Kirchengemeinden bilden "Zukunftsgemeinschaften"

St. Michaelis-Pastorin Annegret Bettex (r.), Pastorin Dorothea Noordveld-Lorenz von der St. Johannis Gemeinde und Pastor Eckhard Oldenburg aus der St. Nicolai-Kirche freuen sich auf die Zukunftsgemeinschaft ihrer Kirchen. (Foto: t&w)

St. Michaelis-Pastorin Annegret Bettex (r.), Pastorin Dorothea Noordveld-Lorenz von der St. Johannis Gemeinde und Pastor Eckhard Oldenburg aus der St. Nicolai-Kirche freuen sich auf die Zukunftsgemeinschaft ihrer Kirchen. (Foto: t&w)

Lüneburg. Die drei Innenstadtgemeinden St. Michaelis, St. Nicolai und St. Johannis sind am 1. Juli eine Ehe eingegangen. "Das ist keine reine Vernunftehe", versichert einer der Pastoren der St. Michaelis-Kirche, Gunnar Jahn-Bettex – und erst recht keine Zwangsehe: Die drei Gemeinden sind auf Anregung des Kirchenkreises eine "Zukunftsgemeinschaft" eingegangen. Die Idee dahinter sei, dass man die Zukunft und damit zusammenhängende Herausforderungen und Veränderungen gemeinsam besser meistern könne, erklärt die Superintendentin Christine Schmidt. Auch die anderen 25 Gemeinden im Kreis sind oder werden eine solche Verbindung eingehen.

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Konkurrenz neu denken

"Früher waren die Innenstadtgemeinden Konkurrenten", erinnert sich St. Nicolai-Pastor Eckhard Oldenburg: "Wir wollen dieses Konkurrenzdenken jetzt anders füllen und zwar im wahren Sinne des Wortes: 'con' bedeutet 'mit' und 'currere' bedeutet 'laufen'." Die drei Kirchengemeinden wollen deshalb nun miteinander in die Zukunft laufen.

Wenn Gemeindemitglieder das erste Mal von dieser Neuerung hören, haben viele "Angst, dass etwas verloren geht", erzählt einer der Pastoren der St. Johanniskirche, Diederik Nordveeld. Die Sorge kann auch Oldenburg durchaus nachvollziehen: "Es braucht immer eine Beheimatung, die Menschen brauchen ihre Kirche, ihre Gemeinde, ihre Menschen. Das soll auch nicht verloren gehen." Noordveld fügt hinzu: "Das ist in einer Beziehung doch auch nicht so: Aus zwei Menschen wird ja nicht plötzlich einer." So sei das Ziel der Gemeinschaft in Zukunft nicht weniger, sondern vielmehr weitere Angebote entwickeln zu können.

Mehr gemeinsame Projekte

Diese sollen untereinander abgestimmt werden, nicht in allen Kirchen soll das gleiche Programm laufen, erklärt St. Michaelis-Pastorin Annegret Bettex. Es soll mehr gemeinsame Projekte geben, wie etwa einen gemeinsamen Sommergottesdienst oder einen Kanzeltausch. So sei am Abend vor dem Reformationstag eine Aktion geplant, bei der durch die drei Kirchen gewandelt werden soll, erzählt St. Johannis-Pastorin Dorothea Noordveld-Lorenz. Die Gemeinschaft könne auch helfen, neue Zielgruppen zu erschließen, erklärt Schmidt. "Auf dem Land kann es nicht in jeder Gemeinde Jugendgottesdienste geben. Wenn man aber enger zusammenarbeitet, können mehr Angebote für junge Menschen geschaffen werden." Denkbar sei dann auch, geistliche Angebote unter der Woche zu etablieren, "für diejenigen, die am Wochenende gar nicht zuhause sind oder den Sonntagmorgen lieber zuhause verbringen wollen". Innovative Arten kirchlicher Arbeit können vom Kirchenkreis finanziell unterstützt werden.

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Neues ausprobieren

Die zukünftige Zusammenarbeit habe darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil, erklärt die Superintendentin. "Am Horizont steht natürlich, dass weniger Geld und weniger Personal zur Verfügung stehen wird." Gemeinsam könnten auftretende Lücken besser gefüllt werden, die Verlässlichkeit für die Gemeinden sei in einer Gruppe besser darstellbar.

"Wenn die Menschen verstehen, dass wir in Zukunft zusammen gehen und aber uns nicht zusammenschließen, kann man ein Funkeln in ihren Augen sehen", freut sich Pastor Noordveld. Für ihn bedeutet die neue Gemeinschaft vor allem eines: Mut, Neues auszuprobieren. "Wir können jetzt in Ruhe schauen, was wir alles machen wollen, wir können etwas anderes ausprobieren und gemeinsam die Zukunft gestalten." Und auch Jahn-Bettex betont: "Wir haben einfach Lust zu agieren, nicht nur zu reagieren."



Von Lilly von Consbruch

Zukunftsgemeinschaften im Kirchenkreis


  • : St. Nicolai, St. Michaelis, St. Johannis

  • Paulus, Martin-Luther, Adendorf, Lüne, Paul-Gerhardt, St. Stephanus

  • : Kreuzkirche, Deutsch Evern, Embsen, Betzendorf, Amelinghausen

  • : St. Dionys, Bardowick, Reppenstedt, Kirchgellersen

  • : Artlenburg, Hittbergen-Echem, Scharnebeck, Neetze, Thomasburg, Reinstorf

  • Bleckede, Dahlenburg, Nahrendorf, Neuhaus, Stapel, Tripkau

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