Freitag , 2. Dezember 2022
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Alexander Schwake (links) und Steffen Gärtner (rechts) haben als Delegierte mit bei der digitalen Wahl zum neuen CDU-Parteichef abgestimmt. (Fotos: A/t&w)
Alexander Schwake (links) und Steffen Gärtner (rechts) haben als Delegierte mit bei der digitalen Wahl zum neuen CDU-Parteichef abgestimmt. (Fotos: A/t&w)

WhatsApp ersetzte Getuschel auf den Gängen

Das sind die Reaktionen der beiden Lüneburger CDU-Delegierten Alexander Schwake und Steffen Gärtner auf die Wahl von Armin Laschet, dem neuen CDU-Parteichef. Sie hatten am Sonnabend auf dem digitalen Parteitag mitabgestimmt.

Lüneburg. Normalerweise brummen Parteitage wie Bienenstöcke. Buhrufe können zuvor ungefährdete Spitzenleute aus dem Sattel werfen, Beifall den Herausforderer in den Sattel heben. Oft sorgt das Getuschel auf den Gängen für eine Eigendynamik, die die Geschichte den schnellen Vorlauf einlegen lässt. Das war in der Form beim digitalen Bundesparteitag der CDU nicht möglich. Dennoch waren die beiden Lüneburger Delegierten Alexander Schwake und Steffen Gärtner dabei, als Geschichte geschrieben wurde: Die erste Online-Wahl eines Parteichefs. Die Weichenstellung der CDU für die Zeit nach Angela Merkel. Der erneut ausgebremste Friedrich Merz.

Online mehr Konzentration auf Reden

"Die Stimmung fehlte leider", sind sich die Niedersachsens einig. Doch während Gärtner, der Bürgermeister der Samtgemeinde Gellersen, nicht davon ausgeht, "dass der digitale Parteitag den normalen ersetzen wird", kann sich Schwake, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, "künftig eine Hybridform vorstellen, etwa, dass man seine Wortmeldung vorab per Smartphone ankündigt oder damit abstimmt".

Vielleicht sei die Aufmerksamkeit für die Reden so sogar höher gewesen als bei Präsenzparteitagen, wo man sich auch schon mal kurz mit dem Sitznachbarn austauscht, sinniert Schwake – um dann sofort einzuschränken: "Wir hatten parallel einen schnellen, eben digitalen Austausch. Ich war in so vielen WhatsApp-Gruppen..."

"Laschet traf die Stimmung der Delegierten"

Die Reden gaben den Ausschlag in Berlin zugunsten des neuen CDU-Parteichefs Armin Laschet, sind sich die beiden einig. "Seine war richtig gut", sagt Schwake auf LZ-Nachfrage, "vorher fehlte bei ihm oft das Emotionale. Diesmal war es da. Das hat mich überzeugt." Während der nordrhein-westfälische Ministerpräsident normalerweise "eher nüchtern" rüberkomme, habe er dieses Mal mit einer "sehr persönlichen Rede die Gefühlslage der Delegierten getroffen", sagt Steffen Gärtner.

Mit dem Ergebnis hatten beide, ebenso wie der Lüneburger Kreisvorsitzende Felix Petersen, "nach dem ersten Wahlgang gerechnet. Merz` Vorsprung war nicht groß" und es sei klar gewesen, dass die meisten der Anhänger Röttgens, der eine modernere CDU anstrebt, eher zu Laschet tendieren würden.

Althusmann: "Klare Kante gegen AfD"

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sah "drei herausragende Kandidaten" im Wettstreit. Jetzt wünscht sich der Heiligenthaler "Besonnenheit, das ist wichtig für die CDU und das Land". Idealerweise würden die unterlegenen Kandidaten und die Parteiströmungen, für die sie stehen, "nun eingebunden". Alle drei hätten "klare Kante gegenüber der AfD gezeigt. Das ist wichtig, um das Vertrauen der Bürger zu erhalten". Dass Laschet nach seiner Wahl gleich die Kanzlerkandidatur für die CDU reklamierte und so den Ambitionen von CSU-Chef Markus Söder ein Stopp-Zeichen vorhielt, kann Althusmann nachvollziehen: "In fünf von sieben Jahrzehnten Bundesrepublik war der CDU-Chef zugleich Kanzler. Und das war keine schlechte Zeit." Wer für die Union im September antritt, dürfte zeitnah entschieden werden, vermutet Althusmann.

Felix Petersen ist zuversichtlich, dass Laschet schnell die Teile der Union einbinden kann, für die er nicht erste Wahl war. "Schon die Einbindung von Jens Spahn ist ein gutes Zeichen, wünscht sich doch etwa die Junge Union für diesen mehr Verantwortung." Alexander Schwake begrüßt, dass Röttgen umgehend ins Präsidium der Partei gewählt wurde, und schätzt am ausgleichend wirkenden Laschet, "dass er den Geist der Lüneburger CDU widerspiegelt".

Auch Gärtner traut Laschet aufgrund dessen Wirkens in NRW zu, "Positionen und Personen konservativerer Färbung einzubinden. Er ist ein Versöhner." Letzteres erwies sich am Wochenende erneut nicht als Kernkompetenz von Friedrich Merz. "Was ihn geritten hat, umgehend den Wirtschaftsminister Posten im Kabinett Merkel für sich zu reklamieren, ist mir ein Rätsel."

Von Joachim Zießler