Freitag , 2. Dezember 2022
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Der Coca-Cola-Konzern darf den Pumpversuch starten - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum dritten Brunnen für Vio und Co. (Foto: dth)

Apollinaris Brands kündigt neuen Termin an

UPDATE 2. Februar Nachdem der Getränkehersteller Apollinaris Brands den geplanten Pumpversuch in der vergangenen Woche verschoben hat, steht nun ein neuer Termin fest. Am Mittwoch, 3. Februar, will das Unternehmen mit den Arbeiten in der Samtgemeinde Gellersen beginnen. Gründe für die kurzfristige Umplanung waren nach Angaben des Konzerns technische und witterungsbedingte Probleme.

UPDATE 29. Januar: Der Getränkekonzern Apollinaris Brands verschiebt kurzfristig seinen geplanten Pumpversuch um wenige Tage. Ursprünglich hatte das Unternehmen angekündigt, am Montag (1. Februar 2021) mit den Arbeiten in der Samtgemeinde Gellersen zu beginnen. Dies sei jedoch wegen technischer Probleme derzeit nicht möglich, teilt der Landkreis in einer Pressemitteilung mit. Wann der Pumpversuch genau starten soll, steht noch nicht fest. Sobald ein Termin vorliegt, wird der Landkreis die Öffentlichkeit darüber informieren.

UPDATE 28. Januar: Am kommenden Montag (1. Februar) startet der Getränkekonzern Apollinaris Brands den geplanten Pumpversuch in der Samtgemeinde Gellersen. Das teilt der Landkreis Lüneburg mit. 

Mit reichlich Verspätung kann Apollinaris Brands den umstrittenen Pumpversuch am Brockwinkler Weg starten. Konzernsprecherin sieht alle Auflagen "übererfüllt". BI "Unser Wasser" hätte einen späteren Zeitpunkt erwartet

Reppenstedt. Mit fast vier Monaten Verspätung beginnt das, was für viele Schlagzeilen gesorgt hat – der Pumpversuch der Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands. Alle erforderlichen Unterlagen sind eingereicht, teilte der Landkreis Lüneburg am Donnerstag mit. Anfang Februar soll nun das begehrte Grundwasser aus der Bohrstelle am geplanten dritten Brunnen am Brockwinkler Weg bei Reppenstedt abgepumpt werden, um zu überprüfen, ob und welche Auswirkungen eine Entnahme haben könnte. Dazu hat das Unternehmen neben der Brunnenbohrung und dem Pumpenhaus viele Messstellen und eine Enteisungsanlage errichten müssen.

„Wir haben weitere 17 Messstellen errichten müssen. Damit sind es nun insgesamt 85“, betont Marlen Knapp. Die Pressesprecherin des Coca-Cola-Konzerns spricht von einer „großen Tiefe“ bei der Überwachung – und von vielen Auflagen, die allesamt „übererfüllt wurden“. Das sei ebenso selbstverständlich gewesen wie die Filterung des Wassers aus dem Pumpversuch über die Enteisungsanlage.“ Neben behördlicher Auflagen für diese Anlage habe es noch weitere Gründe für die Verzögerung gegeben. Nicht alle Flächen, auf denen neue Messstellen errichtet werden mussten, gehörten den Kommunen. Also musste mit Pächtern verhandelt werden.

Bürgerinitiative überrascht über Zeitpunkt

Natürlich sei der Pumpversuch noch keine wasserrechtliche Genehmigung, sondern nur ein weiterer Schritt dahin, betont Knapp. Sie ist allerdings erleichtert, dass es nun losgehen kann.

Nicht erleichtert, sondern überrascht ist dagegen Marianne Temmesfeld von der Bürgerinitiative „Unser Wasser“: „Ich habe schon damit gerechnet, dass es Herbst wird, bis der Versuch losgeht. Denn dann hätte man das Thema geschickt aus dem Wahlkampf heraushalten können.“ Die Bürgerinitiative war von Anfang an gegen einen dritten Brunnen, hat auch scharfe Kritik daran geäußert, dass beim Pumpversuch Grundwasser in den Bachlauf des „Kranken Hinrich“ eingeleitet und damit „verschwendet“ wird. Allerdings hatte die BI auch betont, dass ein solcher Pumpversuch notwendig sei, um die Auswirkungen eines möglichen späteren Brunnenbetriebes zumindest ansatzweise überprüfen zu können.

Abstand von einem "Pumpversuch light"

Zwischenzeitlich hatte der Vorschlag eines „Pumpversuchs light“ des Konzerns für Diskussionen gesorgt. Dabei wäre die Fördermenge um knapp die Hälfte reduziert worden. Doch nach Kritik hat Apollinaris Brands davon Abstand genommen. „Im Sinne des sparsamen Umgangs mit Wasser wäre die kleinere Menge durchaus sinnvoll. Im Sinne eines transparenten Verfahrens halten wir die Entscheidung von Apollinaris allerdings für richtig“, erklärt Stefan Bartscht, Leiter Fachdienst Umwelt.

Ein reduzierter Pumpversuch würde bedeuten, dass das Unternehmen den entsprechenden Wasserrechtsantrag auch nur für eine verringerte Gesamt-Fördermenge einreichen könnte. An dem damit verbundenen Verfahren kann sich die Öffentlichkeit beteiligen. Sollte der Konzern jedoch zu einem späteren Zeitpunkt mehr Grundwasser fördern wollen, ist zwar hierfür ebenfalls ein Erlaubnisverfahren notwendig – allerdings sähe das Gesetz dann keine öffentliche Beteiligung mehr vor. „Das hätte den unschönen Beigeschmack von Intransparenz“, betont Bartscht. Das habe man „unbedingt vermeiden“ wollen.

Versuch läuft bis Ende März

In der kommenden Woche starten weitere Vorarbeiten für den Pumpversuch, dann kann es losgehen, sagte Knapp. Der Landkreis will den genauen Termin des Starts rechtzeitig bekanntgeben. Nach derzeitigem Stand läuft der Versuch bis Ende März, im Anschluss werten Experten die Ergebnisse aus. Dabei geht es um die Frage, ob eine langfristige Wasserentnahme negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt hat. Auf Grundlage der Expertise kann das Unternehmen dann seinen endgültigen Antrag zur Wasserentnahme erarbeiten und dem Kreis vorlegen. Er wird schließlich aufgrund der wasser- und naturschutzrechtlichen Vorgaben entscheiden, ob der dritte Brunnen erlaubt wird oder nicht.

Klar ist: Aus diesem dritten Brunnen möchte Apollinaris Brands bis zu 350.000 Kubikmeter Wasser jährlich aus etwa 195 Metern Tiefe fördern. Das Unternehmen betreibt bereits eine Produktionsstätte mit zwei Brunnen in Lüneburg.

Für Marianne Temmesfeld ist auch klar, dass es künftig immer schwieriger wird für Getränkekonzerne, in Deutschland an begehrtes Grundwasser zu kommen. „Bundesweit haben sich in den vergangenen Monaten viele Initiativen gegründet, um eine weitere Kommerzialisierung des kostbaren Grundwassers zu stoppen. Einige haben sich bereits mit uns vernetzt.“

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