Wechsel hat einen Haken

Die Verbraucherzentrale warnt vor einem dubiosen Angebot. (Symbolfoto: Fotolia)

Die Verbraucherzentrale warnt vor einem dubiosen Angebot. (Symbolfoto: Fotolia)

Lüneburg. Der Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse gestaltet sich oft schwierig – besonders für Versicherte über 55 Jahre. Das macht sich ein Online-Anbieter mit einem fragwürdigen Geschäftsmodell zunutze: Anhand einer fiktiven Beschäftigung im Ausland soll ein Rentner dauerhaft in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Rund 11.000 Euro verlangt der Anbieter dafür. Der Fall beschäftigte jetzt die Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Ein Mann möchte von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, weil ihm die Beiträge als Rentner zu teuer werden. Bei seiner Recherche stößt er auf die Website www.raus-aus-der-pkv.de. Das Angebot: Über eine fiktive sozialversicherungspflichtige Anstellung im europäischen Ausland soll er ein Sonderkündigungsrecht für seine private Krankenkasse erlangen. Für die dreimonatige Beschäftigung muss er vorab 6000 Euro an den Anbieter zahlen. Dieser will ihm dann dreimal 770 Euro Monatslohn als Anstellungsnachweis auf sein Konto überweisen. Sobald seine Aufnahme in die gesetzliche Krankenversicherung bestätigt wird, kann der Rentner die private Krankenversicherung rückwirkend zum Beginn der Anstellung kündigen. Gelingt der Wechsel, fallen Honorarkosten von rund 7000 Euro an. Insgesamt soll der Verbraucher somit knapp 11.000 Euro für den Wechsel zahlen.

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"Alle Altersrückstellungen fallen dann weg"

Die Verbraucherzentrale warnt vor solchen Angeboten. „Sobald ans Licht kommt, dass das Arbeitsverhältnis nicht echt ist, droht die Rückabwicklung des Eintritts in die gesetzliche Krankenversicherung“, verdeutlicht Berater Maximilian Gehr. Im schlimmsten Fall kann der Betroffene nicht mehr in den alten Vertrag zurückkehren. „Alle Altersrückstellungen fallen dann weg, und aufgrund neuer Gesundheitsfragen bekommt er nur noch einen sehr teuren und leistungsschwachen Tarif in der privaten Krankenversicherung.“

Gehr verdeutlicht: „Ältere Versicherte könnten durch eine Beschäftigung im europäischen Ausland oder durch einen Umzug in bestimmte Länder in die gesetzliche Versicherung wechseln.“ Sei der Eintritt ins gesetzliche Versicherungssystem des jeweiligen Landes gelungen, müsse die gesetzliche Krankenkasse bei der Rückkehr nach Deutschland die Versicherten ebenfalls aufnehmen. Alternativ: Über die Familienversicherung der Ehepartnerin oder des Ehepartners in die gesetzliche Krankenkasse eintreten. „Hierbei darf das monatliche Gesamteinkommen der privat versicherten Person 470 Euro jedoch nicht übersteigen.“ Oft lohne sich auch ein Tarifwechsel beim eigenen Versicherungsunternehmen, um Kosten zu sparen.

Die Verbraucherzentrale in Lüneburg, Schröderstraße 16, ist zu erreichen unter (04131) 44957.

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