Weiterhin freie Fahrt für den TaBuLa-Shuttle

Lüneburg. Wo auch immer in Lauenburg der kleine Bus des Weges kommt, bleiben die Menschen stehen, Kameras werden gezückt, ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. „Fährt der wirklich von ganz alleine“, fragen sowohl Kinder als auch Erwachsene. Ja, wenn man so will: Ein klassisches Steuer hat der automatisch verkehrende TaBuLa-Shuttle nicht, auch den Busfahrer sucht man in dem kompakten blau-weißen Gefährt, das im Normalfall zehn Fahrgäste von A nach B bringen kann, vergeblich. Wegen Corona dürfen momentan nur maximal drei Personen gleichzeitig an Bord, die einen Mund-Nase-Schutz tragen müssen.

TaBuLa, das steht für Testzentrum für automatisiert fahrende Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg. Seit vergangenem Jahr fährt der Bus bereits auf einer virtuellen Schiene durch die Altstadt, die für ihn Herausforderungen birgt: Kopfsteinpflaster, Steigungen und enge Straßen bieten dem Shuttle ein attraktives Lernumfeld. Manche Bremsung ist etwas holprig, doch wenn dem Shuttle ein Mensch vor die Flinte kommt, bleibt er sofort stehen, Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern passt er sich an und fährt entspannt hinterher.

Ohnehin birgt das Tempo keinen Grund zur Aufregung, Spitze fährt der Shuttle 18,5 Kilometer. Weil es aber eben manchmal ruckeln kann, sind Anschnallen und Festhalten dennoch Pflicht. „Zu Bremsmanövern kann es immer kommen, die sind auf den Eisen schon zu spüren“, erklärt Busfahrer Alparslan Barcin, der sicherheitshalber mit an Bord ist. Bevor Fahrgäste zusteigen, dreht er jeden Morgen erstmal eine Proberunde. „Wenn man den Shuttle nicht ärgert, fährt er astrein“, sagt Barcin lachend, die Fernbedienung in der Hand. 2018 wurde er von seinem Gruppenleiter gefragt, ob er Lust hat, die Ausbildung zu machen und musste nicht zweimal überlegen. „Die Fahrten sind mal was anders und machen einfach Spaß.“

„Erstmal ein mulmiges Gefühl, aber toll“

Besonders Touristen genießen die kostenfreie Fahrt durch Altstadt und Oberstadt. So wie Brigitta und Rainer Wackernagel aus Jena, die eigentlich gerade eine Kreuzfahrt nach Norwegen machen wollten. Die fiel nun wegen Corona ins Wasser, stattdessen stimmen die beiden sich nun an der Elbe auf die Kreuzfahrt ein, die hoffentlich im kommenden Jahr stattfinden kann. In Lauenburg gefällt es ihnen so gut, dass sie ihren Aufenthalt sogar auf eine Woche verlängert haben. Ein Höhepunkt ist für sie auf jeden Fall die Fahrt im TaBuLa-Shuttle. Brigitta Wackernagel: „Erstmal ein mulmiges Gefühl, aber toll. Schade, dass unser Enkel nicht dabei ist, der hätte Augen gemacht.“

Der Shuttle erfreut sich so großer Beliebtheit, dass die Fahrzeiten nun ausgeweitet worden sind: Fahrgäste können jetzt Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr und am Sonnabend von 10 bis 16 Uhr in den fahrerlosen Kleinbus einsteigen. Zuvor hatte es eine Mittagspause zwischen 11 und 14 Uhr gegeben. Das Testzentrum wird mit insgesamt 3,7 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Gerade wurde der Betrieb des Shuttles bis November 2021 verlängert.

Wer wissen möchte, wo das TaBuLa-Shuttle gerade unterwegs ist, kann im Netz nachschauen. Dort kann der Standort des Kleinbusses in Echtzeit verfolgt werden.

Von Lea Schulze