Sonntag , 4. Dezember 2022
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Der Wichernkranz wird per Kran von der Aussichtsplattform des Wasserturms gehoben und am Boden in seine Einzelteile zerlegt.

“Ein herausragendes Spenden-Ergebnis”

Er leuchtet für Geld: Der große Wichernkranz auf dem Wasserturm hat in der Adventszeit gegen eine Spende seine Kerzen entzündet und so Geld für den Guten Nachbarn zusammengesammelt. Das Ergebnis sei "herausragend", bedenke man die deutlich leereren Straßen in diesem Advent.

Lüneburg. Die Kerzen haben wieder gezündet: 7250 Euro Spendengelder sind vom 1. Adventssonnabend bis zum 6. Januar über den stählernen Adventskranz für den guten Zweck zusammengekommen, deutlich mehr als im Vorjahr mit 4800 Euro. Der größte Teil des Geldes ist über Einzelspenden eingegangen. Die übrige Summe von rund 1700 Euro sind durch Anrufe und SMS in die Kasse gespült worden, über die man eine Kerze zum Leuchten bringen konnte.

"Das ist ein herausragendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass ja durch die Pandemie viel weniger Menschen auf den Straßen unterwegs waren", sagt Michael Elsner, Projektleiter und Vorsitzender des Vereins Lebensraum Diakonie. Denn für viele liegt der Reiz, eine Kerze per Anruf zu entzünden, auch darin, dies direkt mit einem Blick zum Wasserturm beobachten zu können. "Dennoch haben wir fast genau so viele Anrufer und SMS-Schreiber gehabt wie im letzten Jahr, nämlich 1125." Dabei haben mehr Leute lieber eine SMS geschickt, (58 Prozent) und etwas weniger angerufen (42 Prozent).

Abbau des Wichernkranzes per Kran

Nun hat ein Kran den 1,5 Tonnen schweren Koloss am Freitagmorgen wieder von dem 56 Meter hohen Wasserturm gehoben und am Boden in seine Einzelteile zerlegt. Die 24 Kerzen, 12 Kranz-Segmente und sonstiges Gestänge werden bis zum nächsten Advents-Einsatz in einer Halle eingelagert. 40 Quadratmeter Platz beansprucht auch der auseinandergebaute Kranz noch. Vor der kommenden Adventszeit wird er dann, wenn nötig, gewartet. "Das sind erfahrungsgemäß Kleinigkeiten, mal eine Schraube, die ausgetauscht werden muss oder etwas mit dem Leuchtmittel", sagt Elsner.

Spenden gehen an den Guten Nachbarn

Seit 2008 hat der Kranz fast 67.000 Euro für Kinder und Familien eingebracht. In diesem Jahr sollen die Spenden aus der Wichernkranz-Aktion an den Guten Nachbarn gehen, der seit 1958 schnelle Hilfe in Not bietet. Es ist eine Aktion der Landeszeitung und der Freien Wohlfahrtsverbände in Lüneburg: Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, der Paritätische, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk. Viele Spenderinnen und Spender sowie Betriebe fördern diese, um in Not geratenen Bürgern mit geringem Einkommen in Stadt und Landkreis schnell und unbürokratisch zu helfen.

Erste leuchtende Kerze sei der schönste Moment der Aktion

"Dass wir in diesem Jahr deutlich über dem Spendenergebnis vom letzten Jahr liegen, kann ich mir gut mit dem Zweck der Spende erklären. Der Gute Nachbar hilft in Notlagen und die hatten wir ja dieses Jahr", sagt Elsner. Es sei toll, dass so viele Menschen hierbei helfen wollten.

Für den Projektleiter sei die erste leuchtende Kerze im Jahr der schönste Moment der ganzen Aktion. "Dann weiß man, dass die ganze Planung im Vorfeld geklappt hat." Bis zur kommenden Adventszeit wartet der erloschene Wichernkranz nun auf seinen nächsten Einsatz und träumt vielleicht von erneuten zahlreich leuchtenden Kerzen.

Darum heißt der Kranz Wichernkranz

Der Name geht zurück auf den Theologen und Begründer der Evangelischen Diakonie Johann Hinrich Wichern. Er hat Anfang des 19. Jahrhundert den Adventskranz eingeführt, als er bedürftigen Kindern die Zeit bis Weihnachten verkürzen wollte.

Von Laura Treffenfeld