Der ewige Oberbürgermeister

Ulrich Mädge beim Empfang zum Hansetag im Fürstensaal des Lüneburger Rathauses mit (v.l.) Sabine Danicker Oberbürgermeisterin Salzwedel, Michael Boyer Rattenfänger von Hameln,  und Matthias Naumann aus Stendal. Foto: A/t&w

Ulrich Mädge beim Empfang zum Hansetag im Fürstensaal des Lüneburger Rathauses mit (v.l.) Sabine Danicker Oberbürgermeisterin Salzwedel, Michael Boyer Rattenfänger von Hameln, und Matthias Naumann aus Stendal. Foto: A/t&w

Lüneburg. Ulrich Mädge bricht Rekorde, nicht nur im Lüneburger Rathaus. Als Oberbürgermeister ist er 25 Jahre im Amt. Das ist einzig, seit das Amt 1846 eingerichtet wurde. Und seit 20 Jahren ist er zudem Chef der Verwaltung oder auch „HVB“, wie Verwaltungsprofis den Posten der Hauptverwaltungsbeamten an der Spitze von Stadt oder Kreis abkürzen. Am 3. Dezember 1996 vereidigte ihn der Rats-Ältesten und Alt-Oberbürgermeister Heinz Schlawatzky.



Mädge, der vorher SPD-Fraktionschef im Rat war, prägt seit drei Jahrzehnten Lüneburg an den Hebeln der Politik. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht, auch die Liste seiner Kritiker ist beachtlich. Doch egal, wer gegen ihn antrat, etwa Bernd Althusmann, jetzt CDU-Spitzenkandidat in Niedersachsen, oder Eckhard Pols, CDU-Bundestagsabgeordneter, in seinem Revier Lüneburg behauptete sich stets Mädge.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Stelljes ist schon in Reichweite

„Schon eine ungewöhnlich lange Zeit“, sagt Heiger Scholz, Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages. Von jenen Bürgermeistern, die 1996 ins Amt kamen, sei eher niemand mehr auf dem Posten, erst recht nicht in einer Stadt vergleichbarer Größenordnung. In Lüneburg selbst war nur einer noch etwas länger Hauptverwaltungsbeamter als Mädge: der ehemalige Oberstadtdirektor Hans Heinrich Stelljes, der es auf 21 Jahre Amtszeit (1963-1984) brachte. Und da Mädge noch bis 2022 gewählt ist, kann er sich eigentlich nur selber aufhalten.

Als Mädge in die Politik einstieg, waren Wohnungsnot oder der Studenten-Andrang große Themen. Die Universität zog mit dem Studiengang Angewandte Kulturwissenschaften Scharen von Studenten nach Lüneburg, die 10 000.-Marke wurde genackt. In der Landeszeitung vom 8. Oktober 1991 hießen die wichtigsten Ziele, mehr Kindergartenplätze, mehr Wohnungen, Verkehrsberuhigung, Ausbau zum modernen Handels- und Dienstleistungszen­trum. Im Grund die Herausforderungen auch heute.

Mit dem Motto „Handeln in meiner Zeit“ angetreten

Schon als ehrenamtlicher Oberbürgermeister verstand sich Mädge nicht als Grüßaugust. Der Historiker Elmar Peter schrieb in seinem Buch über „Die Lüneburger Bürgermeister, Oberbürgermeister und Oberstadtdirektoren“: Mädge „wollte ein (...) gestaltender Oberbürgermeister sein“. Sein Motto: „Handeln in meiner Zeit.“ Spätestens seit 1996, mit Einführung der Eingleisigkeit in Niedersachsen, durfte er das dann auch offiziell als Repräsentant und Verwaltungschef. In der Folge konnten die Lüneburger 1996 erstmals direkt über ihren Oberbürgermeister abstimmen und sie entschieden sich zuletzt stets für Ulrich Mädge.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Fehler sollen andere beurteilen

Was hat sich im Vergleich von heute zu Ihrer Anfangszeit in der Lokalpolitik verändert?
Ulrich Mädge: Mit den gesellschaftlichen Umständen verändern sich auch die Menschen. Der öffentliche Druck und die Schnelllebigkeit, Hand in Hand mit neuen Medien, bewirken auch in Lüneburg, dass sich die Gesellschaft weiter zergliedert. Die Menschen gucken vermehrt auf sich und die, die ähnlich denken. Einzelinteressen stehen mehr und mehr im Vordergrund. Dies geht in der Lokalpolitik meines Erachtens auf Kosten des Zusammenhalts und der Verlässlichkeit. Die Bereitschaft, ernsthaft und gemeinsam zum Wohle der Stadt zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen, auch über den Moment hinaus, geht dabei manchmal verloren.

Nachgefragt

Was betrachten Sie als größten Verdienst Ihrer Amtszeit?
Ulrich Mädge: Die Umwandlung Lüneburgs von der Garnisons- zur Universitäts- und Kulturstadt. Die gelungene Konversion von drei Kasernen.

Ulrich Mädge, wäre nicht Ulrich Mädge, wenn er nicht auch noch die autoarme Innenstadt, Stärkung von Rad und ÖPNV, Ausbau Bahnhofs, HVV, Krippen, Schulen, und, und und erwähnte. Ein Hauptziel war schon immer zu wenig.

Was würden Sie im Nachhinein heute anders machen?
Ulrich Mädge: Ach, wissen Sie – jeden Tag, an dem man aus dem Rathaus kommt, ist man klüger, das gilt auch für mich, auch nach vielen Jahren noch. Insofern versuche ich laufend, an mir zu arbeiten, Fehler zu minimieren und Entscheidungen auch mal zu korrigieren. Ansonsten überlasse ich das Urteil, was ich hätte anders machen sollen, gern den anderen.



 

Lüneburg Oberbürgermeister Ulrich Mädge nach seiner Wahl 1991 Foto:be
31.12.2010

Lüneburg Oberbürgermeister Ulrich Mädge nach seiner Wahl 1991 Foto:be 31.12.2010

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Tag der Niedersachsen in Lüneburg (Sonnabend / 2. Tag),
Eröffnung auf dem Marktplatz
Foto: be
18.06.2001 unveröffentlicht

Tag der Niedersachsen in Lüneburg (Sonnabend / 2. Tag), Eröffnung auf dem Marktplatz Foto: be 18.06.2001 unveröffentlicht

foto t & w
Lüneburg - unangemeldeter NPD-Aufmarsch Naziaufmarsch - Neonazis ziehen grölend durch die Straßen - Demonstration Neonazi Neonazidemonstration Rechte Rechtsextremisten Rechtsradikale - als starke Polizeikräfte eintreffen, verziehen sie sich in den Kurpark  - Oberbürgermeister Ulrich Mädge (l.) 
04.06.2007 unveröff

foto t & w Lüneburg - unangemeldeter NPD-Aufmarsch Naziaufmarsch - Neonazis ziehen grölend durch die Straßen - Demonstration Neonazi Neonazidemonstration Rechte Rechtsextremisten Rechtsradikale - als starke Polizeikräfte eintreffen, verziehen sie sich in den Kurpark - Oberbürgermeister Ulrich Mädge (l.) 04.06.2007 unveröff

Mehr aus Stadt Lüneburg

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken