Lokale Wirtschaft hat Angst vor der Rezession

Bei heimischen Unternehmen sieht es derzeit nicht gut aus: Die Entwicklung nach einzelnen Branchen. (Grafik: IHK)

Bei heimischen Unternehmen sieht es derzeit nicht gut aus: Die Entwicklung nach einzelnen Branchen. (Grafik: IHK)

Lüneburg. Die regionale Wirtschaft sei alarmiert: Explodierende Energiepreise, mögliche Versorgungsengpässe bei Erdgas und Strom und die noch nicht näher bestimmten Entlastungen der Unternehmen weckten Unsicherheit und Existenzängste bei Unternehmern. Das belege aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg der Konjunkturbericht für den Wirtschaftsraum Nordostniedersachsen.

Im dritten Quartal des laufenden Jahres ist der sogenannte Konjunkturklimaindikator, der sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, um elf Punkte auf einen aktuellen Wert von 64 gesunken. Niedriger hatte er in den vergangenen zehn Jahren lediglich zu Beginn der Corona-Krise gelegen.

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Energiepreise für 84 Prozent größtes Geschäftsrisiko

Die Preissteigerungen bei Energie, Rohstoffen und Vorprodukten beeinträchtigen das Geschäft in allen Branchen. Für 84 Prozent der Unternehmen sind die Energie- und Rohstoffpreise das größte Geschäftsrisiko. Daher sehen sich aktuell zehn Prozent der Unternehmen zu einer Reduzierung ihrer Produktion gezwungen, während gut die Hälfte noch mit Energieeinsparmaßnahmen reagieren kann.

58 Prozent der befragten Unternehmen versuchen, die gestiegenen Energiekosten an die Kunden weiterzureichen, was sich allerdings negativ auf den Absatz auswirkt. Sollte die „Notfallstufe“ im Rahmen des Notfallplan Gas festgestellt werden und die Gaslieferung an die Industrie gedrosselt werden, drohen Produktionsstilllegungen.

Entlastung der Unternehmen von Energiepreisen gefordert

„Die Unternehmen müssen dringend von den enormen Energiepreisen entlastet werden, um eine drohende Rezession abzuwenden“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert.

„Die Vorschläge der Kommission Erdgas und Wärme müssen zügig umgesetzt werden, insbesondere müssen die Energiekostenzuschüsse aus dem dritten Entlastungspaket auf Branchen zusätzlich zur Industrie ausgeweitet werden. Weitere preisdämpfende Effekte müssen bei den Stromkosten erzielt werden. Hierfür sind alle kurzfristig zu reaktivierenden Kraftwerkskapazitäten ans Netz zu bringen, um im Winter eine sichere Stromversorgung gewährleisten zu können“, fordert Zeinert.

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Nutzung von Kern-, Stein- und Kohlekraftwerken gefordert

In dieselbe Kerbe schlägt IHK-Präsident Andreas Kirschenmann: „Die Energieversorgung muss mit allen verfügbaren Energiequellen sichergestellt werden – einschließlich der Nutzung von Kernkraftwerken und Stein- sowie Braunkohlekraftwerken“, sagt er. Gleichzeitig müssten Anstrengungen zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung beschleunigt werden. Jede Kilowattstunde zähle.

In allen Wirtschaftsbereichen hat sich die Stimmung eingetrübt, am härtesten trifft es den Einzelhandel. Der Konjunkturklimaindikator der Branche gibt um 33 Punkte nach und erreicht aktuell einen außerordentlich niedrigen Stand von 20 Punkten.

Herbe Verluste um 17 auf 67 Punkte muss auch der Großhandel einstecken. Ebenso die Dienstleistungswirtschaft, die im Branchenvergleich zwar noch am besten da steht, deren Konjunkturklimaindikator jedoch um 19 Punkte auf einen Wert von 75 Punkten fällt. Die Stimmung in der Industrie bleibt im Herbst stabil, der Indikatorstand liegt mit 68 Punkten lediglich um zwei Punkte niedriger als im Sommer.

Mehrheit noch zufrieden mit Geschäftslage

Die aktuelle Geschäftslage bezeichnet die Mehrheit der regionalen Wirtschaft immerhin noch als befriedigend. So beurteilen 27 Prozent der Unternehmen die eigene Situation derzeit als gut und 46 Prozent beschreiben sie als zufriedenstellend. Jedes vierte Unternehmen bezeichnet dagegen die Geschäftslage als „schlecht“. Die Geschäftserwartungen der heimischen Wirtschaft waren bereits seit Beginn des Kriegs in der Ukraine stark eingebrochen.

Zum Herbst hin haben sie sich nun nochmals verschlechtert. Lediglich fünf Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften – dagegen befürchten fast zwei Drittel in den kommenden zwölf Monaten erhebliche geschäftliche Einbußen. „Angesichts der energiewirtschaftlichen Krise gilt es, zusätzliche bürokratische Anforderungen abzuwenden. Die Wirtschaft braucht jetzt deutliche Entlastungen – zum Beispiel bei Berichtspflichten und durch schnellere Genehmigungsverfahren zum unbürokratischen Ausbau Erneuerbarer Energien“, sagt Zeinert.

Für die Konjunkturumfrage Nordostniedersachsen haben im September und Oktober 181 Betriebe aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle ihre aktuelle und künftige Wirtschaftslage eingeschätzt. lz

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