Freitag , 2. Dezember 2022
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Lauenburg: Autonomer Elektrobus “TaBuLa” bekommt Verstärkung +++ [mit Video]

Die Elbstadt Lauenburg wird länger ein Reallabor für autonome Mobilität bleiben als ursprünglich angenommen. Jetzt soll eine neue Idee für den Bereich Logistik getestet werden.

Lauenburg/Hamburg. Eigentlich sollte der Testbetrieb des autonomen Elektrobusses „TaBuLa“ in der Elbstadt Lauenburg Ende 2020 beendet werden. Doch jetzt erhält der knuffige E-Bus, den Fahrgäste zwischen Altstadt und Oberstadt kostenlos nutzen dürfen, nicht nur eine Verlängerung bis November 2021, sondern bekommt auch noch Verstärkung in Form eines kleinen Transportroboters namens „Laura“. Der soll ab Januar 2021 Behördenpost innerhalb Lauenburgs zwischen verschiedenen Dienststellen hin- und herkutschieren. Das Forschungsprojekt soll damit nicht nur eine Zukunftsperspektive für den Personennahverkehr im ländlichen Raum entwickeln, sondern in Kombination auch für den Bereich der Logistik – mit Hilfe künstlicher Intelligenz.

Schon 2500 Fahrgäste

Über die neue Projektphase informierten am Donnerstag Vertreter des Landkreises Herzogtum Lauenburg und der Technischen Universität Hamburg (TUHH) in einer Videopressekonferenz. Beim „TaBuLa“, kurz für „Testzentrum autonome Busse im Kreis Herzogtum Lauenburg“, sind seit Oktober 2019 rund 2500 Fahrgäste mit dem kleinen Elektrobus durch Lauenburg gegondelt. Davon seien laut Projektkoordinator Matthias Grote allein seit Mai 1500 Fahrgäste unterwegs gewesen, und das, obwohl nach einer Corona-Pause wegen der Abstandsregeln nur noch maximal drei Fahrgäste mit Mundschutz zeitgleich mitfahren dürfen.

An der Begleitung und Umsetzung des Projektes seien indes rund 120 Personen beteiligt, sagte Grote. Und: „Offenbar haben noch nicht alle Kollegen ihre Haare und Nerven verloren.“ Auch deshalb sei die jetzige Erweiterung möglich.

Roboter ist vollgestopft mit Sensoren

Angesichts der großen Resonanz der Nutzer wollen die Projektverantwortlichen auch mit dem neuen Forschungsprojekt den Personenverkehr nicht abreißen lassen. Nur dass die Fahrgäste auf der 2,5 Kilometer langen Ringlinie 3 künftig Gesellschaft von „Laura“ bekommen. Der 17 Kilogramm schwere Transportroboter von der Größe eines kleinen Bollerwagens fährt künftig auf einer Teilstrecke im „TaBuLa“ mit. In einer per Handy-App elektronisch verriegelbaren Transportbox sollen ab Januar regelmäßig bis zu 100 Postsendungen zwischen Lauenburger Rathaus, Amtsplatz oder Elbschifffahrtsmuseum verteilt werden, sagte Sandra Tjaden von der TUHH.

Doch bevor das kleine Vehikel auf das Reallabor Lauenburg losgelassen wird, soll der neue Robotor zunächst in den Räumen des „Instituts für technische Logistik“ der TUHH das Zusammenspiel mit dem TaBuLa erproben.

3D-Laserscanner, vier Ulraschallsensoren und sechs Stereokameras

Der kleine Transportroboter soll bei der Navigation dem Vorbild des E-Busses folgen und sich in einem vordefinierten Raum selbst seinen Weg suchen. Dazu sagte Marko Thiel von der TUHH: „Der Roboter wird in Lauenburg autonom fahren und dynamisch auf Hindernisse reagieren.“ Der bis zu sechs Stundenkilometer schnelle Rover ist laut Thiel für seine Orientierung ausgestattet mit einem 3D-Laserscanner, sechs Stereokameras für den Nahbereich sowie vier Ultraschallsensoren. Damit „Laura“, die offiziell nach der Straßenverkehrsordnung als Kfz gilt, trotz der ausgefeilten Technik nicht doch in ihr Verderben fährt, wird sie zunächst von einer Begleitperson beaufsichtigt, die einen Notaus-Schalter per Funk mit sich führt.

Besondere Anerkennung bei Weltkongress

Eine besondere Anerkennung hat das TaBuLa-Projekt mit der Logistik-Erweiterung unter dem neuen Titel „TaBuLa-LOG“ jetzt schon bekommen. Grote: „Wir sind ein Ankerprojekt des ITS World Congress in Hamburg.“ Der internationale Branchen-Kongress im Oktober 2021 nimmt intelligente Verkehrssysteme in den Fokus, um Perspektiven aufzuzeigen für die Mobilität der Zukunft in den Städten und im ländlichen Raum.

Weitere Infos über die Fahrgastbetriebszeiten des TaBuLa gibt es unter online unter www.tabulashuttle.de

Von Dennis Thomas