Freitag , 2. Dezember 2022
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Heiko Dörbaum scheidet nach 27 Jahren als Ortsvorsteher vom Ebensberg aus dem Amt aus. „Man muss auch loslassen können“, sagt er. (Foto: t&w)

Heiko Dörbaum gibt Ortsvorsteher-Amt am Ebensberg ab

Sich ehrenamtlich zu engagieren war für Heiko Dörbaum immer Ehrensache. Viele Jahre war der Sozialdemokrat nicht nur Mitglied des Lüneburger Stadtrates, sondern auch Ortsvorsteher am Ebensberg. Diese Aufgabe übergibt er jetzt Holger Nowak. Die LZ schlenderte mit dem 75-Jährigen durch seinen Stadtteil.

Lüneburg. "Wenn Stadtteilarbeit funktioniert, dann über diese Häuser. Denn sie machen es möglich, für alle Generationen Veranstaltungen und Beratung anzubieten", sagt Heiko Dörbaum am ELMplus stehend. Das Stadtteilhaus am Ebensberg wurde vor acht Jahren eingeweiht. Eines von vielen Projekten, die Dörbaum in den vergangenen 27 Jahren mit begleitet oder vorangetrieben hat. So lange war der heute 75-Jährige Ortsvorsteher des Lüneburger Stadtteils. Jetzt hat er die Aufgabe an Holger Nowak (SPD) übergeben, den der Rat der Stadt in seiner jüngsten Sitzung zum neuen Ortsvorsteher bestimmt hat.

Ebensberg bekam nach dem Krieg 450 Flüchtlinge zugewiesen

1979 zog Dörbaum mit Ehefrau Annelore an den Ebensberg. "Der Stadtteil war damals gerade 30 Jahre alt, war bis 150 ein Ortsteil der Gemeinde Erbstorf gewesen. Die hatte nach dem Krieg 450 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Da die Wohnungsnot groß war, begann man mit der Bebauung des heutigen Ebensbergs", berichtet Dörbaum beim Spaziergang durch das Viertel. Heute zählt der Stadtteil 1900 Einwohner, umgeben von Wiesen und Wald.

Der kleine Teich an der Ecke Am Ebensberg/Glogauer Straße war einer der Gründe, warum sich Dörbaum entschied, in die Kommunalpolitik zu gehen. Anfang der 1980er-Jahre sollte der zugeschüttet, das Gelände bebaut werden. Das ging dem Neubürger vom Ebensberg und anderen Bewohnern gegen den Strich, die Pläne konnten schließlich abgewandt werden. 1988 tritt Dörbaum in die SPD ein, kandidiert 1991 erstmals für den Rat und wird 1993 Ortsvorsteher vom Ebensberg.

Heiko Dörbaum weiß, dass es Wohnraum braucht

Das Amt des Vorsitzenden des Bauausschusses im Rat der Stadt hat er 20 Jahre bis Oktober 2016 inne, schreibt da ein Stück Stadtentwicklung mit. Dort wurde unter anderem auch der erneute Aufstellungsbeschluss fürs geplante Baugebiet Am Raderbach auf den Weg gebracht, zirka 150 Wohneinheiten in Form von Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern könnten dort entstehen. "Allerdings bräuchte das Gebiet eine Erschließung von der Erbstorfer Landstraße aus, bislang gelang der Eigentumserwerb dafür nicht", berichtet Dörbaum.

Dass es Wohnraum braucht, weil Lüneburg begehrtes Zuzugsgebiet mit hoher Lebensqualität ist, ist für den Sozialdemokraten keine Frage. Eine Nachverdichtung der bestehenden Wohnbebauung im Gebiet östlich der Breslauer Straße bis westlich der Gumbinner Straße wurde vor zwei Jahren beschlossen. "Allerdings unter der Prämisse, dass sich die neuen Gebäude dem Charakter des Stadtteils anpassen", macht Dörbaum deutlich und zeigt auf Neubauten.

"Man muss auch los lassen können"

Zu guter Letzt geht es noch zum Viertel am Nutzfelder Weg, das auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei ab Mitte der 1980er-Jahre entstand. Es sind schmucke Reihen- und Doppelhäuser, "die Nachfrage groß war." Die Straßen schmal, das entschleunigt den Verkehr – wobei im ganzen Wohngebiet Tempo 30 gilt. Angrenzend auf die Fläche Am Raderbach, für die schon mal in der 1990er-Jahren einen Aufstellungsbeschluss gab, sollte ein Nahversorger kommen – "das hat sich durch Loewe-Center erledigt".

Wie sehr Heiko Dörbaum der Ebensberg am Herzen liegt, schwingt mit jedem Satz mit. Was ihn auszeichnet, ist seine freundliche Art, sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement. Und als Kommunalpolitiker war er immer bereit, im Sinne der Sache auch Kompromisse einzugehen. Beim Kaffee im Wohnzimmer der Dörbaums sagt er schließlich lächelnd: "Man muss auch los lassen können. Holger Nowak kenne ich seit 20 Jahren, er ist sehr geeignet, die Aufgabe zu übernehmen."

Von Antje Schäfer