Montag , 5. Dezember 2022
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Fahrrad-Demo
Die Fahrrad-Demo vom Klimakollektiv legte am Sonnabend teilweise den Verkehr lahm. Foto: t&w

Radfahrer erobern die Lüneburger Ostumgehung (mit Video)

Die Ostumgehung wurde wegen der Fahrrad-Demo zeitweise am Sonnabend für den Kfz-Verkehr gesperrt. Die Radler, unter ihnen Senioren, Eltern, Studenten und Kinder, freuten sich riesig, manch Autofahrer verlor jedoch die Nerven. 

Lüneburg. Mehr als 200 Fahrradfahrer folgten am Sonnabend dem Aufruf des Lüneburger Klimakollektivs und verdrängten mit ihrer Fahrrad-Demo zeitweise den Autoverkehr auf der Lüneburger Ostumgehung in Fahrtrichtung Süden. Der Autoverkehr von der A39 kommend wurde zur Mittagszeit bei Lüneburg-Nord abgeleitet. Dadurch kam es zeitweise zu Staubildung in Richtung Innenstadt. Die Radfahrer hatten indes die Schnellstraße zwischen den Anschlussstellen Adendorf und Billmer Berg für sich, um gegen den Klimawandel und für eine schnellere Verkehrswende zu demonstrieren unter dem Motto „Fahrradfahr‘n statt Autobahn“.

Das Teilnehmerfeld war von Familien mit Kindern über Studenten bis Senioren bunt gemischt. Startpunkt war am Lüneburger Bahnhof. Ursprünglich hatte Versammlungsleiterin Merle Hagemeier die Demo für 100 Teilnehmer angemeldet. Es wurden deutlich mehr, aber die Polizei ließ die Radler, die sich zumeist an die Mundschutzpflicht hielten, gewähren.

Familienvater Timo Meyer aus Lüneburg stand ebenfalls mit seinem Fahrrad parat, um die Aktion zu unterstützen, „weil dem Autoverkehr immer noch zu viel Platz eingeräumt wird und dem Fahrradverkehr zu wenig“.

Demo erinnert an den fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens

Laut Studentin Hanne Hold vom Klimakollektiv Lüneburg sollte die Demo an den fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens erinnern. Und ihre Mitstreiterin Maike Bischof machte deutlich, dass auch vor Ort mehr getan werden müsse, beispielsweise für die Förderung des Radverkehrs. Zudem wurden bei der Versammlung Stimmen laut, die sich gegen den Weiterbau der A39 von Lüneburg nach Wolfsburg aussprachen.

Offiziell schätzte die Polizei anfangs die Teilnehmerzahl auf 200. Allerdings schlossen sich unterwegs immer mehr Menschen an. Beispielsweise Sebastian Dietz aus Adendorf, der mit anderen an der Kreuzung Bockelmannstraße / Erbstorfer Landstraße auf die herannahende Radler-Traube wartete. Er wolle einen Beitrag leisten, um ein Zeichen für die dringende Verkehrswende zu setzen.

Die Veranstalter selbst schätzten die Teilnehmerzahl indes auf zirka 300. Hagemeier sagte: „Als Auftaktveranstaltung des Protests gegen den geplanten Ausbau der Autobahn A39 sind wir mit dem Ergebnis der Demonstration sehr zufrieden und freuen uns, dass sich so viele Lüneburgis beteiligt haben. Unser Protest wird weitergehen."

Mit lautem Jubel ging es auf die Schnellstraße

Mit lautem Jubel und Geklingel fuhren die Radfahrer schließlich an der Abfahrt Adendorf auf die von der Polizei abgesicherte Schnellstraße, vorbei an genervten Autofahrern, die beispielsweise in der Bockelmannstraße den immer länger werdenden Tross an sich vorbeiziehen lassen mussten. Auf der Ostumgehung herrschte unter den Radlern nahezu Festtagsstimmung, von Fahrradanhängern schallte Musik über die Fahrbahn. Auf der von Autos befahrenen Gegenseite der Ostumgehung hupten einige den Radlern wie zum Gruß zu.

Andere Verkehrsteilnehmer hingegen waren sichtlich gereizt. In der Stadt wieder angekommen bepöbelte an der Dahlenburger Landstraße ein wütender Autofahrer die Radlermenge: „Geht doch nach Hause, Ihr ….!“ Der fröhlichen Stimmung unter den Radlern tat das keinen Abbruch.

Dabei hätte die Demo beinahe gar nicht stattgefunden. Die Stadt Lüneburg hatte die Genehmigung dafür verwehrt. Jedoch erzielten die Veranstalter mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg einen Erfolg: im Eilverfahren bekamen die Radler am Freitagnachmittag grünes Licht für ihre Demo-Fahrt auf der Ostumgehung.

Rund zwei Dutzend Polizeibeamte waren im Einsatz 

Die Polizeiinspektion Lüneburg sicherte die Demo-Fahrt laut Polizeisprecherin Antje Freudenberg mit zwei Dutzend Beamten ab. Abgesehen von Ordnungswidrigkeiten, wie Handynutzung auf dem Fahrrad, sei es nicht zu größeren Zwischenfällen bei der Demo gekommen – bis zuletzt. An der Reichenbachkreuzung kam es zu einem Autounfall: Ein Pickup kollidierte im Zuge der Straßenabsperrung mit einem Lüneburger Streifenwagen, der die Bardowicker Straße für die Abschlusskundgebung mit absichern sollte. Den Unfall nahmen Beamte aus Winsen auf. Es sei aber nur Blechschaden entstanden, hieß es.

Von Dennis Thomas