Hightech-Sonde für die Tiefe

Roland Hoek bereitet die Sonde mit dem Kamerasystem für die Inspektion der Lüneburger Kanalisation auf ihren Einsatz vor. Foto: t&w

Roland Hoek bereitet die Sonde mit dem Kamerasystem für die Inspektion der Lüneburger Kanalisation auf ihren Einsatz vor. Foto: t&w

Lüneburg. Die Unterwelt Lüneburgs hat es in sich. 566 Kilometer umfasst das städtische Kanalnetz, hinzu kommen mehr als 300 Kilometer Hausanschlussleitungen – ein Labyrinth, das ständig kontrolliert und instandgehalten werden muss. Darum kümmert sich die Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL). Jetzt hat sie dafür ein Hightech-Gerät angeschafft, das in Deutschland einmalig sein soll.

Behutsam lässt Roland Hoek das mehr als 50 Kilogramm schwere Teil in die Tiefe gleiten, eine Arbeit, die auch für den kräftigen AGL-Mitarbeiter nicht ohne Kran machbar wäre. In der düsteren Umgebung des Hauptkanals unter dem Marktplatz wirkt das Gerät mit seinen vier kräftigen Rädern, den Edelstahlaufbauten und dem langen Ausleger mit seinen starken LED-Scheinwerfen, die Licht in das Dunkel des Untergrunds bringen, wie aus einem Science-Fiction-Film. Und ein bisschen was hat es auch davon.

Ferngesteuert kann die Sonde kabelgeführt bis zu 600 Meter tief ins Innere der Kanalisation eindringen, von dort mit seinen Dreh- und Schwenkkopfkameras Bilder schicken, mittels Sensoren Leitungsverläufe automatisch vermessen und Verschmutzungen mit einem Satellitenspülsystem sogar entfernen.

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„Hier trifft Hightech gleich zwei Mal aufeinander“

Gesteuert wird es von Roland Hoek und seinen Kollegen aus dem Inneren eines mit Computer-Technologie, Monitoren sowie Spezialwerkzeugen und Mini-Kran vollgestopften VW Crafter. Er ist Herz und Energiespender des tief unten agierenden Inspektionsfahrzeugs – und das erste vollelektronische Serienfahrzeug in diesem Segment.

„Hier trifft Hightech gleich zwei Mal aufeinander“, sagt AGL-Geschäftsführer Lars Strehse. Denn das Lüneburger Kanalnetz zählte bei seiner Inbetriebnahme im Jahr 1854 zu den modernsten seiner Zeit, es war damit auf Augenhöhe nur noch mit London, Hamburg und Dresden. Das lag vor allem an dem neu entwickelten Ei-Profil der Kanäle, das den zügigen Abfluss des Schmutzwassers auch bei geringem Wasserstand ermöglicht.

Gleich drei Aufgaben sollen von dem Vermessungssystem künftig übernommen werden: die Erfassung des Ist-Zustands der Kanäle, die Erhebung von Daten für geplante Sanierungen und die Aktualisierung des bestehenden Kanalkatasters. Letzteres sogar vollautomatisch. „Wir können damit aber auch die Hausanschlüsse überprüfen“, sagt Falko Hahn von der AGL. Bei rund 40.000 Hausanschlüssen, die in das Kanalnetz münden, eine Mammutaufgabe.

Das erste dieser Art

Ein weiterer Vorteil: Schadstellen im Kanalsystem lassen sich auf den Meter genau lokalisieren durch ein Ortungsgerät, das den genauen Standort der Sonde per Funk nach oben sendet. „Das spart Zeit und unnötigen Arbeitsaufwand“, sagt Hahn.

340.000 Euro musste die AGL für das System auf den Tisch legen, 30.000 steuerte das Bundesverkehrsministerium bei, weil es ausschließlich auf E-Antrieb basiert. Strehse ist überzeugt, dass es bundesweit das erste dieser Art ist – und für die Stadt eine sinnvolle Investition sei: „Wir sehen da Kostenvorteile gegenüber der bisherigen Situation.“ Zuletzt wurden Spezialfirmen mit diesen Arbeiten beauftragt.

400 bis 500 Meter oder zehn bis 20 Hausanschlüsse können mit der Anlage pro Tag kontrolliert werden. Die Arbeit wird seinen Mitarbeitern daher nicht so schnell ausgehen: „Wenn wir unser Netz einmal durchgecheckt haben, können wir wieder von vorn anfangen.“

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