Samstag , 3. Dezember 2022
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Komposterde
Kompostmiete wird mittels Radlader durchlüftet. In dieser Komposterde stecken Lüneburger Weihnachtsbäume. (Foto: GfA)

So geht es mit unseren Weihnachtsbäumen weiter

Das Leben eines Weihnachtsbaumes ist in der Regel kurz. Anfang Januar werden die meisten Tannenbäume abgeschmückt und aus der Stube getragen. Da kommt einiges an Biomasse zusammen, im vergangenen Jahr waren es bundesweit knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume. Dem Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit entspricht das nicht. Doch die Biomasse wird in Lüneburg weiterverwertet.

Lüneburg. Die Gesellschaft für Abfallwirtschaft Lüneburg (GFA) sammelt zum Jahresbeginn viele Tannenbäume mit dem Grünabfall ein und erweitert das ökologischen Leben eines ausrangierten Weihnachtshinguckern, indem sie daraus Lüneland-Kompost herstellt. Dazu werden alle abgeholten Tannenbäume in einem mobilen Zerkleinerungsgerät mit einer Art großen Trichter oben drauf auf die Größe von grobem Mulch geschreddert. Anschließend wird dieser mit anderen Grünabfällen durchmischt, etwa Blättern oder Gras, denn für guten Kompost braucht es einen guten Mix, weiß Erich Tegtmeyer, Bereichsleiter Technik bei der GFA.

Der Kompost muss bewässert und durchlüftet werden

Danach landen die Tannenbaumschnipsel auf der sogenannten Kompostmiete, einem gut 80 Meter langen, 20 Meter breiten und zwei Meter hohen Komposthaufen, in dem Mikroorganismen für eine Mineralisierung sorgen und langsam das organische Material abbauen. Am Ende dient der fertige Kompost prima zum Düngen. "Die Bakterien sind quasi unsere Kollegen und wir erleichtern ihnen die Arbeit", sagt Tegtmeyer. Dazu gehört es, die richtige Temperatur zu halten – die wird mittels Thermometern, die im Komposthaufen stecken, überprüft. Denn wenn es den Mikroorganismen zu warm wird, längere Zeit über 50 Grad, sterben sie. "Aus diesem Grund bewässern wir den Kompost und alle paar Wochen wird er gewendet, damit Luft unter die Biomasse kommt", sagt Tegtmeyer. Das geschieht mit einem Radlader, der setzt den ganzen Komposthaufen einmal um.

Der fertige Kompost dient anderen als Dünger

Gut sechs bis zwölf Monate dauert es, bis die Mikroorganismen ihre Arbeit getan haben. Für eine kurze Zeit müssen dann sogar einmal Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius zugelassen werden, um den Kompost zu hygienisieren. "Zwischendurch haben wir hier auch Gutachter, die Proben entnehmen und die Qualität prüfen", sagt Tegtmeyer.

Ist alles gut, kann der fertige Kompost weggegeben werden. Aus zwei Gründen setzt die GFA auf Selbstabholer. "Zum einen bleibt immer eine Restfeuchtigkeit im Kompost, würden wir den verpacken, könnte er faulig werden. Um ihn komplett zu trocknen, müssten wir aber wieder Energie aufwenden, und das wollen wir ja nicht. Zum anderen sparen wir so Verpackungsmaterial." Vom Lkw-Anhänger bis zum Eimerchen im Fahrradkorb macht die GFA alle Behälter mit Kompost voll. Ein Kubikmeter kostet dabei rund 12 Euro.

Jährlich 14.000 Tannenbäume nur im Landkreis

"In den vergangenen fünf Jahren haben wir im Schnitt im Januar 90 Tonnen Grünabfall in der Hansestadt und 240 Tonnen im Landkreis Lüneburg eingesammelt. Bestimmt 90 Prozent bei diesen Januar-Grünabfällen sind Tannenbäume, ganz genau wissen wir es aber nicht", sagt Tegtmeyer. Mit der Annahme, dass ein durchschnittlicher Tannenbaum 15 Kilogramm wiegt, ergibt das eine ungefähre Stückzahl in der Stadt von 5400 ausrangierten Tannenbäumen und im Landkreis von 14.400 Bäumen jährlich.

Von Laura Treffenfeld

Dann werden die Tannenbäume abgeholt

Im Januar fährt die GFA ihre "Tannenbaum-Tour" durch den Landkreis Lüneburg. Diese Sammlung von Weihnachtsbäumen erfolgt am ersten Abfuhrtermin des Jahres für Grünabfälle. Das erfolgt zu Anfang des Jahres im Landkreis nur einmal im Januar und einmal im März – später im Jahr dann häufiger. In der hansestadt Lüneburg wird der Grünabfall aber alle zwei Wochen abgeholt. "Dass es hier einen Unterschied gibt, liegt an unterschiedlichen Satzungen. Das ist quasi historisch gewachsen", erläutert Tegtmeyer. Wann welche Straße genau dran ist, kann im Abfuhrkalender nachgesehen werden – digital unter www.gfa-lueneburg.de. Die Abholung ist kostenlos. Wichtig ist nur, dass alle Tannenbäume gründlich abgeschmückt wurden. Gegen einen Aufpreis können Tannenbäume auch zu den Öffnungeszeiten der GFA, Adendorfer Weg 7 in Bardowick, abgegeben werden. Und wer seinen Baum gründlich abgeschmückt und in handliche Stücke zerkleinert hat, kann ihn bis zu einem gewissen Maß auch im normalen Bioabfall entsorgen.

Die Abfallwirtschaft Landkreis Harburg bietet Anfang 2021 ebenfalls kostenlose Entsorgungsmöglichkeiten für Weihnachtsbäume an. Die Bäume werden bei der ersten und zweiten Grünabfall-Straßensammlung im neuen Jahr mitgenommen. Die Termine für die Grünabfallsammlung sind unter www.abfallwirtschaft.landkreis-harburg.de zu finden. Dort werden die Tannenbäume auf den kreiseigenen Kompostplätzen zu „Nordheide-Kompost“ verarbeitet.

Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Uelzen bittet um ein gründliches Abschmücken der Bäume. In der 2. und 3. Januarwoche werden dort am Tag der Biotonnenabfuhr die Weihnachtsbäume kostenlos abgefahren. Die Bäume werden in der Kompostieranlage in Borg weiterverarbeitet und müssen deshalb restlos vom Baumschmuck befreit sein. Größere Bäume sind auf Teillängen von 2 Meter zu zersägen. Bäume mit einer Gesamtlänge von 4 Meter und länger werden nicht gebührenfrei abgefahren.