Montag , 5. Dezember 2022
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Guido Viandens Schokoladenmanufaktur bleibt geöffnet. Er rechnet dennoch mit Umsatzeinbußen. (Foto: t&w)

Lockdown: Viele holen vorher noch schnell Geschenke

In der Innenstadt ist es nach dem Beschluss zum Lockdown am Montag voller als üblich, das bestätigen viele Ladeninhaber. Manche hätten lieber gar nicht erst für zwei Tage geöffnet, andere nehmen das Geschäft am Montag und Dienstag gerne noch mit – ein Stimmungsbild.

Lüneburg. „Bei uns standen die Kunden am Montag bereits vor Ladenöffnung Schlange“, sagt eine Mitarbeiterin von Violas´, einem Gewürz- und Delikatessenladen in der Grappengießerstraße. Dass das Geschäft auch im Lockdown geöffnet bleibt, hätten viele nicht gewusst und seien lieber auf Nummer sicher gegangen, was die letzten Weihnachtsgeschenke angehe.

Dem Fruchtgummi-Laden und der Bohlsener Mühle geht es ähnlich. Ob und wie Öffnungszeiten angepasst werden, sei noch nicht endgültig klar. „Wir müssen erst einmal gucken, wie viel nach Mittwoch jetzt noch draußen los sein wird“, heißt es aus der Bohlsener Mühle. Auch bei Tee Gschwendner ist der Kundenandrang hoch. „Einige haben dann doch Torschlusspanik und wollen noch schnell etwas für sich besorgen. Das sind gar nicht mal alles Geschenke, einige holen auch noch eine größere Menge ihres Lieblingstees, den sie so nicht im Supermarkt bekommen“, sagt Mitarbeiterin Sarah Lindner. Für sie ist es aktuell eine arbeitsreiche Zeit, „aber ich bin froh, dass wir noch auf haben können.“

Auf der Suche nach Geschenken wird es eng

Anders sieht man das im Buchladen Jokers. „Wäre es nach mir gegangen, hätten wir am Montag gar nicht öffnen sollen. Es sind deutlich mehr Kunden unterwegs als sonst und nicht alle sind ruhig, geduldig und achten auf den gebotenen Abstand“, sagt ein Mitarbeiter. Es sei ein zweischneidiges Schwert, auf der einen Seite brauche man den Umsatz, auf der anderen Seite kämen nun alle, die noch Geschenke besorgen müssen, auf einmal.

Auch die Schokoladenmanufaktur am Berge bleibt geöffnet. Trotzdem ist hier viel los, die Schokoladenspezialitäten sind ein klassisches Weihnachtsgeschenk. Auch Superintendentin Christine Schmidt kauft am Montag Marzipanbrote ein, die sie zu Weihnachten verschenken möchte. „Alle Geschenke habe ich noch nicht beieinander“, sagt sie. „Aber dieses Jahr gibt es eben mehr Briefe und Gutscheine. Das wird sich alles finden, jetzt heißt es improvisieren.“

Guido Vianden, der Geschäftsführer der Schokoladenmanufaktur, vermutet, dass das Geschäft ab Mittwoch sehr einbrechen wird. „Es werden sich sicher nicht mehr viele Menschen in die Innenstadt verirren.“ Nach Weihnachten wird er das Geschäft erstmal schließen und Urlaub machen: „Nach Weihnachten ist für uns soweiso eine schlechte Zeit, aber da kommen sonst Touristen, Gutscheineinlöser, Bummler und Umtauscher. Das fällt alles weg.“

Manche Läden bleiben am Dienstag bis spät abends auf

Friedrich Buschs Spielwarengeschäft „Fips“ ist voll, ständig klingelt das Telefon. Um ein bisschen Ruhe reinzukriegen, wird er den Laden am Dinestag bis 22 Uhr geöffnet lassen. „Außerdem werden wir auch nach Mittwoch innerhalb der Stadt liefern, außerdem kann an einer Extratür Ware abgeholt werden.“

André Albers vom Blumenkontor sieht die Notwendigkeit des harten Lockdowns, ärgert sich aber über den kurzen Vorlauf. „Dieses ewige Hinhalten zehrt an den Nerven. Wir haben hier verderbliche Ware, darauf hätte man uns vorbereiten müssen.“ Im Geschäft gibt es nun auf Topfpflanzen 50 und auf Weihnachtsartikel 30 Prozent. Was nicht verkauft wird, soll, wie im ersten Lockdown, an das Hospiz Marianus 1 in Bardowick gespendet werden.

Kundin Merve Herkci holt sich im „Hairstore“ noch ein Pflegeprodukt für ihre Haare. „Eigentlich habe ich das noch nicht wieder gebraucht, aber ich dachte, ich nehme es lieber mit. Da ist schon ein kleiner Druck, noch alles zu bekommen.“ Auch Gisela Wiedemann ist am Montag in der Stadt unterwegs. „Ich mache mir aber gar keinen Stress und besorge gerade nur das Nötigste. Ich habe 16 Enkel, und dann bekommen die in diesem Jahr zu Weihnachten eben mal Geld geschenkt, bevor ich jetzt noch überall hinrenne. Das ist halt eine Ausnahme.“

Mutter und Tochter Schütz am Montag in der Innenstadt. (Foto: t&w)

Kerstin Schütz und ihre Tochter Celine haben jetzt innerhalb von vier Stunden alle Geschenke besorgt. „Dienstag ist dann nochmal ein Nottag, falls wir doch etwas vergessen haben.“ Sie ist froh, dass die Geschäfte jetzt schließen. „Es wird wirklich Zeit.“

Telefon beim Friseur steht nicht still

Sorgen machen sich hingegen Inhaber und Inhaberinnen wie Rena Winkelmann aus dem Kleiderladen Ranck für große Größen. „Die Stimmung ist gerade deprimierend. Wir verpassen die umsatzstärkste Zeit im Jahr.“ Der Lockdown sei nötig, aber leicht sei es alles nicht. Am Morgen hatte die Geschäftsleitung spontan beschlossen, 30 Prozent Rabatt auf alles zu geben. „Das ist ja unsere einzige Chance, vorm Lockdown noch etwas zu verdienen.“ Auch würden sie eine Stunde länger geöffnet haben als sonst – bis 19 Uhr. Mit Gutscheinen versucht es auch der Hairstore. „Die können dann im neuen Jahr eingelöst werden“, sagt Filialleiterin Anke Wiermann. Da in diesem Lockdown nun auch Friseure schließen müssen, hofft sie auf Kunden, die sich noch ein wenig Farbe zum selber Färben für zu Hause besorgen wollen.

In den Friseurläden stehen derweil die Telefone nicht still. „Wir bleiben jetzt am Montag und Dienstag länger, mal sehen wie lange“, sagt Friseurin Leto Shakerova von Show Cut. Vor Weihnachten würden die Leute vor allem Ansätze auffrischen wollen und nachfärben. Sie hätte lieber wie im Frühjahr weitergearbeitet. Auch bei Friseur Böhnsch habe man sich schon auf eine Schicht bis 21 Uhr statt 18 Uhr eingestellt.

In der Provinzperle ist man sich hingegen noch nicht sicher, ob der Laden während des Lockdowns geöffnet bleiben darf oder nicht. Dort werden neben lokalen Deko- und Geschenke-Artikeln auch Weine angeboten, die unter Lebensmittel zählen. „Ich habe vom Landkreis eine Nummer bekommen, wo ich mich in Hannover melden kann, dort habe ich aber noch keinen erreicht“, sagt Inhaberin Antje Blumenbach am Montag. Sie hofft darauf, dass Kunden weiterhin ihren Laden betreten dürfen.

Von Lea Schulze und Laura Treffenfeld