Samstag , 3. Dezember 2022
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Weihnachtsmann
Thilo Tamme hat in seiner Rolle als Weihnachtsmann auf Corona reagiert und bietet nun auch eine Bescherung per Zoom-Videokonferenz an. (Foto: t&w)

Wie der Weihnachtsmann auf Corona reagiert hat

Von wegen, ältere Menschen tun sich tendenziell schwer mit moderner Technik. Der Weihnachtsmann ist da ganz anders. Der alte Herr mit dem Rauschebart kommt zur Bescherung in diesem Jahr auch digital ins Haus: Per Zoom-Videokonferenz. Die Bescherung in der gänzlich gefahrlosen 2020er-Corona-Variante ist made in Lüneburg.

Lüneburg. Dass der altehrwürdige Geschenkebringer die moderne Technik so problemlos zu bedienen vermag, dürfte daran liegen, dass unter der Mütze und hinter dem weißen Rauschebart ein 26 Jahre junger Geist steckt. Thilo Tamme ist der Kopf des Weihnachtsmannwerkes, bei dem sich jeder im Großraum Hamburg seinen Weihnachtsmann mieten kann. In diesem Jahr erstmals digital, aber – sofern es die Politik zulässt – auch weiterhin ganz real für einen Besuch zu Hause – natürlich streng nach Hygieneauflagen. Der ehemalige Lüneburger schlüpft auch selbst in die Rolle des bei Kindern wohl beliebtesten Gasts des Jahres.

Rückgang bei Buchungen um 60 Prozent

Das Virus aber kennt keine Ehrfurcht vor dem Weihnachtsmann, ihm ergeht es wie vielen Unternehmen in diesem Pandemie-Jahr, das Geschäft rund ums Fest leidet auch bei ihm. "Wir hatten bis Ende November rund 60 Prozent weniger Aufträge als im vergangenen Jahr", verrät Tamme. Konkrete Zahlen will er lieber nicht nennen – Geschäftsgeheimnis. Die Expansion seines Geschäftes allerdings fiel Corona zum Opfer. "Eigentlich wollten wir unseren Service in diesem Jahr auch in Berlin anbieten", sagt Tamme. Daraus wurde dann nichts.

Vorerst bleibt das Einsatzgebiet also weiter Hamburg und Umgebung. Längst hat er reagiert und ein umfassendes Hygienepaket geschnürt, damit die Bescherung mit prominentem Gast nicht ausfallen muss. "Wer für uns an Heiligabend als Weihnachtsmann unterwegs ist, kann dann einen maximal 24 Stunden alten negativen Corona-Schnelltest vorweisen und hat die Corona-Warn-App auf seinem Handy installiert. Fünf Tage vor dem Fest werden zudem die privaten Kontakte unserer Mitarbeiter minimiert. Und man muss natürlich symptomfrei sein für den Einsatz an Heiligabend." Damit sieht er sich und sein Team bestmöglich vorbereitet für den großen Tag, ganz egal, welches Paket der Kunde bucht. So gut, dass, um die Arbeit nicht noch zusätzlich zu erschweren, auf eine Mund-Nase-Bedeckung verzichtet werden könne, zumal der dicke Bart ja auch noch einen gewissen Schutz biete. "Außerdem dauert der ganze Auftritt ja nur 15 Minuten und kann auf Wunsch auch im Freien stattfinden."

Fast ausnahmslos Studenten im Einsatz

Bei den Bescherungen im Einsatz sind fast ausnahmslos Studenten. Auch für sie hofft der junge Chef, dass die Politik mitspielt und die Auflagen nicht doch noch so streng verschärft, dass der Weihnachtsmann-Besuch gänzlich ausfallen muss. "Es sind schließlich in diesem Jahr eh schon nahezu alle studentischen Aushilfsjobs weggebrochen."

Dass die Buchungen zurückgegangen sind, erschwert Tamme auch die Detailplanung. Es seien insgesamt weniger Weihnachtsmänner im Einsatz, die Fahrten zwischen den einzelnen Auftritten seien länger, jeder einzelne Mitarbeiter haben dadurch weniger Auftritte. Wer wo und wie oft aus dem goldenen Buch vorlesen wird, das entscheide sich erst kurzfristig. Auch für ihn selbst. In den vergangenen Jahren aber sei er meist ab 8 Uhr an Heiligabend im roten Mantel unterwegs gewesen und habe erst kurz vor Mitternacht Feierabend gemacht.

Bloß weg, bevor die Geschenke ausgepackt werden

Ein Grundsatz gelte dabei weiterhin: Bloß weg, bevor die Geschenke ausgepackt werden. "Sonst bekommt der Weihnachtsmann noch den Ärger zu spüren, falls ein Präsent nicht das richtige ist", nennt der erfahrene Bescherer seine Devise. Was aber definitiv anders sein wird diesmal: "Sonst haben wir bei jeder Bescherung im Regelfall auch immer einen selbstgebackenen Keks probiert, das dürfen wir in diesem Jahr wegen Corona nicht."

Doch es gibt kleine Hoffnungsschimmer. Anfang Dezember hätten die Buchungen wieder etwas angezogen. Und die neue digitale Variante, bei der der Weihnachtsmann bei sich daheim bleiben darf und nur via Internet zugeschaltet wird, werde ganz gut nachgefragt – auch schon vor dem Fest. "Vor allem von Firmen wird das Paket gebucht, weil die ihre Weihnachtsfeiern in diesem Jahr ja auch nicht im gewohnten Maße feiern können." Wie Familien, die bei der Buchung persönliche Angaben zu den Kindern und auch den Ablageort für Geschenke eingeben, können auch Firmen individuell angeben, was der Mann im roten Mantel zu einzelnen Mitarbeitern sagen soll. Das klingt nur kompliziert. "Das ist alles automatisiert", sagt Tamme. Der Weihnachtsmann weiß die moderne Technik eben zu nutzen.

Von Alexander Hempelmann