Sonntag , 4. Dezember 2022
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Florian Buhr
Die Corona-Pandemie hat das Geschäftsleben auch bei Florian Buhr kräftig durcheinander gebracht. Der Unternehmer schaut trotzdem optimistisch in die Zukunft. (Foto: t&w)

Unternehmergeist contra Corona

Die Corona-Krise auch als Chance begreifen? Florian Buhr, Geschäftsführer des Lüneburger Unternehmens Protones hat die Herausforderung angenommen und neue Geschäftsfelder erschlossen. Er schaut optimistisch au das neue Jahr und denkt auch  über Neueinstellungen nach.

Lüneburg. Was macht ein Unternehmen in der Coronakrise? Frust schieben? Leute entlassen? Mit Gott und der Welt hadern? Diese Gedanken jedenfalls hatte der LZ-Redakteur im Kopf, als er er sich mit Florian Buhr, Geschäftsführer der Protones GmbH & Co. KG zum Interview-Termin verabredete, um über das Corona-Jahr 2020 zu sprechen. Über Lock- und Shutdowns, durchkreuzte Pläne, Kurzarbeit und die Gewissheit, dass das Covid-19-Virus nicht nur Menschenleben bedroht, sondern auch Unternehmen eliminiert. Doch Florian Buhr wirkt alles andere als deprimiert, und zu Beginn des Gesprächs stellt er erst einmal fest: "Für mich war 2020 auch das Jahr, in dem ich mich wirklich zu einem Unternehmer entwickeln musste."

Natürlich sei der Lockdown im März 2020 ein Schock für ihn und die Firma gewesen – und spurlos gehe die Krise auch an seinem Unternehmen nicht vorbei. Von seinen ursprünglich 40 Mitarbeitern konnte er aber fast alle Kollegen – auch Dank des Arbeitsmarkt-Instruments Kurzarbeit – in Lohn und Brot halten. "Das hat uns wirklich geholfen!", sagt der 46-jährige Firmenchef, der jetzt, zu Beginn des neuen Jahres, optimistisch in die Zukunft schaut. Warum? "Weil wir trotz des ganzen Corona-Wahnsinns die Chance genutzt haben, uns als Unternehmen noch breiter aufzustellen", erklärt er.

Neue Aufgabenfelder erschlossen

Vielen Lüneburgern ist das Unternehmen mit Sitz In der Marsch vor allem als Fullservice-Anbieter für die Durchführung von Veranstaltungen und Ausstattung von Veranstaltungsstätten bekannt. Dabei hätten Veranstaltungen schon vor Corona nur etwa ein Viertel des Geschäfts ausgemacht. Aber weil das Konzert/Festival/Theater und Tour-Geschäft zur Zeit komplett ruht, hat Florian Buhr neue Aufgabenfelder aufgetan. Und das durchaus erfolgreich: "Wir beraten und begleiten jetzt beispielsweise auch Schulträger und Schulen ganzheitlich bei der digitalen Transformation." Unter anderem stattet das Lüneburger Unternehmen zurzeit Schulen in Wiesbaden mit digitaler Technik aus – ein Großauftrag", freut sich Buhr und sagt: "Wir sind jetzt auch mehr denn je eine Elektroinstallationsfirma mit dem dafür notwendigen know-how." Das spiegle sich auch im Firmennamen wider: Protones GmbH & Co. Kg statt "nur" Protones Veranstaltungstechnik.

Digitalisierung wird vorangetrieben

Die Pandemie mit all ihren negativen Auswirkungen zwinge Unternehmen neue Wege zu gehen, neue Geschäftsfelder aufzutun und sich breiter aufzustellen. Das sieht Florian Buhr als seine Pflicht als Unternehmer: Wer sich dem verweigere, verschwinde über kurz oder lang vom Markt. Der 46-jährige Unternehmer sagt: "Wenn Corona etwas Gutes hat, dann das, dass die Digitalisierung in Deutschland nun verstärkt vorangetrieben wird."

Und das Lüneburger Unternehmen will da mitspielen, hat sein Firmen-Portfolio entsprechend erweitert, indem es die notwendige Konferenztechnik für Online-Konferenzen und Produktpräsentationen anbietet. Auch sogenannte Hybrid-Veranstaltungen wie die jüngste Lünale, die unter Corona-Bedingungen stattfinden musste, sind möglich. Buhr fasst es mit wenigen Worten so zusammen: "Wir haben uns noch weiter hin zu Industrieinstallationen entwickelt."

Was freilich nicht bedeutet, dass die alten Geschäftsfelder nicht mehr stattfinden: Natürlich werden wir auch künftig Kreuzfahrtschiffe mit Bühnen- Licht,- Ton und Videotechnik ausstatten", denn davon ist Buhr auch überzeugt: "Wenn die Corona-Pandemie erst einmal überwunden ist, wird auch die Freizeit- und Touristikbranche wieder an Fahrt aufnehmen."

Aber auch jetzt – mitten im Shutdown – ist das Wissen und Können der Lüneburger gefragt: Zurzeit bauen wir in Hamburg die gesamte Medientechnik in das Congress-Zentrum ein, wir sind in der Hamburger Jazz-Halle aktiv und auch am Theater in Uelzen, listet Buhr auf. Kurzum: Es geht voran, es gibt Aufträge – auch in Zeiten von Corona. Und Unternehmer Buhr blickt denn auch optimistisch auf das neue Jahr 2021: "Bis Mitte Mai werden wir wahrscheinlich alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit haben", hofft der 46-jährige – der jetzt auch schon wieder über Neueinstellungen nachdenkt.

Von Klaus Reschke