Freitag , 2. Dezember 2022
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Den Auftakt der Bebauung im Hanseviertel-Ost machen Gebäude mit gefördertem Wohnungsbau, die die Lüneburger Wohnungsbau GmbH erstellt. Gleich daneben baut auch die Wohnungsgenossenschaft Lüneburg in diesem Segment. (Foto: be)

Im Hanseviertel-Ost haben Investoren aus der Region Vorfahrt

Wie weit ist eigentlich die Entwicklung des Hanseviertels-Ost vorangeschritten, wie läuft der Verkauf der Flächen? Das fragt sich manch Bürger, der die Bleckeder Landstraße in Richtung Ostumgehung fährt. Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Hermann Struck, Geschäftsführer der Sparkassen Hanse Immobilien GmbH (SHI), erläutern den aktuellen Stand.

Lüneburg. Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Teilbebauungspläne fürs Hanseviertel-Ost vom Rat abgesegnet wurden. Anschließend gab die Politik grünes Licht für einen städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt und dem Erschließungsträger, der Sparkassen Hanse Immobilien GmbH (SHI). Darin ist auch geregelt, dass Stadt und SHI eine Vergabegruppe für die zu verkaufenden Baugrundstücke bilden. Inzwischen läuft die Vermarktung der Flächen und Bestandsgebäude für Wohnungsbau sowie die der Gewerbefläche auf Hochtouren, Investoren aus der Region sollen dabei die Nase vorne haben.

Erwerb der Flächen vom Bund hatte sich verzögert

Die Entwicklung des Hanseviertels-Ost gehört zum Wohnungsbauprogramm 2021, mit dem die Stadt eigentlich bis Ende des kommenden Jahres insgesamt 2100 neue Wohnungen schaffen wollte – ein Drittel davon im geförderten Wohnungsbau. Auch fürs Hanseviertel-Ost hatte Oberbürgermeister Ulrich Mädge beim Satzungsbeschluss für drei Teilbebauungspläne erklärt, dass voraussichtlich bis Ende 2021 ein Großteil der Gebäude stehen würden. Anfang dieses Jahres machte er jedoch im Interview mit der LZ deutlich, dass sich das Ganze um circa zwei Jahre verzögern würde. Die Gründe: Die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über die Flächen hatten sich verzögert, und es hatte politische Blockaden gegeben.

Nachdem ein Teil der ehemaligen Kasernengebäude abgebrochen worden ist, sieht das Areal zwischen Lübecker Straße, Bleckeder Landstraße und Ostumgehung noch größtenteils wie eine hügelige Sandlandschaft aus, durch die Bagger und Lkw kurven. Doch es geht voran, wie Hermann Struck, Geschäftsführer der SHI, und Mädge erläutern.

Zuerst wird geförderter Wohnungsbau umgesetzt

Auf dem zirka 50 Hektar großen Gelände zwischen Lübecker und Wismarer Straße, das für Wohnungsbau vorgesehen ist, baut die Lüneburger Wohnungsbau GmbH bereits drei Gebäude. 90 Wohneinheiten (WE) im geförderten Wohnungsbau sollen entstehen. Solche will auch die Lüneburger Wohnungsgenossenschaft erstellen: zwei Gebäude mit 40 WE, die Hälfte davon im geförderten Segment, berichtet Struck. "Für uns war wichtig, erst einmal den geförderten Wohnungsbau umzusetzen."

Dazu gehören auch Wohnungen mit Mietpreisbindung, die in den Bestandsgebäuden hin zur Gewerbefläche entstehen sollen. Zwei dieser Gebäude sind bereits an zwei Lüneburger Investoren verkauft. Ein weiteres Bestandsgebäude an der Bleckeder Landstraße ist ebenfalls für Wohnungen mit Mietpreisbindung vorgesehen. Unterm Strich sollen es insgesamt 80 WE werden.

Vier Kaufverträge mit Baugruppen sollen noch in diesem Jahr stehen

Im städtebaulichen Vertrag festgeschrieben sind auch sechs Grundstücke für Baugruppen. Für vier sollen die Kaufverträge noch in diesem Jahr notariell beglaubigt werden. "Danach müssen die Baugruppen die Bauanträge stellen, die genehmigt werden müssen. Ein Baubeginn ist voraussichtlich im Herbst 2021 möglich", sagt Mädge.

Im vergangenen September erfolgte dann der Startschuss für die Vermarktung weiterer Wohnbauflächen. Es wurden Anzeigen geschaltet, es ging in die Ausschreibung. Laut Bebauungsplan sollen dreigeschossige Mehrparteienhäuser mit Staffelgeschoss sowie zweigeschossige Reihenhäuser mit Staffelgeschoss entstehen. Struck sagt, für die Vergabe habe man Kriterien entwickelt. Diese betreffen die architektonische und konzeptionelle Gestaltung. Wert gelegt wird aber auch darauf, dass Investoren möglichst aus der Region kommen, die die Gebäude langfristig im Bestand halten und nicht schnell mit Aufschlägen weiterverkaufen, macht Mädge deutlich. Er räumt auch mit Gerüchten auf, dass nur an einen Großinvestor verkauft werden soll.

Teil der Flächen für Gewerbe bereits verkauft oder reserviert

50 Hektar Bauland für Gewerbeansiedlung entlang der Ostumgehung sind im Angebot. Durch die Corona-Pandemie sei die Vermarktung hier etwas ins Stocken geraten, berichtet Struck. Denn manche Unternehmen würden jetzt erst einmal bei der Konzeption von Gebäuden abwarten, von Großraumbüros nimmt inzwischen manche Firma Abstand. Ein Viertel der gesamten Fläche allein hat aber schon das Lüneburger Unternehmen Werum Solution erworben (LZ berichtete). Weitere mittelständische Unternehmen aus der Region haben bereits gekauft oder reserviert. Struck geht allerdings davon aus, dass die Gewerbeflächen nicht so schnell wie die Wohngebietflächen entwickelt werden, da Unternehmen zum Teil an noch laufende Mietverträge gebunden seien.

Von Antje Schäfer