Mittwoch , 30. November 2022
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Bei dem Fall, der in Bergisch Gladbach seinen Ursprung nahm, handelt es sich um eines der größten Netzwerke von Kinderpornografie- und missbrauch in Deutschland.

Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Lüneburger in U-Haft

Lüneburg/Köln. Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen von Bergisch Gladbach sitzt nun auch ein Lüneburger in Untersuchungshaft. Er stehe in Verdacht, seine Tochter missbraucht zu haben, heißt es von der Polizei. Wie erst am Dienstag bekannt wurde, hat das Amtsgericht Braunschweig bereits am 10. Dezember Untersuchungshaft gegen den Mann angeordnet. Bei dem Fall, der in Bergisch Gladbach seinen Ursprung nahm, handelt es sich um eines der größten Netzwerke von Kinderpornografie und -missbrauch in Deutschland.

Mann soll zudem pornografisches Material verbreitet haben

Die Lüneburger Staatsanwältin Wiebke Bethke bestätigte, dass der Fall „hier jetzt vorliegt“. Der Tatverdächtige sitze in der JVA Uelzen in Untersuchungshaft. „Die Ermittlungen stehen aber noch ganz am Anfang“, betonte Wiebke Bethke. Der Mann soll zudem pornografisches Material verbreitet haben.

Im Fall des Lüneburgers gab es zuvor eine Verwechslung: Auf den Dateien des Hauptverdächtigen aus Bergisch Gladbach war auch ein etwa drei- bis vierjähriges Mädchen zu sehen, das missbraucht wurde. „Diese Spur führte nach Wolfsburg“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig dem NDR. Die Ermittler durchsuchten die infrage kommende Wohnung – doch hier lebte ganz offensichtlich nicht der Täter. „Der 31-Jährige, der dort lebte, konnte uns glaubhaft versichern, dass er nichts mit der Sache zu tun hat.“

Mutmaßlicher Täter soll Daten seines Bruders benutzt haben, um Tat zu verschleiern

Doch die Behörde wurde auf den 33-jährigen Bruder des Mannes aufmerksam, der in Lüneburg lebt. „Er hatte die Daten seines Bruders aus Wolfsburg benutzt, um seine Taten zu verschleiern“, sagte der Sprecher. Trotz dieser falschen Fährte ergab eine folgende Durchsuchung der Wohnung in Lüneburg, dass es sich hierbei offensichtlich um den Tatort handele, der auch auf den Dateien zu sehen war. „Das Opfer ist das leibliche Kind des Beschuldigten aus Lüneburg“, sagte der Sprecher laut NDR.

In dem Missbrauchsverfahren sind nach Angaben der Polizei inzwischen bundesweit 239 Beschuldigte erfasst. Sieben Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft, gegen zwölf Personen hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, neun sind bereits verurteilt. „Wir werden weiter mit vollem Einsatz daran arbeiten, missbrauchte Kinder aus ihren schlimmen Lebenssituationen zu holen“, erklärte Kriminaldirektor Michael Esser. In 52 Fällen sei das auch bereits gelungen. lz/ndr/dpa