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Roland Schröder
Roland Schröder ist endlich wieder zu Hause in Handorf. (Foto: privat)

Happy End für Handorfer

Der wegen der Grenzschließung in Dover gestrandete Roland Schröder hat eine Odyssee hinter sich, als er am 25. Dezember endlich in seiner Heimat Handorf ankommt und damit sein größter Wunsch in Erfüllung geht.


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Der wegen der Grenzschließung in Dover gestrandete Roland Schröder hat eine Odyssee hinter sich, als er am 25. Dezember endlich in seiner Heimat Handorf ankommt und damit sein größter Wunsch in Erfüllung geht.

Lüneburg. Der Handorfer Roland Schröder war einer von tausenden Menschen, die die Grenzschließungen Großbritanniens wegen der neuen Corona-Variante Anfang vergangener Woche eiskalt erwischte. Mehrere Tage hing er in Dover fest, klagte über erschütternde Zustände vor Ort und eine völlige Überforderung der Behörden (LZ berichtete). Obwohl es nicht gut für Schröder aussah, gab er die Hoffnung nicht auf und so erfüllte sich sein größter Wunsch, Weihnachten noch mit seiner Familie verbringen zu können, am ersten Weihnachtsfeiertag.

Er habe Glück im Unglück gehabt, sagt Schröder jetzt, zurück in der Heimat. “Schauen Sie sich die Live-Bilder an, da stehen sicher immer noch 500 bis 600 LKWs. Ich war einer der ersten, der es geschafft hat, die Grenze zu passieren.” Für seinen Corona-Test war Schröder am 23. Dezember extra zum Flughafen ins 150 Kilometer entfernte London gefahren. “Für die letzten fünf Kilometer nach Dover rein habe ich fast sechs Stunden und drei Anläufe gebraucht. Immer wieder bin ich von der Polizei weggeschickt worden. Die wollten verhindern, dass noch mehr Fahrzeuge die Stadt verstopfen.” Letztlich habe er es mit Hilfe seines Navigationsgeräts und Google Maps geschafft und sein Hotel in Dover gegen 20 Uhr über Feld- und Schleichwege erreicht. “Da herrschte immer noch großes Chaos, es waren keine Tests gemacht worden, niemand ausgereist.”

Ronald Schröder stellte sich seinen Wecker auf drei Uhr morgens und ging zu Fuß zum Hafen. Dort sei inzwischen Personal vom National Health Service eingetroffen, um Schnelltests durchzuführen. “Da wurden die ersten durchgelassen, aber die Zahl war verschwindend gering.”

Ab vier Uhr morgens stand Schröder erneut im Stau für den Corona-Schnelltest, knapp fünf Stunden musste er in seinem Auto darauf warten, bis er sich schließlich einem Schnelltest unterziehen durfte. Um 10 Uhr dann endlich die gute Nachricht: Das Ergebnis war negativ, Schröder durfte ausreisen. Rund zwei Stunden später kam das Ergebnis seines Tests aus London, auch dieses war negativ. Frankreich erkannte wider Erwarten nur die Ergebnisse der Schnelltests an, sein Trip nach London sei dennoch nicht umsonst gewesen, sagt Schröder: “Dadurch erspare ich mir jetzt die zweiwöchige Quarantäne, das wäre nochmal hart geworden.”

Um 12.25 Uhr am 24. Dezember legte Schröders Fähre ab, nur halbvoll sei sie gewesen. “So schnell kamen die da am Hafen einfach nicht mit dem Testen hinterher.” In Calais angekommen, habe Schröder ordentlich Stoff gegeben. “Um ein Uhr nachts war ich zuhause. Meine Tochter war noch wach und hat mir Essen aufgewärmt, das war sehr schön.” Das Lamm sei legendär gewesen und habe für viele Strapazen entschädigt, ebenso wie die folgenden Tage im Kreise seiner Familie mit Lachs und Tapas. “Dass meine Tochter an Weihnachten kocht, wird jetzt eine neue Familientradition, weil es so lecker war”, schwärmt der Familienvater Schröder.

Er ist inzwischen mit der Situation versöhnt, ärgert sich jedoch weiterhin darüber, dass in Großbritannien erst viel zu spät mit den Tests begonnen worden sei. “Ich hatte auch das Gefühl, dass das Verhalten der Franzosen eher politisch motiviert war, wir waren ein Faustpfand für die in Sachen Brexit-Verhandlungen, der Corona-Test vorgeschoben.”

Schröder ist heilfroh, zurück in Handorf zu sein, regelmäßige Reisen nach Großbritannien wird es für den Händler mit Ruderbooten erstmal nicht mehr geben. “In den letzten 30 Jahren war ich eigentlich alle drei Monate drüben. Wegen der vielen Formalitäten und der aufwändigen Zollabwicklung, werde ich mich in Zukunft nicht öfter als einmal jährlich auf den Weg machen.”

Von Lea Schulze