Montag , 5. Dezember 2022
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(Grafik: ele)

Frohes Planen

In der Region Lüneburg werden etliche Luftschlösser von den eisigen Böen der Realität durchgeschüttelt. So war zum Beispiel der Spatenstich für die Autobahn 39 im ersten Abschnitt bei Lüneburg für Ende 2013 erwartet worden.

Lüneburg. Wir Deutschen werden immer mehr zu Planungsweltmeistern. Inzwischen werden etliche Luftschlösser von den eisigen Böen der Realität durchgeschüttelt, während die Planer graue Haare bekommen, und die Türme an Planungsunterlagen um sie herum in den Himmel wachsen – auch in der Region Lüneburg.

So war der Spatenstich für die Autobahn 39 im ersten Abschnitt bei Lüneburg für Ende 2013 erwartet worden. Schlagzeilen gemacht hat die A 39 auch in dieser Woche wieder – aber nur, weil die erwarteten Kosten erneut um mehr als 130 Millionen Euro gestiegen sind. Und das, bevor irgendein Großkopferter irgendeinen Spaten in den Boden gerammt hat.

Ähnlich verhält es sich mit der Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau. 2001 hat der Kreistag den Bau beschlossen. Seitdem dreht die Verwaltung Planungsschleife um Planungsschleife, scheitert vor Gerichten, nimmt neue Anläufe, legt eine Vollbremsung hin, um drei Jahre später wieder durchzustarten und Untersuchungen in Auftrag zu geben, die Jahre zuvor schon einmal gemacht worden sind. Unterdessen laufen sich die Gegner bei ersten Scharmützeln vor dem Verwaltungsgericht schon mal für die Hauptverhandlung warm. Wer wann mit was rechnen kann, ist unklar.

Angespitzt

Noch beeindruckender ist, was Bund, Land und Bahn zwischen Hamburg und Hannover vorhaben. Für die bislang wirtschaftlichsten Lösungen (die noch nicht einmal wirtschaftlich sind) des Bestandsstreckenausbaus werden rund sechs Milliarden Euro veranschlagt. Bestandteil könnte eine weiträumige Umfahrung – sprich Neubaustrecke – von nördlich Lüneburg bis südlich von Uelzen sein. Anders formuliert: Ist eine neue Trasse mit einer Länge von mehr als 40 Kilometern eigentlich noch Bauen im Bestand? Alles eine Frage der Definition.

Nicht zu vergessen der fast 40 Meter hohe und mehrere Hundert Meter lange Betonklotz, der in keine Ahnung wie viel Jahrzehnten am Elbe-Seitenkanal bei Scharnebeck stehen soll. Die ersten Planer haben es sich in ihren Büros schon gemütlich gemacht, damit für 300 Millionen Euro in einem noch näher zu bestimmenden Zeitraum eine hochmoderne Schleuse gebaut werden kann, die zwar wassersparend, aber ansonsten alles andere als sparsam ist.

Und wer bislang noch keinen Job in der Planung gefunden hat, kommt bestimmt an der Elbe bei Lauenburg unter. Dort soll neben der bestehenden eine zweite Elbbrücke für den Autoverkehr gebaut werden. Na denn: Frohes Planen.

Und jetzt schüttel noch mal einer den Kopf über die Pleiten-Pech-und-Pannen-Arena des Landkreises: Bei der wissen wir zumindest, dass sie irgendwann im kommenden Sommer fertig sein soll – wenn nichts dazwischen kommt.

Von Malte Lühr