Montag , 5. Dezember 2022
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Yvonne Hornack
Yvonne Hornack ist Dialogcoach bei den Roten Rosen, aber immer wieder auch als Richterin für die Serie gefragt. (Foto: be)

Rote Rosen: Sie brennt an beiden Enden

Wenn Maria Fuchs als Carla Saravakos mit ihrem Gregor mal wieder derart realistisch streitet, dass man glatt vergessen könnte, dass es sich um fiktives Fernsehen handelt, wenn Gerry Hungbauer als Thomas Jansen einmal mehr glaubhaft das Muttersöhnchen gibt, dann ist das oft auch das Verdienst von Yvonne Hornack.

Lüneburg. Als Dialog- und Schauspielcoach der Roten Rosen ist es ihr Job, die Schauspieler der ARD-Serie bestmöglich auf einzelne Szenen vorzubereiten. Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört Yvonne Hornack in dieser Funktion zur Belegschaft der Produktionsfirma Serienwerft. Doch die 50-Jährige hat darüber hinaus noch einen Gelegenheitsjob in der Telenovela: Wann immer Recht gesprochen werden muss, ist sie als Richterin zur Stelle. Ihr nächster Auftritt in der Richterinnenrobe steht in Folge 3277 an, die voraussichtlich am 18. Februar ausgestrahlt wird.

Bei Forsthaus Falkenau und Lindenstraße mitgewirkt

Egal ob es um einen Sorgerechtsstreit oder wie in diesem Fall um Schmähung des Gerichts geht, Yvonne Hornack ist für die Rosen als Richterin Dr. Thiehle zur Stelle. Die Auftritte vor der Kamera sind für sie dabei keinesfalls außergewöhnlich, sondern eher Rückkehr zu ihren eigentlichen Wurzeln. Denn sie ist gelernte Schauspielerin, hat einst ihre Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst in Rostock absolviert. Neben vielen Theaterproduktionen und Kabarett stehen auch etliche TV-Engagements in ihrer Vita. Von "Für alle Fälle Stefanie" und "Forsthaus Falkenau" über "Schloss Einstein" und "Verliebt in Berlin" bis hin zu "SOKO Wismar" und "Lindenstraße". Auf der Kinoleinwand war sie im Film "Stilles Land" zu sehen.

Ihr Beruf lebt vom ständigen Wechsel, doch bei den Rosen ist sie irgendwie "hängen geblieben", wie sie selbst sagt. Sie gehört zum festen Stamm der fünf Coaches, drei feste und zwei Springer, die im Wechsel, meist zwei, drei Wochen am Stück, in den Produktionshallen im Industriegebiet Hafen arbeiten. Sie kommt aber nie allein: Dackeldame Luise ist immer an ihrer Seite. "Als ich das erste Mal mit ihr herkam, war sie drei. Heute ist sie 15 und die Chefin hier."

"Ich bin eher die, die Kartoffeln schält und den Tisch abwischt"

Lüneburg ist ihr zweites Zuhause. "Ick leb in Berlin", sagt die Schauspielerin, die dort geboren wurde. Doch längst habe sie auch an der Ilmenau Freunde gefunden. Kollegen zählt sie dazu. "Wenn man jeden Tag zehn Stunden mit einer handvoll Menschen Seite an Seite arbeitet, wächst man natürlich zusammen mit der Zeit. Da sitzt man dann schon mal abends noch gemeinsam beim Essen und einem Glas Wein", erzählt sie und verrät: "Es gibt da ja durchaus Kollegen, die richtig gut kochen können: Hermann Toelcke, Gerry Hungbauer und Maria Fuchs zum Beispiel. Ich bin da eher die, die Kartoffeln schält und den Tisch abwischt. Von mir kriegen die einmal im Jahr ,kalten Hund', den kann ich ganz gut."

Ihre Doppelrolle als Coach und Schauspielerin sieht sie so: "Die Kollegen sind schon strenger, wenn sie wissen, die Olle spielt mal wieder. Dann gucken die schon genau hin, ob ich selbst beherzige, was ich ihnen immer als Tipps mit auf den Weg gebe. Und die erfahrenen Kollegen wie Gerry Hungbauer und Hermann Toelcke musste ich mir als Coach erstmal erobern. Die gucken ja auch: Kann die was? Ich glaube, ich habe sie mir inzwischen ganz gut erobert."

In einer Woche so viel Text wie in einem ganzen Tatort

Weil die Kollegen oft "pro Woche so viel Text lernen müssen wie sonst für einen ganzen Tatort", versuche sie, ihnen auch dafür kleine Tipps mit auf den Weg zu geben: "Keywörter und optische Dinge. Ich male dann zum Beispiel zwei kleine Stiefel in die Ecke des Scripts, wenn es im Text heißt, dass sie davongelaufen ist. Vor allem aber muss man als Schauspieler gut zuhören können, dann kommt der Text in vielen Szenen meist schon von ganz allein."

Die Pendelei zwischen Berlin und Lüneburg sei schon anstrengend, räumt sie ein. "Aber ich nehme diese Anstrengung auf mich, weil mir die Serie so viel bedeutet. Hier stehen stets Frauen Ende 40 im Mittelpunkt, die im Fernsehen sonst oft gar nicht auftauchen." Gerade für die aktuelle Truppe hat sie viel Lob übrig: "Eine großartige Staffel mit wunderbaren Menschen, so willig und witzig. Ich mag die alle wahnsinnig gern."

Selbst spielen oder den anderen beim Spielen helfen – wenn sie sich für eines der beiden Aufgabenfelder entscheiden müsste, fiele ihr die Wahl nicht schwer: "Einmal Schauspielerin, immer Schauspielerin. Für den Beruf brennt man – an beiden Enden."

Von Alexander Hempelmann