Donnerstag , 6. Oktober 2022
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Vor allem der Einzelhandel leidet unter dem aktuellen Lockdown. (Foto: phs)

Lockdown bremst konjunkturelle Erholung

Lüneburg. Der konjunkturelle Erholungsprozess ist im Wirtschaftsraum Nordostniedersachsen ins Stocken geraten. Die Aufholbewegung, die nach dem coronabedingten Totalabsturz im Frühjahr 2020 vom Frühsommer bis in den Herbst hinein zu beobachten war, hat sich im Winter nicht fortgesetzt.

Stattdessen bremsten der Pandemieverlauf, der „Lockdown light“ ab Anfang November und der „harte Lockdown“ ab Mitte Dezember die wirtschaftliche Belebung. Zu diesem Schluss kommt Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, beim Blick auf den Konjunkturbericht der Region für das vierte Quartal 2020.

Die Zuversicht schwindet

Der Konjunkturklimaindikator, Gradmesser für die Zufriedenheit der befragten Unternehmen, ist zum Jahreswechsel von 91 auf 82 Punkte zurückgegangen. Die regionale Wirtschaft schätzt die aktuelle Geschäftslage zwar ähnlich ein wie im Vorquartal, jedoch blicken die Betriebe weniger zuversichtlich in die Zukunft, hat Zeinert festgestellt. „Die Situation wird für die vom Lockdown betroffenen Unternehmen von Woche zu Woche schwieriger. Das sehr geringe Geschäftsvolumen, dass mit Außer-Haus-Verkäufen oder Click-and-Collect-Angeboten dargestellt werden kann, ist mit hohen Kosten verbunden. Zudem kommen die vom Bund zugesagten Fördermittel bei den betroffenen Unternehmen nicht an.“

Während die Geschäftslage im vierten Quartal 2020 von einem Viertel als gut, von 42 Prozent als befriedigend und einem Drittel als schlecht bezeichnet wird, rechnet nur jeder achte Betrieb mit einer Verbesserung der Geschäftslage. 40 Prozent der Betriebe erwarten dagegen eine Verschlechterung der Lage bis Ostern. Dieser Trend zeige sich vor allem beim Handel, aber auch in der Dienstleistungsbranche. Besonders mies ist die Stimmung im Einzelhandel, da im wichtigen Weihnachtsgeschäft schmerzliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen waren. Das schlägt sich auch im Konjunkturklimaindikator nieder, der von 92 auf 59 Punkte gefallen ist.

Es hakt noch bei der Überbrückungshilfe

Dass der Förderzeitraum der Überbrückungshilfe III jetzt auf den Zeitraum November 2020 bis Juni 2021 ausgeweitet werden soll, wertet Zeinert als wichtigen Schritt für alle, die wegen des Lockdowns hohe Einbußen kompensieren müssen: „Noch wesentlicher aber ist, dass die ,Abschlagszahlungen' auf bis zu 100.000 Euro erhöht werden und die Wertverluste von Saisonware als Fixkosten vollständig berücksichtigt werden. " Ein Hauptprobleme der Überbrückungshilfe aber sei nach wie vor ungelöst: Es fehle die Software, um überhaupt Anträge stellen zu können, zudem sei das Programm hoch komplex, wertet Zeinert.

Für die Konjunkturumfrage haben im Dezember und Januar 231 Betriebe aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle ihre aktuelle und künftige Wirtschaftslage eingeschätzt. lz

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