Freispruch im Pfefferspray-Fall

Prozessauftakt vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg: Angeklagt ist ein ein 44-Jähriger wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung. (Foto: be)

Prozessauftakt vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg: Angeklagt ist ein ein 44-Jähriger wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung. (Foto: be)

Lüneburg. Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung war ein 44-Jähriger vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg angeklagt worden. Am Dienstag, dem zweiten Verhandlungstag, wurde er nun freigesprochen. Denn: außer einer Funkzellenauswertung, die ergab, dass er sich zur Tatzeit im Umkreis des Tatorts aufgehalten hat, konnten keine Beweise dargelegt werden.

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Beim Überfall: reizende Flüssigkeit traf das Opfer im Gesicht

Zur Tat: Im März 2019 ist eine Mitarbeiterin des Lüchower Bowlingcenters an einem Sonntag gegen 22 Uhr von einem maskierten Mann mit einer Art Pfefferspray angegriffen worden, als sie sich nach ihrer Schicht in ihr Auto gesetzt hatte. Nachdem der Angreifer eine reizende Flüssigkeit gesprüht hatte, die sie im Gesicht und an der zur Abwehr erhobenen Hand traf, verlangte er in knappen Worten Geld. Die Mitarbeiterin gab ihm die Einnahmen der Woche – die hatte sie in einer Geldkartusche dabei, da sie die Wocheneinnahmen aus dem Bowlingcenter zur Bank bringen wollte. In der Geldkartusche befanden sich knapp 2.290 Euro.

Andeutungen einer inszenierten Tat vom Tisch

Die Geschädigte, die am ersten Verhandlungstag umfänglich aussagte, konnte ihren Angreifer nicht erkennen. Erst später habe sie den Mann verdächtigt, mit dem sie eine intime Beziehung geführt hatte – und der dann angeklagt wurde. Er habe ihr damals am Abend der Tat geschrieben, er würde sich bei einem Kumpel aufhalten, weit entfernt. Dass später herauskam, er habe sich zur Tatzeit doch in Lüchow befunden, hielt auch der Vorsitzende Richter Ulrich Subatzus für "merkwürdig".

Dass es sich bei der Tat um einen inszenierten Überfall gehandelt haben könnte, schloss die Kammer bei der Urteilsverkündung aus. "Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Und wir haben auch keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geschädigten. Es hat diesen Überfall gegeben", sagte der Richter.

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Angeklagter bislang Betrüger, kein Gewalttäter

Der Verteidiger des Angeklagten betonte noch einmal, dass er sich frage, warum bei der dünnen Beweislage überhaupt angeklagt wurde. Hier hielt der Richter gegen. Der Angeklagte sei in finanziellen Nöten und bereits in mehreren Fällen wegen Betruges vorbestraft gewesen. "Wir sind nicht von Ihrer Unschuld überzeugt", sagte er an Oliver H. gewandt. Zwar müsse man sich fragen, warum jemand die eigene Freundin angreifen würde? Das Risiko, trotz Maske erkannt zu werden, sei ja vorhanden. Für den 44 -Jährigen spreche auch, dass seine Schulden nicht beglichen wurden nach der Tat. Außerdem: "Sie sind von Haus aus Betrüger, kein Gewalttäter. Aber das heißt nicht, dass man nicht das Fach wechseln kann. Sie sind heute freigesprochen worden. Aber Sie haben auch ein Stück weit Glück gehabt", fasste der Richter seine Gedanken zusammen.

Von Laura Treffenfeld

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