Euthanasie-Gedenkstätte Lüneburg startet Projekt

Am 30. August 2020 wurde das neue Bildungszentrum der Euthanasie-Gedenkstätte  eingeweiht. Hier wurde ein Teil des Projekts „Geschwister“ erarbeitet. (Foto: t&w)

Am 30. August 2020 wurde das neue Bildungszentrum der Euthanasie-Gedenkstätte eingeweiht. Hier wurde ein Teil des Projekts „Geschwister“ erarbeitet. (Foto: t&w)

Lüneburg. Die „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg ist in den vergangenen Jahren bei der Klärung von Schicksalen immer wieder auf Geschwister gestoßen, die gemeinsam Patienten der Lüneburger „Kinderfachabteilung“ oder als Erwachsene Opfer von Zwangssterilisation und „Euthanasie“ wurden. Nicht selten wurden mehrere Geschwister einer Familie zwangssterilisiert, in die NS-Psychiatrie eingewiesen, entrechtet und schließlich ermordet. „Oft waren Geschwister Zeuge dessen, wenn ihre Brüder und Schwestern gequält und getötet wurden. Das sind innerhalb der Euthanasie-Verbrechen die tiefsten Abgründe nationalsozialistischer Verfolgung“, betonte Dr. Carola Rudnick, Leiterin der Gedenkstätte und Kuratorin der Ausstellung. Zugleich gibt es noch zahlreiche lebende Geschwister ermordeter Kinder, deren Erinnerung bedeutsame Beiträge für die Aufarbeitung der damaligen Verbrechen sind.

Gründe genug, gemeinsam mit Schülern der beiden Lüneburger Pflegeschulen die Sonderausstellung „Geschwister“ zu erarbeiten. Sie wird anlässlich des bundesweiten Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Donnerstag, 27. Januar, um 17 Uhr virtuell eröffnet (www.geschichte-raum-geben.de). Ab dann kann sie online und während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte im ehemaligen Badehaus am Wasserturm auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik (Haus 34, Am Wienebütteler Weg 1) besucht werden.

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Einblicke in Familiengeschichten

Neben der Dokumentation von 50 Geschwister-Biografien, erfahren Besucher, wie der Familienalltag mit Kindern mit Behinderungen im Nationalsozialismus war, welche Auswirkungen die rassenhygienische Verfolgung auf mehrfach betroffene Familien hatte und auf welchen Wegen die Schicksale von Geschwister-Kindern bis heute geklärt und aufgearbeitet werden. Besonderheit der Ausstellung ist, dass die Angehörigen auch selbst die Geschichte ihrer ermordeten Geschwister erzählen. In zahlreichen Videos erfahren Besucher ganz persönliche Perspektiven auf den Mord an der Schwester oder dem Bruder, werden Einblicke in Familiengeschichten gegeben, die nachhaltig von rassenbiologischer Diskriminierung geprägt wurden. Nebenbei liefert die Ausstellung Forschungsergebnisse zur Lüneburger „Kinder-Euthanasie“ und streift auch die Nachkriegspsychiatrie, in der es hohe Kontinuitäten gab und viele überlebende Geschwister Patienten blieben.

Das Projekt „Geschwister“ sowie die digitale Infrastruktur der Ausstellung wurden gefördert von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, der VGH-Stiftung, der Partnerschaft für Demokratie Lüneburg, dem Deutschen Verband für Archäologie sowie von der Hansestadt Lüneburg. Das Online-Portal „geschichte – raum – geben“ wird betrieben in Kooperation mit der VHS Lüneburg. lz

Weitere Infos: www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette

Veranstaltung in Lüneburg

Vor 77 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. In Auschwitz wurden 1,5 Millionen Menschen ermordet. Als die Rote Armee einrückte, fand sie nur noch 7500 überlebende Häftlinge vor. Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist seit 1996 ein bundesweiter Gedenktag. 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. In Lüneburg finden in diesem Jahr mehrere Veranstaltungen statt: Um 19 Uhr am Eisenbahnwaggon im Wandrahmpark veranstaltet die antifaschistische Gruppe aus Lüneburg eine Gedenkveranstaltung.

Hansestadt, Museum und Theater Lüneburg wollen an diesem Tag mit einer digitalen Gedenkveranstaltung gemeinsam ein Zeichen gegen das Vergessen setzen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Buch „Ist das ein Mensch?“, in dem Primo Levi (1919-1987), Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz, seine eigenen Erlebnisse als Gefangener und die Entmenschlichung der Opfer schildert. Gelesen wird das Buch von dem in Lüneburg lebenden Schriftsteller Dr. Renatus Deckert. Die digitale Gedenkveranstaltung wird mit einem Grußwort von Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch eröffnet. Das Video ist ab dem 27. Januar 2022 abrufbar auf der städtischen Internetseite unter .

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