Landgericht

Prozess um Sexualstraftäter: Mann soll Stieftochter missbraucht haben

Angeklagter im Kapuzenpulli mit seinem Anwalt im Gerichtssaal.

Jan W. kommt in Handschellen ins Gericht. Er befindet sich bereits wegen eines anderen Sexualverbrechens in Haft.

Lüneburg. Am Landgericht Lüneburg hat am Donnerstag der Prozess um den 41-jährigen Jan W. begonnen. Er ist angeklagt, seine Stieftochter zwischen 2010 und 2017 mehrfach vergewaltigt zu haben. Die Taten sollen sich in Lüneburg ereignet haben. Jan W. sitzt bereits in Haft, weil er seine leibliche Tochter missbraucht hat - verurteilt wurde er dafür 2020 zu fünf Jahren Freiheitsentzug. Die Stieftochter soll bei dem ersten seiner Übergriffe 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem vor, sie mehrfach und auch mit Gewalt und Bedrohung zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

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Er sagte ihr, wem sie etwas davon erzähle, dem tue er etwas an

So habe er ihr zum Beispiel nach einem Missbrauch gesagt, sie solle die Klappe halten, sonst werde er allen etwas antun, denen sie davon erzählt. Am ersten Verhandlungstag sagte die Stieftochter aus - sie war per Videochat zugeschaltet und musste so nicht in einem Raum mit ihrem Stiefvater sitzen. Sie erzählte davon, wie er sie unter einem Vorwand in den Keller lockte, sie dort zu Boden drückte und dann erst einen Finger und danach seinen Penis in sie einführte. An mehreren anderen Orten, etwa im Kleingarten in einer Laube oder auch in ihrem eigenen Zimmer, soll er sie mehrfach missbraucht sowie teils gewürgt und gewalttätig angefasst haben. In der Laube schloss er die Tür zu, sodass sie während der Nacht auch nicht weglaufen konnte. Erst nachdem ihr Stiefvater wegen dem schweren sexuellen Missbrauch an ihrer Halbschwester verurteilt wurde, habe sie selbst den Mut gefasst, das Erlebte anzuzeigen.

Mutter sieht Angeklagten mit heruntergelassener Hose

In eine Missbrauchssituation soll ihre Mutter, damals die Ehefrau des Angeklagten, geraten sein. Auch sie sagte am ersten Verhandlungstag aus. „Ich kam nach Hause und wunderte mich, warum schon alles dunkel war, dann ging ich in das Zimmer meiner Tochter und machte das Licht an. Da sprang er auf und zog sich seine Hose hoch.“ Die Mutter sagte, der Angeklagte habe sich wohl immer Zeiten ausgesucht, in denen sie nicht da war. Als ihre Tochter ihr jedoch nach diesem Vorfall erzählte, „dass da etwas gewesen war“, hegte die Mutter zunächst Zweifel. Da ihr Mann ihr versicherte, da sei nichts gewesen, ging sie nicht mit ihrer Tochter zur Polizei. „Heute schaue ich da anders drauf. Im Nachhinein fügt sich das Puzzle zusammen.“

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Gewalt begleitet Angeklagten seit der Kindheit

So habe ihre Tochter zum Beispiel erzählt, dass sie sich kleinere Verletzungen, etwa einen geschwollenen Finger, beim Sport zugezogen oder sich irgendwo gestoßen habe. Letztendlich waren es Abwehrverletzungen. Auch habe sie nicht mehr alleine sein wollen. Ihre Kinder hätten mitbekommen, wenn es Auseinandersetzungen in der Familie gab. Gewalt war ein ständiger Begleiter von Jan W. Als Kind litt er selbst unter einem gewalttätigen Stiefvater, soll selbst von einem Nachhilfelehrer missbraucht worden sein. Später schlug er seine damalige Ehefrau, ist mehrfach wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahls vorbestraft.

Kammer reduziert Anklagepunkte

Seine Stieftochter leidet bis heute schwer unter den Taten. „Ich traue mich nicht wirklich raus, vielleicht mal kurz zum Einkaufen, aber nie in die Stadt, weil ich immer denke, ich werde verfolgt.“ Die Kammer hat am Ende des Prozesstages entschieden, die zunächst fünf konkreten Anklagepunkte, sprich Taten, auf zwei zu reduzieren, weil die Stieftochter zu den anderen zu wenig Erinnerungen hat. Sie braucht so nicht noch ein weiteres Mal auszusagen. Ob sich die Reduzierung der Taten auch mildernd auf das Strafmaß auswirkt, ist noch nicht klar - es ist aber nicht ausgeschlossen. Die Stieftochter spricht derweil von „20 oder 30″ Übergriffen.

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