespräsident

Joachim Gauck zu Gast in Melbeck: So hat er in der DDR den Mut zum Widerstand gefasst

Joachim Gauck im Gespräch mit Jule Grabowski und Ole Knüpfer - der ehemalige Bundespräsident war zu Gast im GLH Melbeck.

Joachim Gauck im Gespräch mit Jule Grabowski und Ole Knüpfer - der ehemalige Bundespräsident war zu Gast im GLH Melbeck.

Melbeck. Hoher Besuch am Gymnasium Lüneburger Heide: Altbundespräsident Joachim Gauck stattete der Privatschule jetzt einen Besuch ab. In einer Gesprächsrunde mit Schülern des elften und zwölften Jahrgangs plauderte er über sein Leben in der DDR. Die Schüler Jule Grabowski und Ole Knüpfer moderierten die schulinterne Runde.

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Dass da ein ganz besonderer Gast kommen würde, zeigte sich auch daran, dass Personenschützer des BKA die Räumlichkeiten der Schule zuvor ausgiebig in Augenschein nahmen. Gauck berichtete aus seiner Kindheit, sprach über die Verschleppung des Vaters in ein sibirisches Arbeitslager 1951, die seine oppositionelle Haltung geprägt habe. Die Ablehnung der DDR-Diktatur und die hohe Bedeutung, die Gauck der Freiheit zumesse, begleiteten ihn schon in jungen Jahren.

Freiheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Zwang

Freiheit bedeute dabei für ihn aber nicht nur die Abwesenheit von Zwang, sondern auch die Möglichkeit zur aktiven Gestaltung des sozialen Miteinanders, politisch, kulturell oder im Sportverein. Gauck brachte es auf die prägnante Formel: Wer wahlfähig in Bezug auf neue Sneakers sei und dafür ausgiebige Überlegungen anstellen könne, müsse dies auch für die Bürgermeisterwahl sein.

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Wie es in einem autoritären System gelingen könne, den Mut zur Dissidenz zu finden, wollten die Schüler wissen. Gauck sprach davon, in seiner frühen Kindheit schon eine innere Stärke mitbekommen zu haben, die ihn dazu befähigt habe, auch als einzelner in einer Gruppe eine andere Meinung vertreten zu können. Natürlich sei dies mit Gefahr und Nachteilen verbunden gewesen.

Auseinandersetzung mit der Stasi

„Si tacuisses, philosophus mansisses“, habe ihm sein Lateinlehrer ins Heft geschrieben. „Wenn Du geschwiegen hättest, wärest Du ein Philosoph geblieben“. Die Auseinandersetzung mit der Stasi habe ihm, gleichsam wie das Öffnen der Rückseite einer Uhr ihr Räderwerk sichtbar werden lässt, den Unterdrückungsapparat der DDR erkennen lassen.

Was denn Toleranz einfach schwer mache, wollte ein Schüler in Anlehnung an einen Gauckschen Buchtitel vom ehemaligen Staatsoberhaupt wissen. Wenn das Fremde positiv erscheine, sei Toleranz nicht so schwierig. Anders sehe es schon aus, wenn das Fremde eigenen Wertmaßstäben entschieden zuwiderlaufe. Dann sei aktive Auseinandersetzung nötig, bei der es aber natürlich zivilisiert zugehen müsse, antwortete Gauck. Zum Abschluss überreichte er als Geschenk ein signiertes Exemplar seiner Memoiren „Sommer im Winter, Frühling im Herbst“ für die Schulbibliothek.

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