Psychiatrische Klinik

Eine Lösung für Klinik-Außenstelle in Ebstorf

Als über einen Verkauf des ehemaligen NS-Waldarbeiterschulungslagers diskutiert wurde, stieg in Ebstorf die Sorge, dass Neonazis die Immobilie erwerben könnten. Die Gefahr ist nun vom Tisch. (Foto: t&w)

Als über einen Verkauf des ehemaligen NS-Waldarbeiterschulungslagers diskutiert wurde, stieg in Ebstorf die Sorge, dass Neonazis die Immobilie erwerben könnten. Die Gefahr ist nun vom Tisch. (Foto: t&w)

Lüneburg/Ebstorf. Versteckt in einem Buchenwald bei Ebstorf liegt eine Außenstelle der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL), das Haus Westerholz. Noch. Denn das Pflegeheim für seelisch behinderte Menschen wird in mehreren Schritten in die Hände eines anderen Betreibers übergeben. „Das ist eine Win-win-win-Situation“, sagte PKL-Geschäftsführer Jan-Hendrik Kramer in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Lüneburger Stadtrates. So werde ein Knoten durchschlagen, der sich aus den Strängen leerer Kassen, geänderter Baupläne, unterschiedlicher Unternehmenskulturen und der Angst vor völkischen Siedlern festgezogen hatte.

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Neubau in Lüneburg anderweitig genutzt

Tatsächlich hatte das Haus Westerholz in Lüneburg schon länger für Kopfzerbrechen gesorgt. Die Bausubstanz der aus den 50er- bis 70er Jahre stammenden Wohngebäude für 80 Bewohner ist marode. Geld für Investitionen vor Ort fehlte. Deshalb wurde ein Umzug der Außenstelle im Landkreis Uelzen nach Lüneburg geplant. Von 2016 bis 2018 wurde auf dem Lüneburger Gelände der PKL ein Gebäude für die Bewohner errichtet. Doch der für dieses Jahr vorgesehene Umzug scheiterte an neuen Hürden: So war der Neubau in Lüneburg zwischenzeitlich mit Stationen der Erwachsenenpsychiatrie belegt worden. Weil aber deren Gebäude doch nicht wie geplant saniert, sondern abgerissen und neu gebaut wird, können die neuen Räumlichkeiten frühestens 2029 bezogen werden. Es fehlt also an Platz für die Ebstorfer Bewohner.

Waldarbeiterschulungslager der Nazis

Außerdem lösten die Verkaufspläne 2018 in Ebstorf Sorgen aus, dass sich dort ein Neonazi-Schulungszentrum etablieren könnte. Denn: Zum Gebäudeensemble von Haus Westerholz zählt auch das Haus 1 – dunkles Fachwerk, das vom Geist dunkler Nazi-Zeit umweht wird. Laut dem Niedersächsischen Denkmalatlas wurde das Gebäude von 1937 bis 1939 als Waldarbeiterschulungslager, also als Forstschule, errichtet. Getreu der nationalsozialistischen Ideologie verwirklichte der Architekt hier den "altgermanischen Gedanken des Einraumes". In einem ehemaligen Speisesaal soll es ein Wandgemälde "nordischer Herrenmenschen" geben. In den Waldarbeiterschulungslagern des Harzes wurden sowjetische Zwangsarbeiter für Forstarbeiten eingesetzt, wie vor wenigen Jahren bekannt wurde. Entsprechend alarmiert war die Gemeinde, als sie Hinweise darauf erhielt, dass es Kaufinteressenten aus dem rechtsextremen Lager gäbe.

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Pflegeheim geht schrittweise in andere Hände über

Doch die Gefahr eines Neonazi-Schulungszentrums ist vom Tisch. Das Haus Westerholz zieht nicht um, sondern bleibt in Ebstorf als Pflegeheim erhalten. Wenn auch auf Sicht nicht mehr unter der Regie der PKL, wie Kramer vor den Ratsmitgliedern erläuterte. Als "strategischen Partner" gewannen die Lüneburger die "Seniorenhaus eG", eine gemeinnützige Genossenschaft für Pflegedienstleistungen aus Horneburg. Dieser Gesellschaft verkauft die PKL das Grundstück von Haus Westerholz, "zu einem sehr positiven Preis", wie Kramer betonte. Anschließend errichtet der Partner einen Neubau in Rundlingsform für 120 Bewohner, das denkmalgeschützte Fachwerkhaus, das von der Verwaltung genutzt wird, bleibt erhalten. In dieser Phase bleibt die PKL die Heimbetreiberin. Mit Fertigstellung des Neubaus übergeben die Lüneburger aber den zuvor in eine eigene Gesellschaft ausgegliederten Betrieb an die Horneburger.

Mitarbeiter können am Ort bleiben

Kramer zählte die Vorteile auf: „Wir können uns auf unsere Kernkompetenz als Krankenhaus konzentrieren. Die Seniorenhaus eG bringt ihre Pflege-Expertise ein. Die Bewohner haben bessere Lebensbedingungen. Die Mitarbeiter, die sich eher als ‚Westerholzer‘ denn als ‚PKLer‘ sehen, können am Standort bleiben. Das vor Ort verwurzelte Pflegeheim muss nicht verpflanzt werden.“ Eine Perspektive, die im Ausschuss einstimmigen Zuspruch fand. Von Joachim Zießler

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