Sonntag , 4. Dezember 2022
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Das geplante Neubaugebiet Am Wienebüttler Weg ist umstritten. Foto: Michael Behns

Politik soll Entscheidung zum Neubaugebiet überdenken

Der Bauauschuss hat sich bereits mehrheitlich für den Bebauungsplan Am Wienebütteler Weg ausgesprochen, jedoch sehen die Grünen erhebliche Probleme, ihn in der Ratssitzung am Donnerstag zu verabschieden. Auch die BI Grüngürtel West fordert den Stadtrat in einem offenen Brief auf, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. 

Lüneburg. Die Grünen im Stadtrat sehen laut ihrem Fraktionsvorsitzenden Ulrich Blanck erhebliche Hinderungsgründe, den Bebauungsplan Am Wienebütteler Weg in der Ratssitzung am Donnerstag zu verabschieden. Um ihre Positionen deutlich zu machen, haben sie 13 Änderungsanträge eingebracht. Einzusehen sind diese im Internet unter www.hansestadtlueneburg.de als Anlage zur Beschlussvorlage zu dem Tagesordnungspunkt.

Der Rat tagt am Donnerstag, 17. Dezember, um 17 Uhr im Gesellschaftshaus der PKL. Es wird eine lange Sitzung, denn mehr als 30 Tagesordnungspunkte sollen behandelt werden.

Die Änderungsanträge beziehen sich auf Themen wie Verkehrs- und Energiekonzept, CO2-Neutralität, Stellplätze für Autos, Buslinienführung sowie Förderung der Energieeinsparungen. Blanck verweist darauf, dass Oberbürgermeister Ulrich Mädge wiederholt erklärt habe, dass die Entscheidung zum Bebauungsplan dem Rat obliege. Deshalb müsse dort auch die Diskussion zu den Änderungsanträgen laufen.

Ob die Grünen das Blatt noch wenden können, ist fraglich. Der Bauausschuss hatte sich mehrheitlich für den Bebauungsplan ausgesprochen.

Auch BI will, dass Entscheidung überdacht wird

Auch die BI Grüngürtel West hat sich in einem offenen Brief an die Mitglieder des Lüneburger Stadtrates gewandt mit der Bitte, ihre Entscheidung für das geplante Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg zu überdenken. Darin heißt es unter anderem: "Es gibt sicherlich Interessenten für ein Eigenheim auf der derzeitigen Ackerfläche, es gibt aber sehr viel mehr Lüneburger Bürger, die eine Verschlechterung der Verkehrsverhältnisse, des Stadtklimas, der Umweltbedingungen und der Naherholung befürchten."

Ein Nein wäre aus Sicht der BI ein Anfang für eine an den Erfordernissen des Klimawandels, der Verkehrswende und des bezahlbaren Wohnraumes ausgerichtete Politik.

Hier können Sie den offenen Brief lesen:

Sehr geehrter Herr .., sehr geehrte Frau ...

Sie sollen im Rat der Stadt Lüneburg am 17. Dezember über das geplante Baugebiet "Am Wienebütteler Weg" entscheiden.

Es gibt sicherlich Interessenten für ein Eigenheim auf der derzeitigen Ackerfläche, es gibt aber sehr viel mehr Lüneburger Bürger, die eine Verschlechterung der Verkehrsverhältnisse, des Stadtklimas, der Umweltbedingungen und der Möglichkeiten der Naherholung befürchten.

Die Schaffung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum wurde durch die Ausweisung immer neuer Baugebiete in den letzten Jahren offensichtlich nicht erreicht. Die Preise auf dem Lüneburger Wohnungs- und Immobilienmarkt sind weiter explodiert. Lüneburgerinnen und Lüneburgern vor allem mit kleinen Haushaltsbudgets ziehen weg.

Ein Ja wäre ein "Weiter so" für die kritikwürdige Bau- und Wohnungspolitik der letzten Jahrzehnte, ein Nein wäre ein Anfang für eine an den Erfordernissen des Klimawandels, der Verkehrswende und des bezahlbaren Wohnraumes ausgerichtete Politik.

Ihre Entscheidung wirkt lange, sie wird die Lebensqualität der Lüneburger Bevölkerung beeinflussen und die Stadtentwicklung prägen.
Eine Entscheidung gegen das von der Verwaltung geplante Baugebiet werden Ihnen die Lüneburger Bürgerinnen und Bürger danken – spätestens bei der Kommunalwahl 2021. Die Kommunalwahl 2021 wird sich am Umgang mit dem Klimawandel entscheiden!

Unsere Sicht der Wohnungspolitik in Lüneburg in Thesen:

1. Wir dürfen in Lüneburg den Mangel an bezahlbarem Wohnraum nicht durch Ausweisung von Neubaugebieten auf den wenigen verbliebenen unbebauten Freiflächen bekämpfen. Das wäre der falsche Weg. Diese Flächen sind für den Klimaschutz und den Naturschutz, für Naherholung und Landwirtschaft unentbehrlich.

2. Die auf Wachstum setzende Baupolitik der Hansestadt orientiert sich seit langem mit der ständigen Planung neuer Baugebiete einseitig und unkritisch an wenig aussagekräftigen Wachstumsprognosen und an Bauwünschen aus der ansässigen und zuzugswilligen Bevölkerung.
Damit weckt sie weiteren Zuzugsdruck und übergeht die schwerwiegenden öffentlichen Interessen, die einem solchen Flächenverbrauch entgegenstehen.

3. Für die Schaffung von neuem bezahlbaren Wohnraum ohne Zerstörung wertvoller Freiflächen stehen der Hansestadt zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, die sie noch nicht annähernd ausgeschöpft hat (z.B. veranwortungsvolle Nachverdichtung, Förderung von Umbau und Ausbau – unterstützt durch kostenlose Architektenberatung-, Anreize für die Verlängerung der Mietpreisbindung und ähnliche Maßnahmen).

4. Umfassende Möglichkeiten zur Schaffung und zum Erhalt von bezahlbarem Wohnraum lassen sich im Rahmen der Arbeiten für ein integriertes Stadtentwicklungskonzept gemeinsam von Politik, Verwaltung und Bürgern erarbeiten und dann verwirklichen. Die Ausweisung neuer Baugebiete vor dem Abschluss dieser Arbeiten würde vollendete Tatsachen schaffen, die den Wert eines solchen Konzeptes wesentlich beeinträchtigen würden.

5. Einen wichtigen Beitrag zur Entspannung der Wohnsituation in Lüneburg könnten auch Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur im Landkreis leisten (z.B. Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis und zwischen den Gemeinden im Landkreis,Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im Landkreis, Hilfen zur Verbesserung der Versorgungsstruktur der Gemeinden usw.). Dies würde den Zuzugsdruck aus dem ländlichen Raum vermindern, der wesentlich mitverantwortlich ist für die Knappheit von bezahlbarem Wohnraum in der Stadt.

Mit freundlichen Grüßen
für die Bürgerinitiative Grüngürtel West
Wolfgang Kreider

Von Antje Schäfer